Ära der „kleinen Strolche“ endet

Ganztagsangebot Bachwiesenschule - „Pakt für den Nachmittag“ übernimmt Betreuung

An der Bachwiesenschule in Hergershausen soll am Montag wieder der reguläre Präsenzunterricht beginnen. Foto: Grimm
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An der Bachwiesenschule in Hergershausen soll am Montag wieder der reguläre Präsenzunterricht beginnen.

Das Ganztagsangebot an der Bachwiesenschule erhält im kommenden Schuljahr – ganz unabhängig von der Corona-Krise – ein anderes Gesicht.

Hergershausen – Die Grundschule für rund 160 kleine Hergershäuser und Sickenhöfer wird unter der neuen Trägerschaft der Betreuung DaDi gGmbH dem Landesprogramm „Pakt für den Nachmittag“ beitreten und damit ihre beiden bisherigen Betreuungsangebote „vereinen“, wie Schulleiterin Sylvia Kraffczyk sagte.

Das neue Modell wird den Verein „Die kleinen Strolche“ und die „Bachwiesel“ (Profil 1 des Ganztagsprogramms des Landes) ablösen und soll Druck aus dem Kessel nehmen. Denn die Neuausrichtung sei vor allem wegen der steigenden Nachfrage nach Betreuungsplätzen und der „knappen Ressourcen“ der Strolche und der Bachwiesel nötig geworden, so Kraffczyk. Beide bisherigen, parallel laufende Betreuungstypen, die sich die rund 120 Betreuungskinder in jedem Schuljahr aufgeteilt hatten, seien am Limit gewesen.

Aber der Beitritt zum „Pakt für den Nachmittag“ ist mehr als eine Zusammenführung der bisherigen Angebote unter einem neuen Dach. Manches wird sich ändern. Anderes, lange Bewährtes, soll erhalten bleiben, wie die Schulleiterin betonte.

So müssen sich die Grundschüler, die am „Pakt für den Nachmittag“ teilnehmen, nicht an neue Gesichter gewöhnen. „Uns war wichtig, dass das komplette bisherige Team der Strolche und der Bachwiesel übernommen wird und auch unsere pädagogische Ausrichtung erhalten bleibt“, sagte Kraffczyk. Wie bisher auch gehören Lernzeiten und Freizeitaktivitäten zum Nachmittagsprogramm.

Die Betreuung DaDi gGmbH, die im Jahr 2015 als Eigengesellschaft des Landkreises Darmstadt-Dieburg zur Umsetzung von Ganztagsangeboten gegründet wurde, ist im Wesentlichen für die Rahmenbedingungen zuständig. Dazu gehören der Personalschlüssel, Elterngebühren, Gruppengrößen und Ähnliches. „Diese Rahmenbedingungen sind für alle Grundschulen im Pakt für den Nachmittag und die Angebotsträger vor Ort verbindlich“, erklärt Nadja Zoch, die Geschäftsführerin der Betreuung DaDi. Eine Vereinheitlichung der Bildungslandschaft ist auch die Intention dieses Ganztagsprogramms, bei dem das Land Hessen und der Schulträger, hier der Landkreis, gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Der Kletterparcours auf dem Schulhof wurde in der Vor-Corona-Zeit eröffnet.

Die Teilnahme am „Pakt für den Nachmittag“ ist freiwillig und – anders als die Betreuung bei den „Bachwieseln“ – für alle kostenpflichtig. „Es gibt zwei Betreuungsmodelle: Das Modul I bis 14.30 Uhr kostet monatlich 60 Euro. Das Modul II bis maximal 17 Uhr kostet monatlich 130 Euro. Beides ist zahlbar in zwölf Monatsraten. Zusätzlich bieten wir an insgesamt mindestens fünf Wochen im Schuljahr eine Ferienbetreuung für alle Schüler an, unabhängig, ob diese im regulären Ganztag angemeldet sind. Diese wird 55 Euro pro Woche kosten, ohne Mittagessen“, so Zoch.

An der Konzeptplanung und Klärung von Details werde derzeit in den Gremien gearbeitet, sagte Kraffczyk, die auch noch einen Infoabend für die Eltern durchführen möchte. Wie der allerdings in Corona-Zeiten aussehen soll, ist noch nicht klar: „Wahrscheinlich in digitaler Form, denn eine große Versammlung in der Aula ist aktuell nicht denkbar.“

Durch diese Neuausrichtung des Ganztagsangebotes geht im Stadtteil eine Ära zu Ende. Der bereits vor 18 Jahren von zehn Müttern aus der Taufe gehobene Verein „Die kleinen Strolche“, der seit der Gründung von Sabine Walz als Vorsitzender geführt wird, wird sich am heutigen Donnerstag auflösen. In der damaligen Zeit war diese private Betreuungsinitiative, zumindest auf dem Land, ein echter Vorreiter. Gestartet wurde im evangelischen Gemeindehaus, neben dem alten Standort der Grundschule, wo 15 Kinder nach der Schule betreut wurden. Bis zum Corona-Lockdown waren es in diesem Schuljahr 66 kleine Strolche, danach ungefähr 14 in der Notbetreuung. Mit drei Zeitmodellen arbeitend waren die Plätze des Vereins immer ausgebucht, oft gab es eine Warteliste.

VON PETRA GRIMM

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