Spektakel vor der Krise

Babenhäuser radelt vor der Corona-Pandemie in Südafrika – und schafft es heim

Norbert Biba aus Babenhausen im Landkreis Darmstadt-Dieburg radelte vor der Corona-Krise die „Cape Town Cycle Tour“ in Südafrika - und schafft es heim.
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Norbert Biba aus Babenhausen im Landkreis Darmstadt-Dieburg radelte vor der Corona-Krise die „Cape Town Cycle Tour“ in Südafrika - und schafft es heim.

„Noch mal davongekommen – und das in doppeltem Sinn“. So fällt das Resümee von Norbert Biba aus Babenhausen im Landkreis Darmstadt-Dieburg beim Blick auf seine jüngste Südafrika-Reise aus. 

  • Norbert Biba aus Babenhausen im Landkreis Darmstadt-Dieburg fährt ein Radrennen in Südafrika - Dann breitet sich das Coronavirus aus. 
  • Während es in Kapstadt noch recht ruhig ist, überträgt sich Corona in Europa rasant. 
  • Im letzten Moment kommt Biba aus Südafrika nach Hause - Bevor durch die Pandemie viele Flüge gestrichen werden.

Babenhausen – Wer vom Kap heimkehrt, berichtet normalerweise über atemberaubende Landschaften, einmalige Tiere und Pflanzen, tolle Weine, interessante Menschen und unzählige weitere Entdeckungen in der „Regenbogennation“. 

Für Biba stellte, neben dem Besuch bei Freunden in Johannesburg und Kapstadt, die „Cape Town Cycle Tour“ den Höhepunkt seiner Reise dar. Das Radrennen für Jedermann mit professioneller Beteiligung führt über 109 Kilometer und vereint zwei Superlativen: Es gilt als das größte und zugleich schönste Wettradeln der Welt. Die malerische Strecke entlang der Küste und 35 000 Teilnehmer bilden dafür die Grundlagen.

Babenhäuser fährt Radrennen in Südafrika: Dann wird es im Zuge der Corona-Krise knapp

Während das professionelle Feld ambitioniert in die Pedale tritt, möchten andere nur dabei sein und betrachten den Tag als außergewöhnliches Erlebnis. In der Mitte ordnet sich Biba ein. „Von der Landschaft was mitbekommen und trotzdem einen guten Mittelfeldplatz erzielen“, gab der 62-Jährige vorher aus.

Für die über hundert Kilometer mit einigen knackigen Anstiegen hatte er sich eine Zeit von 4:30 Stunden gesetzt. Das stellt für einen Freizeitsportler einen ordentlichen Schnitt von 24,1 Kilometer/Stunde dar. Am Ende standen für den Babenhäuser, der in Frankfurt im Autoglasgewerbe tätig ist, 15 Minuten mehr auf dem Konto. Das ließ sich nach seiner Knie-OP im letzten Jahr aber verschmerzen.

Biba als alter Hase bei der „Cape Town Cycle Tour“ - doch diesmal beherrscht das Coronavirus die Welt

Als hessischer (Fußball-) Botschafter im Eintracht Frankfurt-Trikot nahm Biba bereits zum siebten Mal an der „Cape Town Cycle Tour“ teil. Bei einem Bekannten in Kapstadt steht dafür sein eigenes Fahrrad. Eine Startgebühr von rund 50 Euro machen die Fitness-Einheit, ein unvergessliches Gemeinschaftsgefühl und grandiose Ausblicke möglich. 

Erinnerungsfoto mit Freunden am Renntag: Eintracht-Fan Norbert Biba (rechts) wählte für die Tour ein Trikot mit Adler aus. 

Insgesamt war Biba schon mehr als 20 Mal in Südafrika. Prägend sind bis heute seine Kontakte zur Anti-Apartheid-Bewegung, in die sich auch der Direktor des Apartheid-Museums in Johannesburg einreiht. Über die Jahre erwuchsen dabei zahlreiche Ausstellungen und Projektideen zum Thema in Südafrika und Deutschland. Im Rhein-Main-Gebiet sprach sich der 62-Jährige in den vergangenen Jahren immer wieder deutlich gegen Rassismus mittels einer Sitzbank aus, die bereits auf diversen Plätzen, in Einkaufszentren und sogar schon auf der Frankfurter Buchmesse stand. Sie erinnert als künstlerisches Mahnmal an das Apartheid-System, als es für Schwarze unter Strafe stand, auf Sitzbänken für Weiße Platz zu nehmen.

Corona breitet sich in Europa aus: Viele Radfahrer aus Italien nehmen an dem Rennen teil

Die „Cape Town Cycle Tour“ steht heute mehr denn je dafür, dass alle Südafrikaner gemeinsam ihre Zukunft ansteuern. Aus der ganzen Welt stoßen 5000 bis 6  000 weitere Pedalisten hinzu, die sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollen. Darunter waren diesmal geschätzt rund 500 Deutsche und 700 Italiener. Der Stiefel gilt nicht nur mit Blick auf den „Giro d‘Italia“ als großes Radfahrerland. 

Durch Corona rückt vieles in den Hintergrund: „Ob das Virus nicht doch übergesprungen ist?“ 

In Zeiten von Corona rückt dieser Umstand aber in den Hintergrund. „Am Rennwochenende war es in Kapstadt noch relativ ruhig während es in Europa schon brodelte“, blickt Biba auf die erste März-Hälfte zurück. Vor allem das große Teilnehmerfeld aus Italien bereitete ihm nach der Tour Kopfzerbrechen, ob das Coronavirus nicht doch am Start oder bei einer Trinkpause übergesprungen ist. Symptome blieben bis jetzt aber aus. 

Ohne Komplikationen verlief 24 Stunden nach dem Rennen auch der Heimflug. „Fünf Tage später hätte ich durch die vielen Flugausfälle sicherlich ein Problem gehabt“, ist sich Biba, dessen Mutter in der katholischen Kirche von Babenhausen über viele Jahre die Orgel spielte, sicher. Momentan ist ihr Sohn ziemlich dankbar, sich trotz der großen Menschenmasse beim Rennen den Virus nicht eingefangen und rechtzeitig im Flieger nach Deutschland gesessen zu haben.

Corona-Pandemie: Auf Südafrika kommen unruhige Zeiten zu 

Für Südafrika sieht Biba in den nächsten Tagen unruhige Zeiten bevorstehen. „In den Townships wohnen die Leute unvorstellbar dicht aufeinander. Ein Virus kann sich da fast ungehindert ausbreiten“, sagt er. Dazu habe das Land Unmengen an Pendlern. Eine riesige Masse arbeite nicht, da wo sie wohne. 

Das rühre noch aus Apartheid-Zeiten, als Farbige in den Minen, der Landwirtschaft oder als Hausangestellte viele Kilometer weg von zuhause ihr Geld verdienten. Den unzähligen Pendlern zu diktieren, sich ab sofort nicht mehr zu bewegen, ist laut dem Südafrika-Kenner fast die Quadratur des Kreises. Zudem die gesundheitliche Situation wegen der großen Zahl an HIV- und Tuberkulose-Kranken ohnehin schon katastrophal sei „Und jetzt setzt sich zu allem Überfluss noch ein Virus namens Corona obendrauf“, so Biba.

Von MICHAEL JUST

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