Hoffnung auf Aufführung im November

Theaterproben am Schreibtisch

Am Bildschirm vereint: Sigrun Saul bei einer Theaterprobe mit ihren Mitstreitern.
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Am Bildschirm vereint: Sigrun Saul bei einer Theaterprobe mit ihren Mitstreitern.

Eine Hergershäuser Version von Bernd Gombolds Schwank „Dreistes Stück im Greisenglück“ proben derzeit zwölf Mitglieder des SV Kickers ausschließlich in Videokonferenzen ein. Ihre Hoffnung: Das Stück im November aufführen zu können.

Babenhausen – Eigentlich – und mit diesem Wort können derzeit viele Zeitungsartikel anfangen – würde die Theatergruppe des SV Kickers ja auf der Bühne des Hergershäuser Bürgerhauses proben. Aber das Abstandsgebot während der Corona-Krise zwingt die Laienspieler zu anderen Lösungen. So sitzen sie jeden Dienstagabend getrennt, aber über den Computerbildschirm doch vereint, zusammen, um ihren Text durchzugehen und an der Regie zu feilen.

Keine leichte Übung. Die Technik funktioniere zwar gut, sagen die Laienspieler. Jeder kann jeden hören und alle sind auf einem kleinen Bildausschnitt auf dem Monitor zu sehen. Aber eben nur als Brustbild vor dem Computer sitzend. Das Einstudieren und Ausprobieren der Bewegungen auf der Bühne und die Dialoge mit dem Gegenüber Auge in Auge sind dadurch nicht zu ersetzen. Auch nicht die fröhliche Geselligkeit, die üblicherweise bei den Proben herrscht.

„Wir hoffen im Moment, dass wir ab September vielleicht doch wieder richtig auf der Bühne üben können und dass bei sinkenden Ansteckungszahlen auch die Möglichkeit besteht, im November vor Publikum zu spielen“, sagt Sigrun Saul, die zum harten Kern der Gruppe gehört, der von Anfang an, also seit 32 Jahren, dabei ist.

In der Regel alle zwei Jahre sorgen die routinierten Akteure an vier Theaterabenden für humorvolle Unterhaltung mit Lokalkolorit und originellen Einfällen, vor allem auch bei den Kostümen und der Maske, für die Nadine Krieger im Einsatz ist. Und sie können auf ein treues Stammpublikum zählen, das aus der ganzen Umgebung anreist, um sich mal richtig das Zwerchfell massieren zu lassen. „Rund 200 Zuschauer haben wir bei jeder Vorstellung“, erzählt Sigrun Saul, die gemeinsam mit Inge Herget die in Frage kommenden Stücke, ausschließlich Komödien, sichtet und dann auswählt. „Das ist gar nicht so einfach, weil wir mit zwölf Darstellern eine ziemlich große Laienspielergruppe sind. Die meisten bestehen aus maximal acht bis zehn Leuten und für Gruppen dieser Größe sind auch viele Stücke geschrieben. Ein Gutes für mehr als zehn Leute zu finden ist fast unmöglich. Ich habe fast 30 Stücke gelesen“, erzählt Saul.

Die Wahl fiel schließlich auf Bernd Gombolds Schwank „Dreistes Stück im Greisenglück“, der auch ein bisschen angepasst wurde. Der Titel der Hergershäuser Version heißt „Dolles Stück im Greisenglück“ und die Kickers-Truppe hat eine zusätzliche Rolle „reingeschrieben“, damit alle Darsteller versorgt sind.

Die turbulente Geschichte spielt im Seniorenheim „Greisenglück“, in dem eine strenge Schwester Oberin das Regiment führt und sogar mit drakonischen Strafmaßnahmen für Zucht und Ordnung sorgt. Das ruft Widerstand bei einigen Heimbewohnern hervor, die auch noch mit geldgierigen, nervigen Verwandten gesegnet sind. Ein heimliche Liebe und damit verbundene Verwicklungen würzen die Story außerdem, bei der sich die spielfreudigen Akteure wieder so richtig austoben können.

Bleibt zu hoffen, dass im Herbst Theater spielen vor größerem Publikum wieder erlaubt sein wird. Schließlich tragen die vier Aufführungen alle zwei Jahre auch zum Budget des Sportvereins bei, der bereits auf wichtige Einnahmen, wie das Spargelessen, verzichten musste.

Falls möglich, wird sich der Vorhang im Bürgerhaus jeweils Freitag und Samstag, am 6. und 7. und 20. und 21. November öffnen. „Wenn wir ab September aber nicht wieder normal proben können, müssen wir die Theaterabende ins nächste Jahr verschieben. Ab August werden wir Karten im Vorverkaufen anbieten, die bis zu einem neuen Termin ihre Gültigkeit behalten. Spätestens 2021 wird das Stück auf jeden Fall aufgeführt“, ist sich Saul sicher. Dann werden sie auf der Bühne stehen: Günther Stübinger, Markus Nelhübel, Sigrun Saul, Sabrina Schäfer, Walter Morian, Alexander Buia, Anja Walz, Simone Ullrich, Wilfried Klein, Inge Herget, Evelyn Pfeiffer und Christoph Breuckmann. Neben den zwölf Darstellern gehören auch Christa Weinert und Ingrid Klein zum Ensemble, soufflieren oder ersetzen bei den Proben fehlende Akteure.

VON PETRA GRIMM

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