Alles in einem dicken Ordner

Finale Phase: Mehrere hundert Seiten Bebauungsplan für die Kaisergärten Babenhausen

Blick auf das denkmalgeschützte Kasernenareal mit dem historischen Wasserturm (Mitte). Der neuere Wasserturm (oben rechts) steht als Landmarke ebenfalls unter Denkmalschutz. Foto: Häsler
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Blick auf das denkmalgeschützte Kasernenareal mit dem historischen Wasserturm (Mitte). Der neuere Wasserturm (oben rechts) steht als Landmarke ebenfalls unter Denkmalschutz. 

Heute beginnt mit der Offenlage des Bebauungsplans Kaisergärten die wahrscheinlich finale Phase der Kasernen-konversion. Läuft alles nach Plan, könnte im September oder Oktober der Satzungsbeschluss fallen. 

Babenhausen – Die Zukunft des 60 Hektar großen Kasernenareals steht seit heute im Zimmer 219 des Rathauses – in Papierform. Mehrere hundert Seiten umfasst der Bebauungsplan-Entwurf für die Kaisergärten, die in einem dicken Ordner gebündelt sind. In den kommenden sechs Wochen kann sich jeder durch den Plan wühlen und gegebenenfalls Einwände formulieren.

Die Grundlage dafür haben die Stadtverordneten in ihrer jüngsten Sitzung geschaffen, in dem sie mit großer Mehrheit – die FWB enthielt sich der Stimme – den Offenlagebeschluss gefasst haben. Bürgermeister Joachim Knoke (SPD) beschrieb den „langen, steinigen Weg“, den alle Beteiligten in den vergangenen Jahren gemeistert haben. Er sei sich sicher, dass 2020 lange als das Jahr in Erinnerung bleiben werde, in der wichtigen Beschlüsse zur Kasernenkonversion gefasst worden sind.

Günther Eckert (CDU), Vorsitzender des Kasernenkonversionsausschusses, skizzierte in seinem Redebeitrag ebenfalls die in den 13 Jahren nach Abzug der Amerikaner geleistete Arbeit. Dies sei unter anderem in 25 Ausschusssitzungen geschehen. Ausdrücklich lobte er die gute Zusammenarbeit mit der Kasernenkonversionsgesellschaft und den Investoren – die Firmen Revikon aus Gießen und Aumann aus Babenhausen –, die den in einem städtebaulichen Wettbewerb entwickelten Rahmenplan gut umgesetzt habe. Eckert verschwieg aber auch nicht, dass es noch zu lösende Probleme gibt. Der Verkehr und der dadurch entstehende Lärm entlang der B26 müsse angegangen werden.

So dürfte es auch kein Geheimnis sein, dass Mitglieder der „Bürgerinitiative Verkehr Babenhausen“ (BI) Einwände gegen den Bebauungsplanentwurf einbringen werden. BI-Sprecher Tino Eidebenz berichtet auf Anfrage, dass es Treffen mit der Kasernenkonversionsgesellschaft gegeben habe, die auch sehr sachlich verlaufen seien. Dabei sind auch die Lärmgutachten präsentiert worden, die – keine Überraschung für alle – bescheinigen, dass es bereits jetzt, ohne zusätzlichen Kaisergärten-Verkehr, an etlichen Stellen zu laut ist. Im Endeffekt, so ein Fazit von Eidebenz, sei für die lärmgeplagten Anwohner nichts handfestes herausgekommen. Außer, dass es noch ein wenig lauter werde. „Wir werden uns die Unterlagen mit anwaltlicher Beratung sehr genau ansehen“, sagt Eidebenz, der fest davon ausgeht, dass zu diesem Aspekt Einwände eingebracht werden. Denn: „Nur wer Einwände erhebt, kann später klagen“, so Eidebenz.

„Wir werden uns der Lärmproblematik weiter annehmen“, verspricht Markus Aumann von der Kasernenkonversionsgesellschaft und kündigt weitere Gespräche an. Ansonsten ist er aber guter Dinge, dass in der Offenlage keine großen Probleme mehr auftauchen. Auch, weil in der frühzeitigen Beteiligung der öffentlichen Träger, unter anderem zum Umwelt- und Naturschutz, viele Gespräche geführt worden sind. Eben auch mit Hessen Mobil als die Behörde, die die verkehrliche Erschließung genehmigt. Dies sei auch der Grund, warum sich die zweite Offenlage so verzögert habe, erläutert Aumann. Die Konversionsgesellschaft musste der Forderung nachkommen, alle relevanten Verkehrsknotenpunkt, auch die gar nicht originär zu den Kaisergärten gehören, mit in den Bebauungsplan aufzunehmen.

Derzeit ist der städtebauliche Erschließungsvertrag in Arbeit, der unter anderem die für den Straßenbau verwendeten Materialien beinhaltet. Aumann hofft, dass dieser zusammen mit dem Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan, der letztendlich Baurecht schafft, im September oder Oktober beschlossen werden kann.

Unverständnis hat bei der Konversionsgesellschaft das Vorgehen der Stadtverwaltung ausgelöst, die in der Beschlussvorlage zur Stadtverordnetenversammlung das Aufstellen von Werbepylonen und Fahnenmasten zur Diskussion stellte. Eine große Mehrheit der Lokalpolitiker sprach sich dagegen aus, die meterhohen Werbeträger zu erlauben. „Wir hätten uns gewünscht, dass man mit dieser Frage im Vorfeld auf uns zugekommen wäre“, so Aumann. Es sei klar, dass man das historische Kasernenensemble nicht durch Werbetafeln verunstalten wolle, aber es sei eben auch wichtig für den geplanten Rewe-Markt und dessen Außendarstellung. Zusammen mit der Denkmalschutzbehörde hätte man sicherlich eine gute Lösung gefunden, meint Aumann.

VON NORMAN KÖRTGE

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