Wo der First die Traufe ist

Probleme beim Bebauungsplan für Lachwiesen II

Das Baugebiet Lachewiesen II ist fast vollständig bebaut. Das Foto entstand im April. Zur Orientierung: Am linken Bildrand ist der Wendekreis der Bürgermeister-Willand-Straße zu sehen, an der unter anderem die Joachim-Schumann-Schule und die Edward-Flanagan-Schule liegen.
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Das Baugebiet Lachewiesen II ist fast vollständig bebaut. Das Foto entstand im April. Zur Orientierung: Am linken Bildrand ist der Wendekreis der Bürgermeister-Willand-Straße zu sehen, an der unter anderem die Joachim-Schumann-Schule und die Edward-Flanagan-Schule liegen.

Im gültigen Bebauungsplan für Lachewiesen II sind zwar maximale Trauf- und Firsthöhen genannt, aber es wird nicht zwischen Sattel- und Flachdächern unterschieden. Zwei Bauherren stellt das nun vor Probleme. Die Politik ringt um eine Lösung.

Babenhausen – „Das bricht uns das Genick“ und „Es ist unmenschlich, uns so zu behandeln“ – Stephan Rüdiger findet deutliche Worte für ein Thema, das in der Lokalpolitik seit Wochen kontrovers diskutiert wird. Rüdiger spricht im ruhigen Ton vor den versammelten Bauausschuss-Mitgliedern in der Stadthalle und gibt damit einer zuvor fast ausschließlich sachlich und technisch geführten Debatte ein Gesicht sowie einen persönlichen Einblick in die Situation seiner Familie.

Denn die möchte im Baugebiet Lachewiesen II ihr neues Mehrgenerationen-Zuhause errichten. Dazu gehören zwei Kinder und ein Großelternpaar. Doch der moderne Bau mit Staffelgeschoss darf derzeit nicht hochgezogen werden. Grund ist eine Ungenauigkeit im rechtskräftigen Bebauungsplan, der zwar maximale Trauf- (6,50 Meter) und Firsthöhen (11,50 Meter) vorschreibt, aber nicht zwischen Sattel- und Flachdächern unterscheidet. Genau das hatte die Bauaufsicht bei einer Begehung bemängelt.

Prägnant zusammengefasst geht es um die Frage: Ist die maximale Traufhöhe, wo die Außenwand endet und das Dach beginnt, auch die maximale Höhe für einen Flachdachbau? Denn ein Flachdach hat eben keinen First wie ein herkömmliches Satteldach (siehe obige Skizze aus der Drucksache). Ein aufgesetztes Staffelgeschoss, das laut Definition maximal 75 Prozent der Fläche eines darunterliegenden Vollgeschosses haben darf, wäre demnach nicht möglich.

Allerdings steht eines solches bereits in den Lachewiesen II und Rüdiger möchte auf sein Flachdach ebenfalls ein Staffelgeschoss setzen. Dabei möchte er mit einer Gesamthöhe von etwa neun Metern unter der maximale Firsthöhe von 11,50 Metern bleiben.

Neben dem Unkonkreten im 2017 beschlossenen Bebauungsplan kommt hinzu, dass der überwiegende Teil der Bauanträge nach Paragraf 64 im Baugesetzbuch als sogenannte Freisteller eingereicht wurden. Dabei erfolgt keine Prüfung durch die Bauaufsicht, sondern der ausführende Architekt ist verpflichtet, alle Festsetzungen des geltenden Bebauungsplans einzuhalten. Bis eben nun die Bauaufsicht darauf aufmerksam wurde.

„Ich glaube nicht, dass jemand einen Rückbau will“, sagte Bürgermeister Joachim Knoke (SPD) in Bezug auf den bereits vollendeten Bau und meinte auch, dass niemand ernsthaft einen Flachdachbau mit Staffelgeschoss mit einer maximalen Höhe von 6,50 Meter gewollt haben kann. Dementsprechend sieht der Beschlussvorschlag für die Offenlage der Verwaltung aus. In der ersten Änderung des Bebauungsplans Lachewiesen II soll es nun heißen, dass die maximale Traufhöhe eines Staffelgeschosses der maximalen Firsthöhe eines Satteldaches entspricht. Und: Die Traufhöhe des Geschosses unter dem Staffelgeschoss oder eines Flachdaches ohne Staffelgeschoss entspricht der Traufhöhe beim Satteldach. „Wir beginnen jetzt erst“, machte Knoke deutlich, dass im Zuge der Offenlage auch alle Nachbarn die Möglichkeit haben, Stellung zu beziehen.

Denn in den zurückliegenden Diskussionsrunden im Ausschuss und in der Stadtverordnetenversammlung war Kritik an der geplanten Änderung deutlich formuliert worden, da sich offenbar bis auf zwei Bauherren alle anderen an die Vorgaben gehalten haben und keinen Interpretationsspielraum genutzt hätten. Für FWB-Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Heil ist die Sache allerdings eindeutig: „Wenn es keine klare Definition gibt, kann dies nicht zulasten der Bauherren gehen“, plädierte er. Für die CDU meinte unter anderem Michael Wolz, dass das Thema kontrovers in der Fraktion diskutiert worden sei, man aber letztendlich auch „Steine aus dem Weg“ räumen wolle. In der FDP-Fraktion gebe es kein einheitliches Stimmungsbild, weshalb die Abstimmung für die drei Vertreter freigegeben sei, wie Fraktionsvorsitzender Manfred Willand berichtete. Seine Fraktionskollegin Anja Geißler hatte die menschliche Seite in den Vordergrund gerückt. Immerhin gehe es auch um die finanzielle Existenz einer Familie.

SPD, FWB, FDP und Grüne stimmten im Ausschuss für den Antrag, die CDU enthielt sich. Die Stadtverordnetenversammlung entscheidet am Mittwoch, 17. Juni.

VON NORMAN KÖRTGE

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