Früher und heute

Schüler entdecken Geschichte von Babenhausen auf verschiedene Weise

Verkleiden wie der Räuber Hölzerlips oder seine Räuberbraut: ein Höhepunkt für die Grundschüler im Territorialmuseum.
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Verkleiden wie der Räuber Hölzerlips oder seine Räuberbraut: ein Höhepunkt für die Grundschüler im Territorialmuseum.

„Babenhausen früher und heute“ steht derzeit auf dem Stundenplan der Schule im Kirchgarten. Die Schüler nähern sich ihrer Heimatstadt auf verschiedenen Wegen.

Babenhausen – Das Thema „Babenhausen früher und heute“ steht derzeit auf dem Stundenplan der Drittklässer der Schule im Kirchgarten. Und die vier Grundschulklassen nähern sich ihrer Heimatstadt auf ganz verschiedenen Wegen. Sie besuchten mit ihren Lehrerinnen beispielsweise den Bürgermeister, um ihm Löcher in den Bauch zu fragen, machten einen Altstadtrundgang mit dem Nachtwächter Burkhard Schimpf und durchstreiften klassenweise das Territorialmuseum, wo sie kindgerecht allerhand über die Geschichte der Gersprenzstadt erfuhren.

Und wer die dritte Klasse mit ihrer Lehrerin Jana Otto am Mittwochvormittag auf ihrer Museumstour durch die drei Stockwerke von der Vor- und Frühgeschichte bis ins 20. Jahrhundert begleitete, erlebte, wie diese didaktisch und technisch moderne Kultureinrichtung mit zahlreichen Hörstationen und interaktiven Momenten bereits die jüngsten Besucher fesselt.

 Dabei gingen sie mit großem Respekt vor den Exponaten zu Werk. „Dürfen wir das wirklich anfassen?“ war eine immer wieder gehörte Frage, beispielsweise als die Kinder die große Leier am historischen Uhrwerk aus der Harreshäuser Kirche drehen durften.

Das ernsthafte Interesse der Schüler und ihre Faszination zeigte sich auch in der Tatsache, dass weder Radau noch Streitereien zu hören waren. Ausgestattet mit dem Fragebogen „Museumsrallye für schlaue Kinder“ begaben sie sich, begleitet von Georg Wittenberger, dem Vorsitzenden des Heimat- und Geschichtsvereins (HGV), und HGV-Mitglied Beate Klotz-Reichel, einer pensionierten Lehrerin, auf eine spannende Zeitreise. 

Natürlich wurde nicht jede Schautafel von den Drittklässern durchgelesen, aber jeder schien seinen persönlichen Lieblingsplatz und bevorzugte Ausstellungsstücke gefunden zu haben, mit denen er sich beschäftigte. So sah man eine Mädchengruppe mit Begeisterung an einem kleinen Tisch die alte Sütterlin-Schrift ausprobieren. Denn der Rallye-Fragebogen verlangte, den eigenen Namen in dieser aus der Mode gekommenen Schrift zu schreiben.

Das historische Uhrwerk der Harreshäuser Kirchturmuhr begeisterte die Kinder. 

Einige Kinder hatten Spaß am Verkleiden als Räuber oder Räuberbraut. Schließlich erwartet die Besucher im Dachgeschoss, das dem 19. und 20. Jahrhundert gewidmet ist, nicht nur eine naturgetreue Nachbildung des Räubers Hölzerlips, der sich nach seinen Raubzügen oft in der Ziegelhütte bei Sickenhofen versteckte, sondern auch ein Fundus mit zu dieser Zeit passenden Klamotten. Dass man diese anziehen und mit der Räuberfigur für ein Foto posieren kann, sorgte für Begeisterung. 

Interessant zu beobachten war die Reaktion der Mädchen auf die in Vitrinen ausgestellten Cellba-Puppen, die von den 1920er bis in die 1960er Jahre in Babenhausen hergestellt wurden. „Die sehen irgendwie komisch aus“, war die einhellige Meinung. Die Gesichter der Puppen, die frühere Kindergenerationen begeisterten, fanden sie „irgendwie gruselig“.

Bevor der Startschuss zum Rundgang mit dem Rallye-Fragebogen gefallen war, hatten Wittenberger und Klotz-Reichel der Kinderrunde im Vortragsraum noch allerhand über den seit einigen Jahren auch in Babenhausen wieder beheimateten Biber zu erzählen. Denn das im Mittelalter fast ausgestorbene Tier steht im Mittelpunkt der aktuellen Sonderausstellung im Museum.

Mit neuen Eindrücken und nach eigenen Aussagen „von allem begeistert“ verließen die Drittklässer nach gut eineinhalb Stunden das historische Gebäude. Für einen Abstecher in das heutige Babenhausen steht noch ein Besuch bei der städtischen Kinder- und Jugendförderung auf dem Plan der Klasse. „Wir möchten durch dieses Thema auch erreichen, dass die Kinder sich in ihrer Stadt zurechtfinden und ihren Freunden oder Verwandten etwas darüber berichten können“, sagte die Lehrerin Otto. Die Pädagogin freute sich, dass die Kinder einiges, was sie beim Nachtwächter-Rundgang erfahren hatten, im Museum einbringen konnten: „Es ist doch schön, wenn sie merken, dass alles zusammenhängt“.

Von Petra Grimm

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