Schloss

Verborgene Gänge entdeckt

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Das Schlossfreunde-Vorstandsduo: Vorsitzender Manfred Lautenschläger (rechts) und sein Stellvertreter Klaus Mohrhardt.

Das Interesse am Schloss ist groß. Auch, weil nicht zu sehen ist, was hinter den Schlossmauern passiert. Über 100 Gäste zählte nun ein Vortragsabend der Schlossfreunde.

Babenhausen – Die Baumaßnahmen am Babenhäuser Schloss, das seit über zehn Jahren mit viel Aufwand und unter den strengen Augen der Denkmalschützer in ein Luxushotel umgewandelt wird, sind immer wieder für Überraschungen gut. So kamen bei den Aushubarbeiten um das historische Kleinod, das seit 2006 im Besitz der ukrainischen Firma Alfa Consulting ist, nun ein bisher unbekannter Befestigungswall und unterirdische Gänge zum Vorschein. Diese Entdeckung ist eine kleine Sensation, die neben Details über die aktuellen Baufortschritte beim Infoabend der Schlossfreunde Babenhausen präsentiert wurde. Das Interesse war größer als der Verein, an der Spitze der Vorsitzende Manfred Lautenschläger, erwartet hatte. Die 100 Stühle im kleinen Saal der Stadthalle reichten nicht aus, eilig wurden weitere Sitzgelegenheiten aufgestellt.

Diese neu entdeckte dritte Mauer, zwischen der Zwingermauer und der äußeren Mauer gelegen, war durch – bisher ebenfalls unentdeckte – unterirdische Gänge mit den als Rondell gebauten Bastionstürmen verbunden. „Dieser innere Wall muss zwischen dem Bau der Zwingermauer ab 1445 und dem Bau der äußeren Mauer ab 1525 entstanden sein. Die Rondelle, das älteste stammt ebenfalls aus dem Jahr 1445, standen ursprünglich wohl ganz frei vor der Festungsanlage. Über die jetzt frei gelegten unterirdischen Gänge, die mit einer Gewölbedecke überspannt waren, konnten sie vom Wall aus sicher erreicht werden. Als die äußeren Mauern dann standen, waren die Gänge nicht mehr nötig, dann konnte man ungefährdet zu den Geschütztürmen gehen“, sagte der stellvertretende Vorsitzende Klaus Mohrhardt, der 69 Bilder, überwiegend Fotos, aber auch aktuelle und historische Karten und Pläne präsentierte. Dabei erläuterte er kenntnisreich, was – verborgen vor den Augen der Öffentlichkeit – auf der Baustelle vor sich geht.

An der Ostseite (Richtung Platanenallee) entsteht der Eingangsbereich und ein frei stehender, durch Brücken mit dem Gebäude verbundener Aufzugsturm. Dieser moderne Anbau für den Empfang der Gäste wird Glaswände haben. „Das dahinter gelegene Schloss wird so noch gut zu sehen sein“, sagte Mohrhardt, der immer wieder auf die Geduld und das Fingerspitzengefühl der Besitzer beim Umbau des Denkmals hinwies. „Sämtliche Arbeiten werden mit Sorgfalt und Schutz der alten Bausubstanz ausgeführt, deshalb dauert es auch so lange. Alles wird akribisch dokumentiert.“

Aufnahmen von den Arbeiten im Inneren illustrierten die Herausforderungen. So müssen Aufzugsschächte durch marode, denkmalgeschützte Decken geführt werden. Stützbalken und Träger, die die alten Decken von oben oder unten absichern, werden in enger Zusammenarbeit mit den Denkmalschützern eingebracht. „Diese Arbeiten zur Sicherung der Grundsubstanz sind fast beendet“, sagte Mohrhardt. Danach könne dann der Innenausbau beginnen. Insgesamt sind 45 Zimmer „im gehobenen Preissegment“ geplant.

Einige Einrichtungen des Hotels finden im historischen Gebäude keinen Platz und werden unterirdisch um das Schloss herum gebaut, beispielsweise der Spa-Bereich an der Südost-Seite. Auch der Zugang zur Anlieferung, der Technik- und der komplette Küchenbereich werden in der Erde „versenkt“. Fotos zeigten die ausgehobene Baugrube an der Südwestecke des Schlosses, Richtung der Schrebergärten. „Diese unterirdischen Räume werden am Schluss mit Erde bedeckt, sodass darauf wieder ein Schlosspark angelegt werden kann“, sagte der Referent. Für viele überraschend sind auch die Pläne, das Restaurant im alten Gewölbekeller unter der Säulenhalle und dem Sommersaal einzurichten. Im rechten Winkel geht es von der Westseite um die Ecke in die Nordseite über. Lichtschächte und Kellerfenster werden für Licht sorgen.

Ein Blick auf die Anfangszeit der 840 Jahre dauernden Baugeschichte des Schlosses öffnet sich im Innenhof, der jetzt 40 Zentimeter tiefer ist. Denn neben der Urpflasterung der Münzenberger, die um 1180 herum entstand, kam hier das Backsteinfundament des alten Bergfrieds aus der Entstehungszeit der staufischen Burganlage zum Vorschein. „Als Wohnturm gebaut, war er eine Grundsicherung für den weiteren Burgbau. Die Ausmaße des Grundrisses sind größer als bisher angenommen. Der Turm hat den Hof fast ausgefüllt und stand wohl bis 1725“, so Mohrhardt.

VON PETRA GRIMM

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