„Es ist realistisch“

Gemeinnützige GmbH als Betreiber für Kita „Kaisergärten“

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Mögliche Standorte für die Not-Kita sind das ehemalige Boarding House (links und im Hintergrund) und das Verwaltungsgebäude (Vordergrund) unweit des als Landmarke unter Denkmalschutz stehenden Wasserturms.

„Ich sehe keine Hürden. Es ist absolut realisierbar.“ Andreas Heymann ist der festen Überzeugung, dass die zukünftige Kita „Kaisergärten“ auf dem Kasernenareal als auch die in der Stadtverordnetenversammlung beschlossene dortige Interims-Kita von einer gemeinnützigen Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) betrieben werden wird.  

Babenhausen – Heymann, der zusammen mit seiner Frau Jennifer die Im Riemen ansässige Kreher Druck GmbH führt, im Elternbeirat der Harreshäuser Kita Wuselkiste war und – obwohl seine Kinder bereits in die Schule gehen – in der städtischen Kita-AG mitarbeitet, hatte das Konzept in der Sondersitzung des Sozialausschusses zum Kitaplatz-Notstand erstmals präsentiert. Die Magistratsvorlage empfahl seinerzeit ein Ausschreibungsverfahren für einen externen Betreiber. Eine kommunale Trägerschaft oder die Gründung einer gGmbH waren geprüft, aber aufgrund des Zeitdrucks – die Kita „Kaisergärten“ soll im August 2020 in Betrieb gehen – verworfen worden. Das wollte Heymann so nicht akzeptieren.

„Ich wusste bis zuletzt nicht, ob er es bis zur Sitzung schafft. Deshalb habe ich auch bei der Eröffnung und Feststellung der Tagesordnung nichts gesagt“, entschuldigt und erklärt sich Sozialausschussvorsitzende Monika Heinlein (CDU), dass sie Lokalpolitiker, aber auch Bürgermeister Joachim Knoke (SPD), mit Heymanns Präsentation völlig unerwartet konfrontierte. Aber es hat sich gelohnt. Wie berichtet, hat das Stadtparlament beschlossen, die Ausschreibung für einen externen Betreiber vorzubereiten, parallel dazu aber die Möglichkeit eines Betriebs durch eine gGmbH weiterzuverfolgen.

Ein bis drei Monate dauere es, eine gGmbH zu gründen hat Heymann von einem darauf spezialisierten Rechtsanwalt erfahren. Die Gebäude sind vorhanden. Was braucht es noch? Gesellschafter, die 25 000 Euro Stammkapital einbringen. Die gebe es, lassen Heymann und Heinlein wissen, ohne zu diesem Zeitpunkt konkret werden zu wollen. Und es gebe bereits Gespräche mit motiviertem pädagogischem Personal, das sehr große Lust habe, etwas Neues aufzubauen und mitzugestalten, versichern die beiden.

„Ein großer Träger ist nicht immer vorteilhaft“, sagt Heymann und meint damit den ASB, der in Babenhausen acht der neun Kitas betreibt. Wenig Einfluss, hohe Verwaltungskosten und niedrige Löhne führt der Harreshäuser an. Die hohen Ausfallzeiten haben, wie berichtet, zuletzt in der Elternschaft für eine große Unzufriedenheit gesorgt. Die erwarteten Vorteile, die ein großer Träger bringen sollte, seien nicht eingetreten. Eine gGmbH würde unter anderem schlankere Betriebsstrukturen mit einem geringeren Verwaltungsaufwand haben. Dafür könnte mehr in die Betreuungsqualität, sprich in das Personal, investiert werden. Für das gleiche Geld, das die Stadt derzeit zum Kita-Betrieb zuschieße, bekäme Babenhausen mit einer gGmbH eine bessere Qualität in die Kita, so Heymann.

Hinzu komme der bereits zu Papier gebrachte innovative Entwurf für die Kita „Kaisergärten“. Er sieht acht bis zwölf Gruppen, aufgeteilt in zwei Kita-Einheiten vor. Kita I soll demnach einen Schwerpunkt mit Kunst, Forschen, Natur und Technik haben, Kita II einen mit Sport, Musik und Sprache. „So ein Konzept lockt Erzieherinnen“, ist sich Heinlein sicher, die davon überzeugt ist, dass die Kasernen-Kita ein Vorzeigemodell werden wird: „Wir schaffen das.“

Heymann geht in seiner Planung davon aus, dass es für das Erstellen der Rahmenkonzeption drei bis maximal fünf Monate brauche. Wenn sich jemand in Vollzeit darum kümmern würde, wäre es in sechs Wochen realisierbar. Auf jeden Fall sei es realistisch, dass auch schon die Not-Kita mit ihren drei Gruppen, die nach Möglichkeit nach den Sommerferien starten soll, von der gGmbH betrieben werden könne, die später die große Einrichtung übernimmt.

In welchem Gebäude diese Interims-Kita unterkomme, steht noch nicht fest, wie Markus Aumann von der Kasernenkonversionsgesellschaft auf Anfrage mitteilt. Erst Mitte nächster Woche finde eine Begehung statt.

Indes kann Heinlein mit einer tollen Neuigkeit aufwarten. Die Stiftung von Dieter Aumann möchte zeitnah mithelfen, einen Waldkindergarten auf dem Kasernengelände zu realisieren. „Ich habe dafür die Zusage bekommen“, freut sich Heinlein. Somit könnten im Spätsommer vielleicht sogar vier Gruppen angeboten werden, wobei die Waldkita-Gruppe deutlich kleiner sein werde als eine herkömmliche Kita-Gruppe. Die Planungen dafür jedenfalls sind angelaufen, berichtet Heinlein.

VON NORMAN KÖRTGE

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