Kunstwerk

Bahnunterführung in Babenhausen: Sogar Polizei schaut nach den Graffiti

Die Graffiti-Werke in der Unterführung an der Wilhelm-Leuschner-Straße schloss der Workshop der städtischen Jugendförderung nun ab.
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Die Graffiti-Werke in der Unterführung an der Wilhelm-Leuschner-Straße schloss der Workshop der städtischen Jugendförderung nun ab.

Babenhausen – Dass bei einem Workshop der städtischen Jugendförderung plötzlich die Polizei kommt und eine illegale Aktion vermutet, passiert auch nicht alle Tage. So geschehen beim jüngsten Graffiti-Workshop in der Unterführung zur Wilhelm-Leuschner-Straße. Nicht ganz klar war, ob die Ordnungshüter zufällig auf der B 26 patrouillieren oder angerufen wurden, dass hier möglicherweise illegale Sprüher am Werk sind und eine Sachbeschädigung begehen. Zumindest war die Rechtmäßigkeit schnell geklärt, womit die Sprühknöpfe weiter gedrückt werden durften.

„Das ist jetzt unser dritter Workshop in eineinhalb Jahren“, berichtete Leiter Benny Olschewsky. Vor drei Jahren fand der 33-Jährige den Kontakt zur Jugendförderung und ist seitdem als Betreuer zugange. Da er nebenberuflich als Streetart-Künstler für Firmen agiert, war schnell klar, dass er sein Wissen und Können auch zur Förderung des Babenhäuser Nachwuchs anbringen kann.

Beim jüngsten Workshop nahmen sieben Kinder im Alter von zehn bis 14 Jahren teil. Wer die Unterführung kennt, weiß, dass hier schon länger Graffiti-Kunst, die in Workshops der Jugendförderung entstand, zu sehen ist. „Im Prinzip war nur noch eine Wand mit zwei Stellen frei, die wir heute ergänzt haben“, machte Olschewsky klar. Neben ihm unterstützten mit Sven Fuchs (27) und Felix Tier (25) noch zwei erwachsene Szene-Künstler das Projekt.

Das Hauptmotiv, ein kleiner Junge verbunden mit dem Slogan „I am human“ („ich bin menschlich“) ist nicht neu und auch am Juca zu sehen. Laut Olschewsky wolle man die Botschaft für mehr Menschlichkeit und den Eine-Welt-Gedanken nochmals untermalen. Da das freihändige Aufsprühen schwierig ist und reichlich Erfahrung bedarf, wurden Schablonen benutzt.

Einige der jungen Teilnehmer waren nicht zum ersten Mal dabei, darunter die 14-jährige Annika. „Für mich ist das schon der dritte Graffiti-Workshop“, führte die Schülerin an und belegte damit, dass ihr der Umgang mit der Spraydose Vergnügen bereitet. Auch dachte sie bereits darüber nach, sich für Zuhause eine Leinwand zum Sprühen anzuschaffen. Dort eine Wand zu „verschönern“, sieht sie allerdings als schwierig: „Da weiß ich jetzt schon, dass mein Papa nein sagt.“

Trotz solcher Vorbehalte ist laut Olschewsky der schlechte Ruf von Graffiti seit Jahren kaum noch existent. „Wer nicht gerade ungewollte Schmierereien auf seinem Eigentum erlebt hat, der weiß, dass Graffiti nichts mit Randale oder Vandalismus zu tun haben“, hebt er hervor. Dass der 33-Jährige damit nicht daneben liegt, bewies eine ganz besondere Begegnung während des Workhops. Dessen Teilnehmer staunten nicht schlecht, dass nicht nur Polizei, sondern sich im Verlauf zusätzlich ein älterer Herr bemerkbar machte. Als dieser aus seiner Nobelkarosse ausstieg, ahnten die Nachwuchskünstler zuerst nichts Gutes. Doch genau das Gegenteil trat ein: Er lobte das Engagement zum Verschönern der Unterführung und drückte den Beteiligten 50 Euro für eine Runde Eis in die Hand. (Von Michael Just)

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