Logik im Alltag nutzen

Joachim-Schumann-Schule erwirbt das Prädikat „MINT-freundlich“

Der Wahlpflichtkurs von Sascha Prochnow (hinten) nimmt mit dem Bau von Türmen am Schülerwettbewerb „Junior.ING“ teil. Foto: Just
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Der Wahlpflichtkurs von Sascha Prochnow (hinten) nimmt mit dem Bau von Türmen am Schülerwettbewerb „Junior.ING“ teil.

„Unser Turm bekommt mit Dachvorsprüngen an der Seite ein japanisches Aussehen“, sagt Kai Uwe Böhm, während neben ihm seine Schulkameraden sägen, hämmern, feilen und leimen.

Babenhausen – Die Wahlpflichtklasse aus dem 9. Jahrgang der Joachim-Schumann-Schule (JSS) ist in der Holzwerkstatt zugange – und das mit großem Elan, denn die Arbeiten werden beim länderübergreifenden Schülerwettbewerb „Junior. ING“ eingereicht.

„Aussichtsturm – fantasievoll konstruiert“ heißt die Vorgabe, die sich die Ingenieurskammern der Bundesländer und der darüberstehende Dachverband ausgedacht haben. In zwei Alterskategorien eingeteilt, qualifizieren sich die Sieger aus den Ländern für den Vergleich auf Bundesebene. Geld- und Sachpreise warten als Lohn auf die erfolgreichsten Teilnehmer. Die Aufgabe sieht das Entwerfen und den Bau eines Aussichtsturms mit einfachen Materialien vor. Nach 70 Zentimeter Höhe soll das Modell mit einer Aussichtsplattform abschließen, welche in der Lage ist, einen Sandbeutel von einem Kilo Gewicht auszuhalten.

„Wir haben sechs verschiedene Gruppen, die unabhängig voneinander die Aufgabe angehen. Die Schüler waren zu Beginn so motiviert, dass ich sie ein wenig bremsen musste“, berichtet Lehrer Sascha Prochnow. Denn vor dem Loslegen sollte als nicht minder wichtiger Punkt eine genaue Planung und das Besprechen der verwendeten Materialien stehen. Obwohl Metall ebenfalls möglich war, entschied sich die Mehrheit für Holz. Dafür bot sich Balsa-Holz an, das wegen seiner geringen Dichte leicht und einfach zu bearbeiten ist.

Auf das Resultat, das Ende Februar abgegeben werden muss, ist auch Schulleiter Rainer Becker gespannt. Das hat seine Gründe: „Wir wollen den MINT-Bereich bei uns verstärkt fördern“, sagt er mit Blick auf die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, die sich hinter dem Kürzel verbergen. Dafür sei die JSS von der Einrichtung als auch vom Personal gut aufgestellt. Zum anderen weist die Schule seit Kurzem die Auszeichnung „MINT-freundliche Schule“ auf, der es nachzukommen gilt. Vor wenigen Tagen nahm eine Delegation die Urkunde samt Plakette in einer Feierstunde beim Rohstoffunternehmen K+S in Kassel entgegen.

Die Bewerbung der JSS fiel gleich im ersten Anlauf nach dem Abschicken der Unterlagen im Mai erfolgreich aus. Für eine Aufnahme als „MINT-freundliche Schule“ müssen verschiedene Kriterien erfüllt werden: Dazu gehören erweiterte Angebote, die Möglichkeit für Schüler neigungsbezogen zu arbeiten, eine Mädchenförderung oder die verstärkte Teilnahme an Wettbewerben. Der erworbene Titel gilt für drei Jahre, dann ist Re-Zertifizierung nötig.

Als schmückendes Beiwerk im Briefkopf ist das Siegel nicht gedacht: „Mit der Ernennung geht es darum, den Fokus auf die MINT-Fächer zu erhöhen“, erklärt der Schulleiter. Das sei schon deshalb sinnvoll, da Deutschland ein von Technik und Ingenieuren geprägtes Land ist. Zudem stehe man derzeit großen Nachwuchsproblemen gegenüber. So liege es laut Becker im gesellschaftlichen Interesse, dass die Ingenieurskammern sowie große Unternehmen verstärkt die Schulen mit ins Boot holen, um frühzeitig Talente zu wecken und zu fördern.

Die Joachim-Schumann-Schule kommt dem bereits mit zwei MINT-Beauftragten – Vanessa Staaden und Sascha Prochnow – nach. Die Mathematik-Lehrerin hat für die nächsten Jahre eine Reihe von Zielen vor Augen. Unter dem Motto „Fördern und fordern“ sollen Freiwilligenkurse in Mathematik angeboten werden. „Hier wird Mathe unter anderem in einen Alltagskontext gestellt. Statt rechnen heißt es dann auch mal schätzen“, verdeutlicht die Lehrerin. Auf der Beteiligung an Wettbewerben liegt ein weiteres Augenmerk. Im Fach Mathematik zählt dazu der Känguru-Wettbewerb. Deren Macher vertreten die Meinung, dass plumpes Auswendiglernen von Formeln weniger hilfreich ist als die Fähigkeit, logisch zu kombinieren.

„Mathematik lebt nicht nur von Formeln, sondern auch davon, dass Ideen und Kreativität eingebracht werden. Wie im Leben lässt sich nicht alles Eins-zu-Eins lösen“, weiß Schulleiter Becker. So sei es wichtig, Menschen aus der Schule zu geben, die durch freies Arbeiten auch ungewohnte Resultate hervorbringen. Solche Schüler zu formen, lasse sich über keinen Lehrplan bewerkstelligen, sondern müsse gesondert angegangen werden.

VON MICHAEL JUST

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