Harpertshäuser hat sich seine eigene Welt geschaffen

Künstler Jan Bürli aus Babenhausen und sein MorgenArtPark

Haus, Wasserhäuschen, Kunst, Wand
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Jan Bürli hat das Wasserhäuschen in Harpertshausen bemalt. „Ich glaube, das ist mein schönstes Kunstwerk. Weil es lebt“, meint der Künstler-

Seit mehr als einem Jahrzehnt wohnt Künstler Jan Bürli in Babenhausen, genauer gesagt im Stadtteil Harpertshausen. Dort hat er seine eigene Welt erschaffen - und den MorgenArtPark.

Babenhausen - „Dürfen Sie das?“, ist eine Frage, die für Künstler Jan Bürli typisch deutsch ist. Als er vor 13 Jahren Haus und Grundstück in Harpertshausen erbte und die zwei Wohnungen im vorderen Haupthaus vermieten wollte, sagte der Makler genau diesen Satz – nachdem er einen Blick auf das weiße Lama geworfen hatte, das in Bürlis Garten stand und graste. „In Österreich würde das keiner fragen“, meint der 55 Jahre alte Ex-Wiener immer noch verwundert. Da frage man nicht, da mache man. Hier in Deutschland begleitete ihn diese Frage sein ganzes Tun über: Als er das Wasserhäuschen im selben Ort erwarb und auf den Wiesen drumherum seine Tiere weiden ließ, als er ebenfalls dort in seinem „MorgenArtPark“ („Ohne Kunst kein Morgen“) Wasserschlachten initiierte und als er einen alten Bauwagen gemeinsam mit Jugendlichen ausbaute und ihnen als Treffpunkt zur Verfügung stellte. Und trotzdem haben Jan Bürli und seine Frau Monika (53) in der ländlichen Idylle ihr Zuhause gefunden. „Heimat macht es aus, dass man verzeiht und Menschlichkeit entdeckt“, sagt er und erinnert sich an den Anfang, als ihm beim Blick auf sein Erbe alles zu eng, zu gefangen in geregelten Normen und zu betonlastig vorkam.

Heute verdecken Kieselsteine die Betonfläche im Garten, Rosen blühen, und in der ehemaligen Waschküche direkt nebenan hat er es sich mit seiner Frau gemütlich eingerichtet. Alles ist klein, aber gleichzeitig kunstvoll und praktisch. Ein Plätzchen, an dem man sich wohlfühlen kann, sei es im Bad mit dem Gemälde über der Badewanne oder in dem lichtdurchfluteten Wohnzimmer mit Blick zum vermieteten Haus nebenan.

Künstler Jan Bürli aus Babenhausen in der Denkerpose.

Die beiden nutzen ihr Nest allerdings fast nur zwei Monate im Jahr. „Ansonsten sind der Garten und die Außenküche unsere Wohnung“, sagt Bürli und deutet nicht weit von den Rosen auf einen überdachten Tisch vor einem riesigen goldenen Standkreuz und ein paar eigenen Gemälden. Bei ihnen stünden die Türen immer auf. „Die Kieselsteine sind unsere Alarmanlage“, meint er. „Meine Freunde erkenne ich an ihrer Art zu knirschen.“

Das einzige, was ihm zunächst wirklich in seiner neuen Heimat fehlte, war die Nähe zum Meer. Zum großen Wasser. Genauso sehr, wie sein Lama und sein damaliger weißer Lipizzanerhengst das kostbare Nass in großen Mengen zum Trinken brauchten. Das Wasserhäuschen, zu dem die Tiere dann später umsiedelten, stillte diese notwendige Sehnsucht von allen drei.

Weiße Tiere, wie hier ein Lama und einen Schimmel, leben bei Künstler Jan Bürli in Babenhausen

Apropos Tiere. Der damals krebskranke Hengst lebt nicht mehr, aber das Lama Karfunkel erfreut sich bester Gesundheit. Es teil sich die Wiesen mit den Schimmeln La Luna und Mondenkalb, dem Muli Alegria und der Ziege Paula-Marie, die Bürli aus einer von behördlicher Seite aufgelösten Herde im Odenwald gerettet hat. Sämtliche Tiere sind weiß. „Weiße Tiere eignen sich am besten zu Therapiezwecken“, erklärt der Künstler, der im Hauptberuf die Kindertagesstätte „Farbenland“ in Mainhausen leitet und mit seinen Vierbeinern traumatisierten Menschen helfen möchte. „Weiße Tiere sind in ihrer Herde verfolgt und haben deswegen einen Angstblick.“ Und dieser Gesichtsausdruck mache ängstlichen Menschen Mut.

Dank seines Broterwerbs kann er für seine Kunst leben. Die ist so wichtig für ihn wie die Luft zum Atmen. Und ein absolutes „Must-Have für alle“, auch wenn die Politik in Deutschland zu Coronazeiten mal wieder gezeigt hätte, dass sie das nicht so sähe. Und das, obwohl nur der Künstler, der im Gegensatz zum Rest der Menschheit völlig frei und ungezwungen in seinem Handeln sei und dabei das Recht auf Unkritisierbarkeit habe, die Welt verändern könne. Beobachte dann ein Kleinkarierter, dass es ganz ohne Probleme möglich sei, fremdartig und ungewöhnlich zu sein, „streicht er sein Haus vielleicht mal in einer anderen Farbe als hellgrau.“

Bürli lächelt und schielt in die nahe Ferne, in der sein buntes Wasserhäuschen in seinem „MorgenArtPark“ steht. „Ich glaube, das ist mein schönstes Kunstwerk. Weil es lebt.“ Für und in Gemeinschaft mit anderen Menschen. Besonders den jungen, denen das Morgen gehört. (zkn)

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