Marodes Dach und Planschbecken

Konzept für Freibad-Sanierung in Babenhausen gefordert

Das Planschbecken im Freibad ist in der Vergangenheit immer nur notdürftig repariert worden. Hier besserte Fliesenleger Stefan Keim aus.
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Das Planschbecken im Freibad Babenhausen ist in der Vergangenheit immer nur notdürftig repariert worden. Hier besserte Fliesenleger Stefan Keim aus.

Das Freibad Babenhausen ist ein Schmuckstück. Allerdings warten einige Bereich seit vielen Jahren auf eine Sanierung. Der Wunsch des Magistrats, nun mit dem Dach der Umkleide zu beginnen, wollte die Mehrheit der Stadtverordneten nun aber nicht folgen. Eine große Mehrheit gab es hingegen zur Ziegelhüttenstraße.

Babenhausen - Über das Freibad lässt es sich immer besonders gut diskutieren und streiten. Das war in der Vergangenheit schon so – und so war es auch am Donnerstagabend in der Stadtverordnetenversammlung. Die Grundlage dazu bildete ein Änderungsantrag der CDU, der eine zuvor im Finanzausschuss getroffene Einigung wieder aufhob. Mit den 19 Stimmen der Christdemokraten, Freien Wähler (FWB), der FDP und des fraktionslosen Adolf Breer beschlossen die Stadtverordneten, dass vor weiteren Investitionen ins Schwimmbad erst ein Gesamtkonzept erstellt werden soll. SPD und Grüne (14 Stimmen) votierten dagegen.

Enttäuschung bei der SPD über Diskussion

SPD-Politikerin Simone Kirschlager zeigte sich in der vorangegangenen Diskussion enttäuscht über diesen Sinneswandel. Sie verwies dabei auf die Empfehlung aus dem Finanzausschuss. Dort hatte man sich darauf verständigt, dass man zumindest die Dachsanierung für den Umkleidebereich angehen wollen, um von Zuschüssen aus dem Schwimmbad-Investitions- und Modernisierungsprogramm (SWIM) des Landes Hessen profitieren zu können (wir berichteten). Zu den geschätzten Kosten von 250 000 Euro würde es eine 75 000-Euro-Förderung vom Land geben.

Kirchschlager erinnerte daran, dass die nun zur Debatte stehenden Sanierunsarbeiten vor mehr als zehn Jahren in einem zweiten Bauabschnitt geschoben worden seien. Doch nach dem Ende des ersten Abschnitts – Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken wurden 2011 saniert und der Kutter „Jenny“ als Technikzentrale installiert – passierte nichts mehr.

Auch Grünen-Fraktionsmitglied Manfred Nodes konnte die Abkehr von dem seiner Meinung nach „vernünftigen Ergebnis“ aus dem Finanzausschuss nicht verstehen. Er brauche kein Gesamtkonzept, um „das dringendst Notwendige“, nämlich das marode Dach, nun anzugehen. Unstrittig sei, dass auch das Planschbecken gemacht werden müsse. Dafür gibt es aber keine Fördergelder. Stattdessen sei nun der Tenor, dass erst einmal nichts gemacht werde, so Nodes.

CDU verteidigt vorgehen

CDU-Fraktionsvorsitzender Stephan Sawallich verteidigte die Vorgehensweise seiner Partei. Er zweifelt, nach Rücksprache mit einem Bauexperten, sowohl die genannten Kosten als auch die absolute Notwendigkeit der Dacherneuerung an. Im Bauausschuss war als ein Grund angeführt worden, dass das Dach hohen Schneelasten nicht mehr Stand halten könnte. Als Beispiel für fragwürdige Kostenschätzung führte er das Planschbecken an.

Bei der einst geschätzten und in den Haushalt eingestellten Sanierungssumme von 150 000 Euro (Beschluss im Jahr 2017) sei man schon lange nicht mehr. Mittlerweile würde man eher von einer halben Millionen Euro ausgehen. „Die Stadt hat immer noch kein Angebot eingeholt“, monierte er und warnte vor Schnellschüssen. Daher sollten erst einmal alle notwendigen Arbeiten in einem Gesamtkonzept aufgelistet, priorisiert und die mögliche Finanzierung dargestellt werden.

Unterstützung erhielt er von FWB-Fraktionschef Wolfgang Heil, der zum einen – wie bereits auch CDU-Politiker Michael Wolz – betonte, dass das Freibad erhalten werden soll. Der SPD warf er vor, dass diese sowohl Angst vor „ganzheitlichem Denken“ als auch vor „Zahlen, den konkreten Kosten“ habe.

FDP-Fraktionsvorsitzender Manfred Willand sagte, er sei „froh über die Substanz des Änderungsantrages“, da die Stadtverwaltung seiner Einschätzung nach „mit nicht ganz richtigen Zahlen“ gearbeitet habe. Die Forderung nach einem Gesamtkonzept sei schlicht „vernünftiges Handeln“.

Sanierung der Ziegelhüttenstraße wird ausgeschrieben

Mit großer Mehrheit einen Schritt weiter gebracht worden ist hingegen die grundlegende Sanierung der Ziegelhüttenstraße: ein fast fünf Millionen Euro teures Projekt. Mit nur einer Gegenstimme aus den Reihen der Freien Wähler beschlossen die Lokalpolitiker, dass der im kommenden Jahr beginnen sollende Straßen- und Kanalbau ausgeschrieben wird. Zu dem Grundsatzbeschluss gehört auch, dass im Engpass zwischen Luisenstraße und Amtsgasse Grundstückflächen – insgesamt 186 Quadratmeter – angekauft werden, um den Straßenquerschnitt zu vergrößern.

Für die Sanierung der Ziegelhüttenstraße werden mit den „wiederkehrenden Straßenausbeiträge“ auch die Bürger zur Kasse gebeten. Auf diese Weise sollen etwa 1,8 Millionen Euro zusammen kommen. Darüber hinaus hat die Stadt einen Förderantrag gestellt und erhofft sich einen Zuschuss von 800 000 Euro.

Von Norman Körtge

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