„Wo man unsere Sprache versteht“

„Hessisch Dreidabbischkeit“ bringt Mundart auf Bühne der Joachim-Schumann-Schule

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Als „Hessisch Dreidabbischkeit“ sorgten Clajo Herrmann (links), Stefani Kunkel und Rainer Weisbecker für einen unterhaltsamen Abend in der Joachimm-Schumann-Schule.

Babenhausen -   Comedy, Kabarett und Musik: Auf Einladung des Fördervereins gastierten Stefani Kunkel, Clajo Herrmann und Rainer Weisbecker in der Joachim-Schumann-Schule. Von Michael Just 

Was tut ein weiser Ehemann, der von seiner Frau gerade mal wieder die Leviten gelesen bekommt? „Wichtig ist, dass die Sache nicht eskaliert“, rät Rainer Weisbecker. Am besten wäre es, einfach abzuschalten und sich geistig davonzumachen. „In Frankfurt würde man sich denken, von Hibbdebach nach Dribbdebach zu springen und dort in eine Äppelwoikneipe zu gehen“, erklärt der Mundartdichter und Liedermacher die beste aller Vorstellungen. Mit den Zeilen „Mein Körper ist hier, mein Geist ganz weit weg“ untermalte Weisbecker seinen Lösungsvorschlag noch mit einem heiteren, selbstverfassten Liedchen.

Der Frankfurter aus dem Stadtteil Niederrad gehörte am Freitagabend mit Stefani Kunkel und Clajo Herrmann zur „Hessisch Dreidabbischkeit“, die im Atrium der Joachim-Schumann-Schule auftrat. Eingeladen hatte der Förderverein. Zu Beginn des Abends dankte Schulleiter Reiner Becker dem Förderverein, der ganz wesentlich zur Finanzierung der Ganztagsschule beiträgt.

Die „Hessisch Dreidabbischkeit“ fand sich vor rund zweieinhalb Jahren durch den Ratschlag eines Theaters in Bad Nauheim zusammen. Mittlerweile kommt man pro Monat auf einen gemeinsamen Auftritt. „Das aber nur dort, wo man unsere Sprache versteht“, erklärt Hermann zu dem Aspekt, dass dem hessischen Dialekt im Programm eine größere Bedeutung beigemessen wird. In Babenhausen standen die Akteure abwechselnd auf der Bühne. Nur bei den Übergängen waren Hermann, Kunkel und Weisbecker kurz gemeinsam zu sehen. Hier laborierten sie an der Schwierigkeit, ein Brett aufzuhängen.

Komödiantin Kunkel kam in ihrer Paraderolle als Hilde aus Bornheim. Die eloquente Rauhaardackelbesitzerin babbelt dabei, während sie kleine Stückchen Fleischwurst isst. Mithilfe eines Kneipchen wandern die in den Mund. Meist fällt auch ein Eckchen – gepaart mit jede Menge Humor – für die Zuschauer ab.

Hermann, der durch seinen Part im Babenhäuser Pfarrer-Kabarett ein Heimspiel hatte, philosophierte mit einem Handy in der Hand über die Probleme des Alltags und die schöne, neue Medienwelt. Einer der Höhepunkte war, als er ein Navi speziell für Südhessen vorstellte, bei dem man von „Herbert“ geleitet wird. Mit Aussagen wie „Gib Acht du Simpel, dass du nicht an der nächsten Ausfahrt vorbeifährst“ oder dessen Aberkennung der Fahrtauglichkeit („Willste im Kreisel Karussell fahren?“) könne man mit Herbert sogar richtig Ärger bekommen.

Weisbecker übernahm im Trio den musikalischen Part. Für seine Lieder hatte er allerlei Musikinstrumente, von der Gitarre, über die Mundharmonika bis zur Konzertina, einem Klein-Akkordeon, dabei. Mit ihnen trug er wunderbare Liebeserklärungen an den Äppelwoi vor. Da die Refrains leicht zu merken und mitzusingen waren, versammelte Weisbecker mehrfach das Publikum als großen Chor hinter sich.

Die Befürchtung einiger Besucher, dass die „Hessisch Dreidabbischkeit“ so intensiv dem Dialekt frönt, dass Zugereiste kaum etwas verstehen, trat nicht ein. So verflog die Zeit kurzweilig und fast wie im Flug. Am Ende war den drei Akteuren ein großer Schlussapplaus sicher. Weisbecker hielt bei seinem Lieblingsthema „Himmel und Hölle“ gegen Ende nicht die Info zurück, dass Hochzeiten im Himmel unmöglich sind. Für Trauungen bedürfe es ja einen Pfarrer, von denen es aber die wenigsten in den Himmel schaffen. Hermann ließ dies unkommentiert, belegte kurz darauf aber, dass das nicht so abwegig ist. Wie der Kabarettist und einstige Pfarrer sagte, gab es durchaus auch Beerdigungen, die er gerne vorgenommen hat. Manchmal musste er sogar besonders laut predigen, damit man das Klopfen im Sarg nicht hört.

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