Haselsee

Drei Angler beinahe in die Tiefe gezogen: Ein Stück Seeidylle ist weggebrochen

Der Haselsee im Osten von Babenhausen. Rechts unten sind die von den Amerikanern erbauten Wohnhäuser auf dem Kasernengelände zu sehen. Davor verläuft die B26 in Richtung Aschaffenburg. Die Gleise der Odenwaldbahn machen am See eine Linkskurve (links unten) und überqueren die Schienen der Strecke Darmstadt-Aschaffenburg, die direkt am nördlichen Ufer des Haselsee entlang führt. Dort rutschte der Hang ab.
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Der Haselsee im Osten von Babenhausen. Rechts unten sind die von den Amerikanern erbauten Wohnhäuser auf dem Kasernengelände zu sehen. Davor verläuft die B26 in Richtung Aschaffenburg. Die Gleise der Odenwaldbahn machen am See eine Linkskurve (links unten) und überqueren die Schienen der Strecke Darmstadt-Aschaffenburg, die direkt am nördlichen Ufer des Haselsee entlang führt. Dort rutschte der Hang ab.

„Zahlreiche Stege und Angelplätze laden zum gemütlichen Verweilen ein. Hier am Wasser ist es ohne Weiteres möglich, dass Wochenende zu verbringen und vom Alltag abzuschalten. Die Fische im Kieselsee erreichen durch die riesige Wasserfläche kapitale Größen“, heißt es auf der Homepage des Angelsportvereins Offenbach (ASV).

Babenhausen – Gemeint ist das Nordufer des Haselsees. Es ist in Vereinsbesitz. Für drei Mitglieder endete die Idylle am Samstagmittag (11.07.2020) dramatisch. „Es war Rettung in letzter Sekunde“, erzählt ASV-Vorsitzende Martina Kämmerer rund 24 Stunden später. Viel mehr mag sie dazu auch gar nicht sagen, auch nicht zu den drei Vereinsmitglieden, die an den See nach Babenhausen gefahren waren, um dort nach Karpfen, Brassen, Rotaugen oder Regenbogenforellen zu angeln. „Es geht ihnen den Umständen entsprechend“, sagt sie.

Umso dramatischer schildert die Polizei Südhessen, was am Haselsee, der dem Stadtteil Harreshausen zugerechnet wird, geschah. Die drei Angler wären beinahe vom Erdboden beziehungsweise See verschluckt worden. Denn während sie am Ufer saßen, brach ohne Vorwarnung auf mehreren hundert Quadratmetern die Uferkante ab und riss zwei Zelte mit Anglerutensilien und persönlichen Gegenständen ins Wasser. Die Samstagsausflügler konnten sich im letzten Moment in Sicherheit bringen, die Zelte wurden in die Tiefe gesaugt. Ein 35 Jahre alter Angler verletzte sich allerdings am Rücken und wurde vorsorglich ins Krankenhaus nach Groß-Umstadt gebracht.

Auf einer Länge von etwa 40 Metern ist die Böschung bei Baggerarbeiten am Haselsee abgerutscht.

Norbert Köhler, Gewässerwart des Angelsportvereins Fechenheim-Bischofsheim, der im westlichen Teil des Haselsees sein Angelrevier hat, und am Samstag zum Angeln am Gewässer war, bekam von dem Unglück zunächst nichts mit. „Erst als überall die Martinshörner zu hören waren und wir aufgefordert wurden, unseren Bereich zu verlassen, habe ich davon erfahren“, berichtet er gestern. Denn die alarmierten Rettungskräfte rückten mit einem größeren Aufgebot an. Neben der Freiwilligen Feuerwehr Babenhausen, dem Rettungsdienst und der Polizei wurden auch das Technische Hilfswerk und der Notfallmanager der Deutschen Bahn alarmiert. Denn nur wenige Meter entfernt von der Abbruchkante verläuft die Bahnstrecke zwischen Darmstadt und Aschaffenburg, die umgehend gesperrt wurde. Die angeforderten Fachleute aus Bergbau und Geologie konnten schnell Entwarnung geben. Wie eine Sprecherin der Deutschen Bahn berichtet, wurde die Strecke für den Nahverkehr um 16.40 Uhr wieder freigegeben. Der ebenfalls die Gleise nutzende Güterverkehr mit seinen schweren Waggons wird allerdings umgeleitet.

Als Ursache für den Hangrutsch vermutet die Polizei einen „ausgeuferten Baggerbetrieb“. Unweit der Stelle war ein Saugbagger im Einsatz, um Sand und Kies zu fördern. Das soll das Unglück ausgelöst haben.

Mehrere Bäume, Büsche, Geröll- und Erdmassen wurden mit ins Wasser gerissen. Im Hintergrund ist der Saugbagger zu sehen. Die Bruchkante befindet sich am Feldweg oberhalb des Ufers. Nur zehn Meter entfernt davon verläuft die Bahnlinie.

Norbert Köhler vom ASV Fechenheim jedenfalls genoss gestern das schöne Sommerwetter am Haselsee. Einen Hangrutsch befürchtet er im westlichen Bereich nicht. Dort wird schon lange kein Sand und Kies mehr abgebaut, alles sei längst verfüllt und renaturiert worden, berichtet er. Kameradschaftlich hat er seinen Offenbacher Kollegen Hilfe angeboten. Sie durften über das Fechenheimer Gelände fahren. Allerdings hieß es am Sonntag auf der Homepage des ASV Offenbach: „Das Bergamt hat inzwischen ein Betretungsverbot für den gesamten See ausgesprochen.“ (Norman Körtge)

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