Nie Probleme mit Gästen

Nach neun Jahren verlässt Andrea Hausmann den Coffee-Shop im Bahnhof

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„Wie ein warmes Licht in der Dunkelheit“ - Eine Kundin malte Coffee Shop und Bahnhof in Aquarell und schenkte es Andrea Hausmann zum Abschied.

Babenhausen – Neun Jahre hat Andrea Hausmann die Reisenden im Babenhäuser Bahnhof mit frischem Kaffee versorgt und mit ihrer charismatischen Art den ersten schönen Moment des Tages beschert. Nun stand der Abschied an.

Andrea Hausmann in ihrem selbstgegründeten Coffee-Shop, der zur Erfolgsgeschichte wurde.

Wir haben uns bei der 42-Jährigen nach den Gründen erkundigt und gefragt, wie es mit ihr und „The Coffee Shop“ weitergeht.
Was waren die Gründe für den Abschied?
Der Grund ist einzig und alleine meine Tochter Aimy. Sie wird bald zwei Jahre alt und jetzt geht es einfach darum, mehr Zeit für sie und mit ihr zu haben.
Den Shop haben Sie damals mit viel Mut und Unternehmergeist selbst gegründet. Wie kam es zu der Idee?
Ich war in Frankfurt angestellt und holte mir dort jeden Morgen meinen Kaffee bei einer großen amerikanischen Kaffeehauskette. Da ich Restaurantfachfrau gelernt habe, kam irgendwann die Idee, mich in diesem Bereich selbstständig zu machen.

Dass dies ausgerechnet im Babenhäuser Bahnhof passieren sollte, war damals sehr ungewöhnlich. Ein Geschäft oder Kiosk gab es zu diesem Zeitpunkt im Gebäude noch nicht.

Ja, das stimmt. Bahnhof und Vorplatz waren darüber hinaus noch nicht saniert und präsentierten sich in einem überaus schlechten Zustand. Nichts wirkte einladend. Zuerst war ich an dem großen Raum interessiert, wo heute die Shisha-Lounge ist. Den kleinen Raum, in dem wir heute sind, kannte ich nicht. Der Vermieter schlug diesen als ideal vor und ich nahm an. Wie sich zeigen sollte, war es die richtige Entscheidung.

Können Sie sich noch an die ersten Monate erinnern?

Der Shop wurde von Anfang gut angenommen. Wie bei vielen Selbstständigen waren auch bei mir Ängste da, ob der Umsatz zum Leben reicht. Bei den Öffnungszeiten habe ich in der Folge vieles ausprobiert und Erfahrung gesammelt. So hatte ich auch mal samstags auf. Das hat sich aber nicht rentiert.

Was waren die Gründe?

Unsere Kunden sind vorrangig Pendler und Schüler. Die kommen nicht an einem Samstag. Auch wenn Ferienzeit ist, merkt man das deutlich.

Der Kaffeeverkauf ist vor allem ein Morgengeschäft. Wann war für Sie die Nacht vorbei?

Durch die Öffnung um fünf Uhr war ich um vier Uhr im Laden um vorzubereiten. Durch unseren Wohnort in Hergershausen klingelte bereits um 3.15 Uhr der Wecker. In jüngster Zeit hat mich mein Mann um 9 Uhr im Shop hinter der Theke abgelöst.

Sie hatten ein breites Angebot aus Kaffee, Tee, heiße Schokolade, Brötchen, Bagels oder Donuts. Was ging am Besten?

Eindeutig der Filterkaffee. Den verkauften wir jeden Tag literweise. Der Automatenkaffee war weit weniger beliebt.

Ein Bahnhof ist ein pulsierender Ort. Was haben sie beobachtet? Ist das Leben der Menschen hektischer geworden?

Ich erkenne derzeit keinen Unterschied zu dem, wie es vor neun Jahren war. Auffälliger war für mich die Entwicklung junger Menschen. Einige kamen bereits mit 13 Jahren und zuletzt mit 20 immer noch.

Wie weit ist ein persönlicher Austausch mit den Kunden möglich?

Mit der Zeit entwickelte sich zu einigen Stammkunden ein fast freundschaftliches Verhältnis. Da weiß man schon genau, was getrunken wird oder wie viel Zucker in den Kaffee soll. Obwohl man einige menschliche Höhen und Tiefen miterlebte, wird es aber in der Regel nicht zu persönlich. Das liegt daran, dass die Zeit auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule knapp ist.

Wie fällt das Resümee unter die letzten neun Jahre aus?

Äußerst positiv. Wir hatten nicht nur Bahn-, sondern auch Autofahrer, die sich bei uns ihren Kaffee geholt haben. Mit den Kunden gab es kein einziges Mal Probleme. Mir ist nicht bekannt, dass ich jemals jemand zum Gehen auffordern musste. In meinem vorherigen Beruf bei einer großen Autovermietung in Frankfurt sah das mit Problemen ganz anders aus.

Neue Kaffeemaschinen denken mit

Ihr Mann Adnan hat ebenfalls im Coffee Shop gearbeitet. Wie geht es für ihn weiter?

Er hat eine Anstellung bei der Continental gefunden. Dort konnte er sogar noch vor unserem letzten Öffnungstag im Dezember anfangen.

Und der Coffee Shop?

Ihn gibt es weiterhin. Wir haben einen Nachfolger gefunden, der auch die Einrichtung übernimmt. Die Nachfolge war schon deshalb wichtig, weil der Mietvertrag über einen längeren Zeitraum läuft. Der neue Betreiber wohnt in Kleestadt.

Das Bedauern über ihr Ausscheiden ist bei den Kunden sehr groß. Machen Sie nicht doch einen Fehler, eine Erfolgsgeschichte abzugeben?

Ich werde die Kunden vermissen und umgekehrt. Grundsätzlich mache ich aber keine halben Sachen und die Entscheidung ist gut überlegt. Jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt, der meinem Kind gehört.

Wie es heißt, wird ihr Bruder Sie am meisten vermissen...

Er kam ebenfalls jeden morgen und hat seinen Kaffee samt Brötchen natürlich umsonst bekommen. Sein Kaffee auf Lebenszeit ist nun passé. Wie er mir erzählte, hat er sich bereits eine Kaffeemaschine zugelegt.

Das Interview führte Michael Just

Bilder vom Altstadtfest in Babenhausen

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