Bismarckplatz

Ein Herz für die Post: Janine Roth über den Umzug

Gibt die Post-Selbstständigkeit auf, kümmert sich aber auch in Zukunft um Briefe und Pakete: Janine Roth. Foto: körtge
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Gibt die Post-Selbstständigkeit auf, kümmert sich aber auch in Zukunft um Briefe und Pakete: Janine Roth.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge hat Janine Roth zu Wochenbeginn den Januar-Dienstplan für die Postfiliale am Bismarckplatz aufgestellt. Traurig ist sie, weil sie den Plan nur bis zum 18. Januar schreiben musste.

Babenhausen –  An jenem Samstag endet ihre Zeit als selbstständige Filialchefin und sie wechselt mit vier ihrer bisherigen Kolleginnen in die am 20. Januar im Bauzentrum „Andre + Oestreicher“ neu eröffnende Filiale (wir berichteten). Froh ist sie, dass sie mit der Kündigung des Filialbetriebes und der Räume am Bismarckplatz einen Schlussstrich ziehen kann. „Die Doppelbelastung war einfach zu hoch“, erzählt Roth, die in ihrem zweiten Berufsleben als Versicherungskauffrau arbeitet und auch mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hat.

„Ich liebe diesen Beruf“, schwärmt Roth regelrecht von der Arbeit in der Postfiliale: „Es ist mehr als Briefmarkenaufkleben“, räumt sie mit einem beliebten Vorurteil auf. Ganz im Gegenteil sei der Job sehr abwechslungsreich, es gebe etliche Bestimmungen und Vorgaben die eingehalten werden müsste und da sie auch Dienstleistungen der Postbank sowie Western Union anbietet, gebe es regelmäßig Schulungen.

Post ist Roths Ding. Daran lässt sie keinen Zweifel. Und das schon seit über zehn Jahren. Die Postfiliale bei „Zettel & Stift am Eck“, Fahrstraße 4, hat sie zusammen mit ihrem früheren Ehemann aufgebaut. Während die Ehe in die Brüche ging, schlug ihr Herz weiter für die Post. Sie übernahm 2015 die seit etwa Anfang des Jahrtausends im Steinweg beheimatete Postfiliale und zog mit dieser im Oktober 2017 schräg gegenüber in die Räume am Bismarckplatz.

Eines der Probleme und zugleich eine der Herausforderungen an diesem Standort lässt sich exemplarisch an einer Zahl festmachen. „180“, ruft eine Mitarbeiterin Roth zu und meint damit die Zahl der Pakete, die neulich auf Abholer wartete. Viele Babenhäuser haben den Bismarckplatz als ihre Wunschfiliale angegeben, um dorthin, anstatt nach Hause, ihre Pakete liefern zu lassen. Und der Paketversand nimmt weiter zu. „Es wird hier zu klein“, sagt Roth. Abgesehen davon, dass der Paketlaster bei Nachbarn auf wenig Gegenliebe stieß.

„Es freut mich, dass es bei ‘Andre + Oestreicher’ weitergeht“, sagt Roth. Der große Parkplatz, die längeren Öffnungszeiten und das große Pakete sogar mit einem Einkaufswagen bis ans Auto geschoben werden könnten, seien sicherlich große Vorteile. Auch für ihre bisherigen Mitarbeiterinnen, die übernommen werden, würden sich neue, bessere Perspektiven eröffnen. „Leid tun mir aber die älteren Leute, für die die Hauptpost nicht mehr fußläufig zu erreichen ist“, erzählt Roth, die sich über die Besserwisserei einiger Zeitgenossen in sozialen Medien ärgert. Dort sei unter anderem gefragt worden, warum man denn nicht in die nun leer stehende Löwen-Apotheke gezogen ist. Die einfache Antwort: Es gibt dort nicht die vorgeschriebenen Parkplätze. Andere Örtlichkeiten scheitern an der nicht vorhandenen Barrierefreiheit, so Roth.

VON NORMAN KÖRTGE

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