Kaisergärten

Lärm bleibt Streitthema – Investoren bieten jetzt Lösung an

Eine der Schallimmissionskarten aus einem Gutachten des TÜV Süd. Die Kasernenkonversionsgesellschaft hatte es in Auftrag gegeben, um den Lärm entlang der B26 zu veranschaulichen, und die zu erwartende Zunahme nach dem Erschließen des Kasernengeländes zu prognostizieren.

Nach sechs Wochen endet am morgigen Freitag (10.07.2020) die Offenlagefrist für den Bebauungsplan Kaisergärten. In dieser Zeit konnten neben Behörden auch Bürger und Interessensgruppen Einwände gegen das geplante Bebauen und Nutzen des ehemaligen Kasernengeländes formulieren.

Babenhausen – Nicht überraschend ist, dass das Thema Verkehr und der dadurch verursachte Lärm dabei eine gewichtige Rolle spielen wird. Denn bereits im Vorfeld hatte die „Bürgerinitiative Verkehr Babenhausen“ (BI) angekündigt, dazu Stellung beziehen zu wollen. Nach Auskunft von BI-Sprecher Tino Eidebenz haben dies etwa 20 Bürger auch getan. „Alle uns bekannten Stellungnahmen beziehen sich auf dem Mehrverkehr. Es ist jetzt an der Stadt, die Eingaben verantwortungsvoll abzuwägen“, sagt Eidebenz.

Seiner Meinung nach habe die Offenlegung des Bebauungsplans gezeigt, „wie ungenügend die Stadt, den mehrfach angesprochenen Lärmkonfliktpunkt, zu lösen in der Lage ist“. Erst Ende vergangener Woche hat ihn ein Schreiben von Bürgermeister Joachim Knoke erreicht. Darin – der Brief liegt der Redaktion vor – wird unter anderem Anliegern der B26 vorgeschlagen, dass ein Schallgutachter und ein Bausachverständiger zu einem Vororttermin kommen würden, um „konkrete Maßnahmen zur Verbesserung des Schallschutzes vorzuschlagen“. Die Kasernenkonversionsgesellschaft habe sich gegenüber der Stadt bereit erklärt, zum Beispiel den Einbau von Schallschutzfenstern zu bezahlen. „Grundstückseigentümer sollen sich hinter schalldichtes Glas zurückziehen“, kommentiert Eidebenz das Vorhaben.

Die Lärm- und Verkehrsproblematik ist nicht neu. Während die Staus auf der Bundesstraße für alle ersichtlich sind, ist es in Sachen Lärm nicht so einfach. Aber wie Untersuchungen gezeigt haben, ist es an etlichen Stellen bereits jetzt schon zu laut, wobei der Lärm nicht nur von der Straße, sondern auch von der Bahnstrecke kommt. „Es ist jetzt schon zu laut, da ist die weitere Erhöhung durch den neuen Stadtteil unerheblich“, interpretiert Eidebenz sinngemäß die Meinung der Stadt. In einem Schallgutachten des TÜV heißt es dazu: „Die durch die Entwicklung des Kasernengeländes und den damit verbundenen zusätzlichen Verkehr hervorgerufene Erhöhung des Beurteilungspegels liegt unter 1,5 Dezibel. In der Akustik redet man erst bei einer Erhöhung von mehr als drei Dezibel von einer wesentlichen Änderung.“

Kritik übt die BI auch am vorgelegten Verkehrskonzept, das durch das Optimieren von Ampelschaltungen, veränderten Fahrbahnmarkierungen und das Schließen von bisher bestehende Abbiege- und Zufahrtsmöglichkeiten den zusätzlichen Verkehr bewältigen soll. Dabei beruft sich Eidebenz auf die Prognose der Gutachter, die auch mit diesen Maßnahmen den Streckenabschnitt auf der B26 im Jahr 2030 an seiner Kapazitätsgrenze sehen. „Wir können uns nicht vorstellen, dass auch Hessen Mobil als zuständige Behörde diesem parteiischen und kurz gedachten Lösungsvorschlag zustimmt“, heißt es vonseiten der BI. Allerdings hatte es zuletzt in de politischen Beratungen geheißen, dass die Verkehrsbehörde in einer frühzeitigen öffentlichen Beteiligung dem Maßnahmenpaket zugestimmt habe.

Ins Gericht geht die BI auch mit den politischen Parteien, die in der Vergangenheit immer wieder eine Südumgehung gefordert haben, um die Ortsdurchfahrt zu entlasten. Exemplarisch zitiert Eidebenz aus einer Pressemitteilung der SPD aus dem Jahr 2008 zu einem verkehrspolitischen Leitantrag: „Die große Südumgehung zwischen Kiessee Hardt und der östlichen Begrenzung der Kasernenfläche ist notwendige Voraussetzung zur Entwicklung des Kasernengeländes.“

„Was hat sich geändert, dass das nicht mehr gilt?“, fragt die Bürgerinitiative. (VON NORMAN KÖRTGE)

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