Standorte für Provisorien werden geprüft

Dutzende Kita-Plätze fehlen: Container als Notlösung

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Die Baugenehmigung für den Neubau der evangelischen Kindertagesstätte an der Martin-Luther-Straße ist erteilt, berichtet Bürgermeister Joachim Knoke. Derzeit finden vorbereitetende Arbeiten statt. Unter anderem werden die Kellerlöcher der abgerissenen Gebäude verfüllt und verdichtet. Diese Woche sind bereits Baucontainer aufgestellt worden. Spätestens Ostern 2020 soll die Kita bezugsfertig sein.

Mit „Zahlen, Daten, Fakten“ war die Präsentation betitelt, die „Soziales und Familie“-Fachbereichsleiterin Regina Lange im Sozialausschuss vorstellte.

Babenhausen – Was Lokalpolitiker und zahlreich anwesende Mütter und Väter dabei in Sachen Kindertagesstättenplätze bereits aus eigner Erfahrung wussten oder geahnt hatten, bekamen sie nun detailreich an die Wand projiziert. „Wir haben einen Notstand“, fasste es FDP-Fraktionsvorsitzender Manfred Willand treffend zusammen.

Zu den harten Fakten gehörte, dass aktuell 21 Krippen- und 44 Ü3-Plätze fehlen. Bedeutet: Bis zu 65 Babenhäuser Familien mit einem Rechtsanspruch auf einen Platz haben derzeit keinen. Der Großteil davon, nämlich elf U3- und 34 Ü3-Plätze, fehlen in der Kernstadt und dort offenbar vor allem für Familien, die in den Neubaugebieten Lachewiesen I+II wohnen. Wie Fachbereichsleiterin Lange erläuterte, habe man nicht damit gerechnet, dass dort so schnell so viele Kinder leben würden beziehungsweise dort Familien einziehen, die bereits ein Kindergartenkind haben. Stand März sind in den Lachewiesen bereits 64 Kinder (21 U3 und 43 Ü3) gemeldet.

Kommendes Kita-Jahr: Bedarf von 223 Kindern

Und es wird nicht besser: Der ASB als Betreiber von acht der neun Kitas erwartet 116 Schulabgänger. Für das kommende Kita-Jahr (August 2019 bis Juli 2020) wurde für 223 Kinder Bedarf angemeldet. Macht eine theoretische Differenz von 107 Plätzen. Denn viele Plätze werden nicht schon im August benötigt, aber eben sobald die Kinder dann drei Jahre alt werden. Verringern kann sich die Zahl noch, weil Kinder in Betriebs-Kitas oder anderen Kommunen unterkommen.

Angesicht der fehlenden Kita-Plätze hat Langes Fachbereich einen Maßnahmenkatalog aufgestellt. So soll der Ende 2020 auslaufende Mietvertrag für das Domizil in Harpertshausen vorsorglich verlängert werden. Außerdem plädiert die Verwaltung „für einen entschlossenen und zügigen Ausbau von Kitaplätzen, um den Eltern Perspektiven aufzeigen zu können.“ Der im Grundsatz bereits 2016 beschlossene, aber noch nicht geplante Neubau der Kita in Hergershausen soll sieben anstatt der bislang vorgesehenen sechs Gruppen bekommen. Und die Lokalpolitik soll sich auf eine zwölfgruppige Mega-Kita in den „Kaisergärten“ (Kasernengelände) festlegen. Dazu hatte Lange auf einer Berechnungsgrundlage der Bertelsmann-Stiftung dargelegt, dass es bei geplanten und vollbelegten 600 Wohneinheiten einen Bedarf von 168 Ü3- (sieben Gruppen) und 42 U3-Plätzen (fünf Gruppen) geben werde.

Kita-Not in Babenhausen: Zuschauer und Stadtverordnete fordern Sofortmaßnahmen

FWB-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Heil, der angesichts der Lachewiesen-Fehlkalkulation kritisch die vom Fachbereich dazu verwendeten Methoden hinterfragte, mahnte, dass aus dem „Jahrhundertprojekt Kaserne“ kein „Jahrhundertproblem“ werden dürfe.

Sowohl von den Zuschauerrängen als auch von den Stadtverordneten kamen der Ruf und die Frage nach Sofortmaßnahmen, um den von fehlenden Plätzen betroffenen Eltern zu helfen. Bürgermeister Joachim Knoke berichtete, dass sowohl Lösungen mit Containern als auch mit Mobiskul-Elementen – Übergangscontainer aus Holz – auf Flächen an der Kita Danziger Straße und an der Bachwiesenschule in Hergershausen geprüft würden. Losgelöst davon müssten auch Erzieherinnen angeworben werden. In der Ausschuss-Sitzung brachte CDU-Politiker Günther Eckert noch die Markwaldhalle ins Gespräch, wo übergangsweise auch schon Kita-Container gestanden haben. Harreshausens Ortsbeiratsvorsitzende Heidrun Koch-Vollbracht (CDU) nannte eine Fläche an der Kita in Harreshausen.

Höhere Kita-Gebühren oder eine Erhöhung der Grundsteuer B.?

Sowohl die Notlösungen als auch die vom Fachbereich geforderten Maßnahmen sind mit Kosten verbunden. FWB-Politiker Heil forderte, dass bei allen demnächst vorgelegten Projekten auch die Kosten gleich mitgenannt werden sollen. Grünen-Politiker Manfred Nodes sieht bereits die Notwendigkeit eines Nachtragshaushaltes. Für die weitere Zukunft müsse man schauen, wie dies alles finanziert werden könne.

Er zeigte zwei Möglichkeiten auf: Höhere Kita-Gebühren oder eine Erhöhung der Grundsteuer B.

VON NORMAN KÖRTGE

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