Stellenabbau bei Continental

„Gehört zur DNA Babenhausens“

Bei Continental im Norden Babenhausens sollen zukünftig nur noch etwa 1 400 anstatt 3 600 Mitarbeiter beschäftigt werden
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Bei Continental im Norden Babenhausens sollen zukünftig nur noch etwa 1 400 anstatt 3 600 Mitarbeiter beschäftigt werden.

Babenhausen ist geschockt – allen voran die Mitarbeiter von Continental. Sie erfuhren vom geplanten Job-Kahlschlag zunächst aus den Medien und gestern auf einer Betriebsversammlung. Noch ist vieles unklar.

Babenhausen – Warum hat das Management nicht schon früher reagiert? Es war einer jener Fragen, die gestern Vormittag bei der Betriebsversammlung im Continental-Werk aus den Reihen der Belegschaft gestellt wurde. Als Antwort bekam sie, dass die Veränderungen in der Automobilindustrie so gewaltig seien, dass diese nicht zu fassen waren und sind. Eine Aussage, die bei den Beschäftigten auf wenig Akzeptanz stieß. Kein Wunder, wenn, wie berichtet, etwa 2 200 der 3 600 Arbeitsplätze im Norden Babenhausens wegfallen sollen.

Natürlich sei der am Dienstagnachmittag in einer Pressemitteilung verkündete massive Stellenabbau bei dem Autozulieferer gestern Morgen Gesprächsthema Nummer eins gewesen, berichtet ein im Werk beschäftigter Babenhäuser. Es sei bekannt gewesen, dass die Automobilbranche in einer schwierigen Phase sei und bei Kollegen Verträge nicht verlängert wurden. „Man merkt schon, dass es sich langsam ausdünnt. Die anderen haben zugleich die doppelte Last, da es nicht durch Neueinstellungen kompensiert wird“, erzählt der Babenhäuser. Gerade wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage „haben wir aus Verantwortung umso mehr gebuckelt“, Sonderzahlungen habe es genauso wenig mehr gegeben wie eine Weihnachtsfeier. Um so größer sei nun die Fassungslosigkeit angesichts der Größe des Stellenabbaus gewesen.

Babenhausen: Schock bei den Mitarbeitern von Continental

Jochen Homburg, Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Darmstadt , fasst das so zusammen: „Die von den Beschäftigten erbrachten Beiträge hat der Conti-Vorstand in den vergangenen Jahren gern mitgenommen. Und jetzt soll bei der ersten Schwierigkeit am Markt geschlossen werden? Eine solch unverhältnismäßige Schließung wird auf unseren massiven Widerstand stoßen.“

Die seit Mittwoch vorherrschende Ungewissheit über ihre Zukunft konnte den Continental-Mitarbeitern auch gestern auf der Versammlung nicht genommen werden. „Wie und wann genau der Personalabbau stattfinden soll, dazu gab es nichts Konkretes und soll erst in kommenden Versammlung Thema sein“, erzählt der Babenhäuser, der von etlichen Kollegen mit Existenzängsten zu berichten weiß.

Stellenabbau bei Continental: Keiner wusste etwas

Bürgermeister Joachim Knoke wurde von der Nachricht am Mittwochnachmittag ebenfalls überrascht, zumal es vor wenigen Monaten noch ein klares Dementi gegeben habe, als er einem entsprechenden Gerücht nachging. Knoke kann die Entscheidung auch deshalb nicht verstehen, da am Standort im Norden Babenhausens erst in jüngster Zeit kräftig investiert worden sei und unter anderem ein weiterer Gebäudetrakt angebaut worden ist. Wie viele Continental-Beschäftigte direkt in Babenhausen wohnen, könne er noch nicht beantworten, sei aber angefragt. „Der geplante Stellenabbau reißt ein gewaltiges Loch“, beschreibt Knoke die Auswirkungen für Menschen, die arbeitslos werden, für die Gewerbesteuer und fürs Image der Stadt. „Das ist ein Teil der DNA Babenhausens“, so Knoke. Für mindestens drei Generationen war es die VDO, für die Jüngeren dann die Conti.

Bereits am Mittwochabend habe Knoke mit Landrat Klaus Peter Schellhaas Rücksprache über das weitere Vorgehen gehalten, denn Continental ist der größte Arbeitgeber im Landkreis. „Es macht mich sehr betroffen, dass in Babenhausen so viele Stellen abgebaut werden sollen. Das ist nicht nur ein herber Verlust für die Menschen, die dort arbeiten, sondern für die gesamte Region“, teilte Schellhaas auf Anfrage mit. Er hoffe, „dass der starke Wirtschaftsstandort Darmstadt-Dieburg allen Betroffenen wieder eine berufliche Zukunft geben kann.“

Tim Dreyer, Sprecher der Linken im Kreisverband, machte auf Auswirkungen des „Arbeitsplatzvernichtungsprogramms“ für den Ostkreis aufmerksam: „Zahlreiche mittelständische Unternehmen sowie die Hotel- und Gastronomiebranche in Babenhausen und Umgebung profitieren unmittelbar von Continental. Die Folgen für die Region wären desaströs.“ 
VON NORMAN KÖRTGE

Investor Christof Mahnel möchte in Babenhausen einen Tegut-Markt errichten*. Als „Goodie“ bietet er zudem den Bau einer Kita an.

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