Luftschutz-Apotheke

Ein Kriegsrelikt im Territorialmuseum Babenhausen

Brachten das Fundstück ins Museum: Sonja Salac und Dominik Reisser. Inzwischen ist die LS-Hausapotheke in einer Vitrine ausgestellt. Dazu gehört auch das kleine Glasfläschchen, das einmal Baldriantinktur enthielt.
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Zur LS-Hausapotheke gehört auch das kleine Glasfläschchen, das einmal Baldriantinktur enthielt.

Das neueste Ausstellungsstück im Territorialmuseum Babenhausen ist ein 80 Jahre altes Exponat: eine LS-Hausapotheke. Dahinter verbirgt sich eine „Luftschutz-Hausapotheke“, die für die Bürger Anfang des Zweiten Weltkrieges zum Selbstschutz angeboten wurde. 14 Reichsmark hatte damals die kleine Ausführung gekostet.

Babenhausen –Sonja Salac und Dominik Reisser haben in Harpertshausen bei Aufräumarbeiten den sehr gut erhaltenen schwarzen Kasten entdeckt. Beim Öffnen waren beide erstaunt. Es war eine kleine Hausapotheke mit Binden, Fläschchen, Tübchen und vielem mehr. Alles war für den Ernstfall gedacht. Hergestellt hat die LS-Hausapotheke die Firma A. Söhngen & Co in Wiesbaden. Auf zahlreichen Fläschchen sind Etiketten der Aschaffenburger Strauß-Apotheke zu entziffern. Gebrauchsanweisungen haben ebenfalls die Zeit überdauert.

Die beiden jungen Leute fanden es zu schade, diese LS-Hausapotheke dem Müll zu übereignen und nahmen Kontakt mit dem Territorialmuseum auf. So steht sie nun in einer Vitrine im Vortragssaal des Museums in Altstadt.

Es ist ein besonderes Exponat, wie etliche Rundfragen bei Geschichtsorientierten ergaben: Sie alle hatten von einer solchen LS-Hausapotheke noch nie gehört.

Brachten das Fundstück ins Museum: Sonja Salac und Dominik Reisser. Inzwischen ist die LS-Hausapotheke in einer Vitrine ausgestellt.

In der Zeitschrift „Gasschutz und Luftschutz“ aus dem Mai 1940 findet sich ein vierseitiger Aufsatz über die Hausapotheke für den Selbstschutz. Neben Beschreibungen des Kastens sowie der einzelnen Hilfsmittel heißt es auch: „Nicht Form und Größe eines Luftschutzsanitätsgerätes entscheidet über die erste Hilfeleistung, sondern das Verantwortungsbewusstsein und die Kenntnisse sowie die Überlegung, wie man mit den einfachsten Mitteln das Ziel der Hilfeleistung und des Schutzes des Erkrankten vor weiteren Schädigungen am besten erreicht.“

In Harpertshausen hat die LS-Hausapotheke die Zeit überdauert und ist ein Stück Geschichte geworden. In dem Gespräch mit Sonja Salac und Dominik Reisser ergab sich noch ein interessanter Aspekt der Situation vor 80 Jahren. In der heutigen Altheimer Straße befand sich während des Zweiten Weltkrieges ein Luftschutzkeller. Ein Hinweisschild aus Holz mit der Aufschrift „Luftschutz-Keller für 20 Personen“ ist noch vorhanden. Und dort wurde auch die LS-Hausapotheke gefunden. (Von Georg Wittenberger)

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