Kein Eis und keine Dessous

Geschlossene Geschäfte und kreative Lösungen in Babenhausen

Ein sonniger Mittag, aber die Bummelgass’ mit ihren Geschäften und Lokalen ist teilweise menschenleer.
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Ein sonniger Mittag, aber die Bummelgass’ mit ihren Geschäften und Lokalen ist teilweise menschenleer.

Sch. . . . !“ – kurz, knapp und vor allem ehrlich beschreibt Kati Mehler die Situation für die Einzelhändler. Ihr Geschäft „Xamea Dessous“ in der Babenhäuser Bummelgass’ hat seit Mittwoch geschlossen.

Babenhausen – „Büstenhalter, Slips und Nachtwäsche gehören eben nicht zu den lebenswichtigen Produkten. „Das wird ein knallhartes Jahr“, sagt sie. Und meint dabei auch ihre Mitarbeiterinnen, die sie auf Kurzarbeit setzen musste. Sie persönlich werde die kommenden Tage dazu nutzen, um liegen gebliebene Büroarbeit zu erledigen und kleinere Renovierungsarbeiten in Angriff zu nehmen. Froh ist sie, dass ihre Lieferanten die gelieferte Ware nicht sofort bezahlt haben wollen. Und als positiv denkender Mensch setzt die Radheimerin auf ihre Kundschaft, dass diese nach der Wiedereröffnung nach der Corona-Krise wie zuletzt in ihren Laden direkt am Marktplatz strömt und für Umsatz sorgt. Dass sie dort in gemütlicher Atmosphäre eine erstklassige Beratung erwartet, haben Mehler und ihr Team gerade erst in Form eines Branchen-Awards bestätigt bekommen (Bericht folgt).

Ein paar Meter weiter ist Walter Proboscht in der Buchhandlung „Auslese“ zugange, auch wenn die Eingangstür für Kunden geschlossen ist. „In den vergangenen Tagen hatten wir einen Umsatz wie vor Weihnachten“, berichtet der Buchhändler. Viele hätten sich noch mit Büchern eingedeckt – auch mit Material für die Schule. Und wer jetzt noch ein Buch möchte, der muss nach wie vor nicht bei den großen Internet-Buchverkäufern einen Schmöker ordern. Online gehen muss er dennoch: Entweder eine E-Mail mit einer Bestellanfrage an service@auslese.com schicken oder über die „Auslese“-Homepage (auslese.com) ein Buch bestellen und in den Laden liefern lassen. „Wir liefern die Bücher dann selbst aus“, erzählt Proboscht von seinem Angebot.

Liefer- und Abholservice bieten etliche Restaurants und Lokale an.

Stichwort Ausliefern und Abholen: Mehrere Gaststätten wie etwa der „Rote Hahn“, „Hanauer Tor“ oder das „Toscana“ haben entweder einen Lieferservice eingerichtet oder bieten an, dass Gerichte auch nach der offiziellen Schließung um 18 Uhr abgeholt werden können. Tipp: Am besten sich bei den jeweiligen Restaurants telefonisch informieren, was derzeit an Service möglich ist.

Sicherheitsvorkehrungen sind in der Schloss-Apotheke getroffen worden. Zum einen darf nur noch eine kleine Anzahl an Kunden in die Räume, zum anderen sind am Montag Plexiglasscheiben an den Beratungs- und Verkaufstresen montiert worden, wie auf Fotos auf der Schloss-Apotheken-Facebook-Seite zu sehen ist. Damit sollen sowohl die Angestellten als auch die Kunden vor Tröpfcheninfektionen geschützt werden.

Einlassbeschränkung In die Schloss-Apotheke: Um das Infektionsrisiko zu minimieren, darf jeweils nur noch eine geringe Zahl an Kunden in die Apotheke. „Die Tür öffnet sich, sobald ein Kunde die Apotheke verlässt und der Nächste eintreten kann“, wird das Prozedere auf dem großen Schild erläutert. Gar nicht erst warten muss man, wer Händedesinfektion oder Atemschutzmasken erwerben möchte. Die sind dort zur Zeit nicht erhältlich. Zum Schutz der Kundschaft und der Angestellten sind an der Beratungs- und Verkaufstheke Plexiglasscheiben angebracht worden.

Klare Regeln hat der Zweiradshop Niederhofer aufgestellt, dessen Ladengeschäft geschlossen ist, aber wo noch Reparaturen erledigt werden. Auf der Facebook-Seite ist das kontaktlose Prozedere erklärt: 1. Termin per Telefon oder Mail ausmachen; 2. Rad bringen; 3. Klingeln; 4. Warten bis jemand von uns kommt; 5. Rad abstellen, zwei Schritte zurücktreten. „Wir nehmen das Rad in Empfang und machen danach telefonisch die Reparaturannahme. Klingt kompliziert – ja ein bisschen vielleicht–, aber Gesundheit geht vor. Für euch und für uns!“, heißt es vom Zweiradshop-Team.

Die Hamsterkäufe beim Klopapier hat Timo Kraus, Geschäftsführer des Bauzentrums „Andre + Oestreicher“, ebenfalls erlebt. „Es gibt keinen Mangel“, sagt er. Gestern waren noch Toilettenpapier da und diese Woche soll noch weiteres geliefert werden. Die eigentlich für Handwerker gedachten Feinstaubmasken seien zuletzt auch sehr begehrt gewesen, berichtet Kraus. Anfang der Woche sei das Bauzentrum verhältnismäßig gut besucht gewesen. Er appelliert allerdings auch an seine Kunden, die Schutzmaßnahmen – etwa Abstand halten an der Kasse – einzuhalten. Und als Vorstandsmitglied des Babenhäuser Gewerbevereins appelliert er an die Vermieter von Gewerbeimmobilien, sich gegenüber ihren, zum Teil in Existenznöten befindlichen Mietern kulant zu zeigen.

VON NORMAN KÖRTGE

Für viele Menschen ist die Corona-Pandemie existenzbedrohend. Schausteller Helmut Fendt aus Babenhausen nennt sie eine „Katastrophe“.

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