Die Mischung macht’s

Naschlabor ist auf Expansionskurs – und heimst Preise ein

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Handabfüllung: In der Ziegelhüttenstraße werden die Gläser, Dosen und Tüten mit den Fruchtgummimischungen verpackt und etikettiert.

400.000  Kilogramm Fruchtgummi werden dieses Jahr wahrscheinlich den Weg ins Naschlabor in der Ziegelhüttenstraße finden, um dort originell verpackt und deutschlandweit verschickt zu werden. Das junge Unternehmen ist weiter auf Expansionskurs – und heimst Preise ein.

Babenhausen – Es könnte der Plot für einen schönen Spielfilm sein. Fünf Freunde schicken sich an, von Babenhausen aus den Süßigkeitenmarkt zu revolutionieren. Die Rollen sind verteilt: der hartnäckige Workaholic Can Kapikiran, die kreative und ordnungsliebende Laura Machado, ihr Mann und visionärer Ideengeber Denis Machado, der Zahlen-Jonglierende Tüftler Hendrik Stoffel sowie sein Bruder und innovativer Jungspund Jakob. Nicht in einer Garage wie Mircosoft-Gründer Bill Gates oder Apple-Genie Steve Jobs, sondern 2013 im Keller von Denis Machados Eltern nahm die Erfolgsgeschichte als GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) ihren Anfang.

Richtig sichtbar für die Babenhäuser wurde sie 2015, als die fünf jungen Leute, bis auf Laura Machado kommen alle aus der Gersprenzstadt, den leer stehenden Verkaufsraum der Metzgerei Hofmann in der Bummelgass’ in das Naschcafé verwandelten und im rückwärtigen Bereich des Geschäfts den Onlinehandel forcierten. „Das war eine Art Showroom für uns“, beschreibt es Geschäftsführer Kapikiran, der 2015 zusammen mit Jakob Stoffel zum Ursprungs-Naschlabor-Trio stieß. 2017 gründete das Quintett schließlich eine GmbH. „Es lief okay, wir waren zufrieden“, erzählt Kapikiran über das Naschcafé. Doch das Kerngeschäft seien ganz eindeutig der Verkauf über den Onlineshop und der Einzelhandel gewesen.

Mit großem Erfolg. Verkaufte Naschlabor 2013 45 Kilo Fruchtgummi übers Internet, werden es dieses Jahr wahrscheinlich 400 Tonnen sein. Im vergangenen Jahr setzte das Unternehmen mehr als eine Million Euro um. Zehn Vollzeitkräfte und bis zu 25 Aushilfen sind beschäftigt. In der Bummelgass’ wäre das in dieser Größenordnung nicht möglich gewesen. Daher zog das Naschlabor Ende 2016 in die Ziegelhüttenstraße 69 um und schloss damit auch das Naschcafé.

Die 300 Quadratmeter Fläche am neuen Standort wurde nach zwölf Monaten bereits zu klein, sodass eine weitere, angrenzende Fläche angemietet wurde und das Naschlabor mittlerweile auf 600 Quadratmetern dem Unternehmensslogan „Schenk Süsses, schenk Freude“ nachgeht. Und wer die Räume besichtigt, dem wird klar, dass das Naschlabor bereits erneut an räumliche Kapazitäten stößt. Im Lager stapeln sich in den Regalen hunderte Kartons mit Fruchtgummi-Rohware und genausoviele Kartons mit bereits abgefüllten Dosen, Gläsern und Tüten bis zur Decke. „Wir werden wohl bald umziehen müssen“, so Kapikiran. Die gute Nachricht: Das Naschlabor-Team sucht innerhalb Babenhausens nach einer neuen Immobilie.

Naschlabor ist ohne Zweifel eine Erfolgsgeschichte, die im vergangenen Jahr bereits mit einer Platzierung beim Gründerszene-Award in der Kategorie „Die 50 wachstumsstärksten Unternehmen der deutschen Digitalwirtschaft“ prämiert wurde. Das Geheimnis ihres Erfolges lässt sich passend zum Geschäftsmodell mit „Die Mischung macht’s“ umschreiben. Da ist zum einen das Team aus fünf Freunden, darunter zwei Brüder und ein Ehepaar, dass nicht nur jede Menge Gehirnschmalz rund ums süße Produkt investiert, sondern auch wirklich selbst anpackt, etwa als es um das Bauen des ersten Aufstellers bei Edeka Stolzenberger in Babenhausen ging. Zum anderen haben sie mit ihrer Fruchtgummi-Zusammenstellung, kombiniert mit stilvollen Verpackungen – vornehmlich Gläser und Dosen statt Tüten – einen Zeitgeist getroffen. Denn Denis Machado erkannte vor Jahren, dass vieles immer individueller wurde. Internethändler boten etwa Müsli zum Selbermischen an. Und so kann nach wie vor über den Naschlabor-Internetauftritt auch selbst gemischt werden. Dutzende, zumeist in Deutschland, produzierte Fruchtgummis – blaue Bolitos, Bio-Colaflaschen, Lakritz-Totenköpfe, Waldmeister-Teddys oder etwa saure Seesterne – stehen zur Auswahl. „Glühwein to go“ sei in der Weihnachtszeit ein echter Verkaufschlager gewesen, erzählt Marketing-Chefin Laura Machado.

Den größten Umsatz generiert Naschlabor aber mit den in der Ziegelhüttenstraße per handabgefüllten Fruchtgummimischungen, die es mittlerweile in rund 2 500 Geschäften „von Kiel bis Wien“ zu kaufen gibt. Eine „stil- und trendbewusste“ Käuferschicht möchte Naschlabor ansprechen. Naschzeug im Glas, wie etwa der „Nervenfutter“-Mix, ist eben schöner zu verschenken als in einer Plastikverpackung. Auch in mehreren Geschäften in der Region gibt es die Naschlabor-Produkte zu kaufen.

Und in eben dieser Region möchte sich Naschlabor noch mehr als Marke stärken. Da ist zum einen das Bekenntnis zum Standort Babenhausen, als auch ein sogenanntes Pop-up-Lädchen in Groß-Umstadt. Am Freitag, 24. Mai, öffnet es auf dem dortigen Marktplatz im ehemaligen Tante-Emma-Laden Haag und lässt damit die Idee des Naschcafés in der Bummelgass’ wieder aufleben.

VON NORMAN KÖRTGE

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