Beliebte Szenetreffs

„Elephant“ und Paintball vor dem Aus

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Autohändler und -werkstätten gehören zu den Mietern der Hallen. Fotos: nkö

Das Gebäude- und Hallenkonglomerat auf dem ehemaligen Iroplast-Gelände in Babenhausen wird in naher Zukunft einer Reihenhaussiedlung weichen. Die unansehnliche Gewerbebrache an der Frankfurter Straße verschwindet – und mit ihr auch zwei beliebte Szenetreffs.

Babenhausen – 18 Monate noch. Mindestens. Solange wird es das Billard-Café „Der Elephant“ an der Frankfurter Straße 44 wohl noch geben. Zumindest läuft der bestehende Mietvertrag von Raghvir Sandhu noch so lange, berichtet er. Und dann? Sandhu hat noch keinen richtigen Plan, wie es mit dem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen beliebten Lokal weitergeht. Anziehungspunkte sind die Billardtische und die Fußball-Liveübertragungen auf Sky. Im vergangenen Jahr feierte das „Elephant“ sein 30-jähriges Bestehen. Seit 15 Jahren ist Sandhu der Besitzer. Aber er weiß, dass es für das Lokal – zumindest am bisherigen Standort – nicht mehr viele Geburtstage zu feiern geben wird.

Denn die Dornieden-Gruppe hat mit dem Eigentümer des ehemaligen Iroplast-Geländes – der Liegenschaftsverwaltung Dunietz&Reich in Frankfurt – einen Kaufvertrag geschlossen. Und die zum Unternehmen gehörende Vista Reihenhaus GmbH möchte auf der durch zahlreiche Hallen und Gebäude geprägten Gewerbebrache, wie berichtet, in Fertigbauweise etwa 50 Reihen- und 30 Doppelhäuser errichten.

Die Tage des Billard-Cafés „Der Elephant“ an der Frankfurter Straße sind gezählt. Das beliebte Lokal wird Reihenhäusern weichen müssen.

An diesen Plänen hält Vista auch nach den wochenlangen politischen Diskussionen um das nun deutlich kleiner gewordene Baugebiet Boßwenhain fest, wie Prokurist Jürgen Kläber auf Anfrage bestätigt. „Wir sind in guten Gesprächen mit der Stadt“, berichtet er, der darauf wartet, dass der im Februar getroffene Beschluss der Stadtverordnetenversammlung nun sukzessive umgesetzt wird: Kündigung des Rahmenvertrages mit der ursprünglich zur Entwicklung des Baugebietes beauftragten GSL GmbH, dass Aufheben der in den 1990er Jahren vom Stadtparlament gefassten Aufstellungs- und Umlegungsbeschlüsse sowie schließlich dass Aufstellen eines nach Möglichkeit vorhabenbezogenen Bebauungsplans. Bürgermeister Joachim Knoke rechnet damit, dass dieser frühestens Ende des Jahres, aber wahrscheinlich eher im Frühjahr 2020 aufgestellt werden könnte. Dementsprechend kann auch Prokurist Kläber noch keinen Zeitplan für den Reihenhausbau skizzieren, ist sich aber bewusst, dass auch sein Unternehmen im Bauleitplanverfahren noch an der ein oder anderen Stellschraube drehen wird müssen. Da an verschiedenen Stellen bereits Bodenuntersuchungen durchgeführt worden sind, erwarte er in der Hinsicht keine unliebsamen Überraschungen durch unentdeckte Altlasten auf der Gewerbebrache. Ansonsten hätte es wohl auch keinen Kaufvertrag gegeben. „Wir sind froh, diese Fläche entwickeln zu können“, so Kläber.´

Mehrere große Hallen sind auf dem ehemaligen Iroplast-Gelände verteilt.

Das bedeutet im Umkehrschluss für „Elephant“-Besitzer Sandhu, dass seine Tage dort gezählt sind. Neben dem Verlust seiner Gastronomie – er beschäftigt je nach Saison zwischen sechs und neun Leute – findet es Sandhu vor allem für die Jugendlichen schade, die einen Treffpunkt verlieren. Am Wochenende seien es hauptsächliche junge Leute, die zu seinen Gästen zählen. „Es gibt nichts Vergleichbares in Babenhausen“, meint der Gastronom, der sowohl das Gespräch mit der Stadtverwaltung, dem Gewerbeverein als auch den politischen Fraktionen sucht.

Das Paintball-Paradise existiert seit 2003. Betrieben wird es vom Verein Funsportclub Rhein/Main.

Paintball-Arena vor dem Aus

Vor dem Aus steht auch die Paintball-Arena des Vereins Funsportclub Rhein/Main. Der ist zugleich der größte Mieter. Zirka 3000 Quadratmeter groß ist das Paintball-Paradise, das damit eine der größten Anlagen in Hessen ist. Bereits seit 2003 lockt es Fans der Funsportart nach Babenhausen. Vereinsvorstand Steffen Appel gibt sich gelassen: „Als wir vor 16 Jahren gestartet sind, hätte ich nie gedacht, dass es uns überhaupt so lange gibt.“ Spätestens, wenn die Kündigung auf dem Tisch liegt, werden sie sich aber mehr Gedanken machen müssen. „Für uns als Verein wird es nicht einfach sein, in dieser Größenordnung etwas zu finden, was auch bezahlbar ist“, sagt er.

Von Norman Körtge

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