Gutachten

Babenhausen: Die Aufregung am Haselsee ist der sachlichen Analyse gewichen

Auf mehreren hundert Quadratmetern ist am Haselsee in Babenhausen das Ufer abgerutscht.
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Auf mehreren hundert Quadratmetern ist am Haselsee in Babenhausen das Ufer abgerutscht.

Geo-Ingenieure und Vermesser sind am See zugange, um das von der südhessischen Bergaufsicht beim Regierungspräsidium Darmstadt geforderte Gutachten zu erstellen.

Der Anruf seines Betriebsleiters am vergangenen Samstag wird Joachim Noll in Erinnerung bleiben. Dem ansonsten offenbar nur wenig aus der Ruhe bringenden Mitarbeiter war anzuhören, dass etwas Größeres am Haselsee passiert sein muss. Zumal bereits der Bahnverkehr gestoppt worden war. „Da war mir klar, dass nicht nur ein paar Brocken abgerutscht sind“, erzählt der Geschäftsführer des Sand- und Kiesabbauunternehmens Schumann &Hardt.

Umgehend habe Noll sich auf den Weg nach Babenhausen gemacht. Von unterwegs rief er die Alarmnummer des Regierungspräsidiums in Darmstadt an. „Wir sind verpflichtet, solche Unfälle umgehend der Bergaufsicht zu melden“, berichtet er von dem Hangrutsch, der drei Anglern des ASV Offenbach beinahe zum Verhängnis geworden wäre. Sie konnten sich, wie berichtet, gerade noch in Sicherheit bringen, bevor auf einer Länge von etwa 40 Metern die Uferböschung abrutschte.

Die Aufregung vom Samstag ist mittlerweile der sachlichen Analyse gewichen. Geo-Ingenieure und Vermesser sind am See zugange, um das von der südhessischen Bergaufsicht beim Regierungspräsidium Darmstadt geforderte Gutachten zu erstellen. Denn erst wenn dieses vorliegt und von den Behörden, darunter auch das hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie, geprüft wurde, darf wieder Sand und Kies gefördert werden.

Wie Noll erläutert, vermuten die Experten, dass beim Absaugen von Sand und Kies eine große Tonlinse unterspült worden sein könnte und wegrutschte. Dadurch habe die Böschung ihren Halt verloren und sei nachgerutscht. Das gelte es nun zu verifizieren, so Noll. Auf jeden Fall habe es keinen „ausgeuferten Baggerbetrieb“ gegeben, wie die Polizei zunächst mutmaßte. „Wir sind an dieser Stelle garantiert nicht unter der vorgeschriebenen Solltiefe gewesen“, sagt Noll. Diese stehe immer in Abhängigkeit zum Uferabstand und soll eigentlich einen Hangrutsch vermeiden.

Auch sei die Funktionsweise des elektrisch betriebenen Saugbaggers, der seit 2018 den Schwimmgreifer ersetzt, nicht ursächlich für den Hangrutsch. Entgegen der Vorstellung, dass das Saugrohr hin und her wedele, ist es in der Realität sehr statisch und bewege sich kaum.

Noll ist froh, dass am Samstag das Zusammenspiel der Experten aus dem Regierungspräsidium, der Deutschen Bahn, des Technischen Hilfswerks, befreundeten Unternehmen und aus seinem Team gut funktioniert hat. Schnell sei ein Konzept erarbeitet worden, um den Hang zu stabilisieren. Dazu ist die Böschung „abgesteppt“, also eine Art Zwischenstufe eingebaut, worden. Deshalb konnten am Montag auch wieder die Güterzüge die naheliegende Bahnstrecke nutzen.

Indes nimmt Sabine Schwöbel-Lehmann, Vorsitzende der Bürgerinitiative Schaafheim und Sprecherin des nach Bekanntwerden der Ausbaupläne von Kaspar Weiss gegründeten Aktionsbündnisses Babenhausen, den Hangrutsch zum Anlass, um „dem flächenfressenden Kiesabbau in der Region“ weiter den Kampf anzusagen: „Das Unglück am Hasselsee hat die Gefahren durch immer schnelleren Kiesabbau gezeigt.“

Von Norman Körtge

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