Nach fast 40 Jahren ist Schluss

Babenhausens Revierförster Lothar Seipp geht in Ruhestand

Ob bei Ferienspielen oder Waldrundgängen, Revierförster Lothar Seipp hatte immer viel zu erzählen. Nun geht er in den Ruhestand.
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Ob bei Ferienspielen oder Waldrundgängen, Revierförster Lothar Seipp hatte immer viel zu erzählen. Nun geht er in den Ruhestand.

Fast 40 Jahre lang hat sich Lothar Seipp als Revierförster um die Wälder rund um Babenhausen gekümmert und sie gehütet. Nun geht er in den Ruhestand

Babenhausen – Naturverbunden, wetterfest und gut im Organisieren sollte ein Förster sein. Außerdem muss man es gut mit sich alleine aushalten können, denn einen täglichen Umgang mit Kollegen, wie in vielen anderen Berufen, gibt es nicht. „Man ist schon eher Einzelkämpfer“, sagt Revierförster Lothar Seipp, der nach fast 40 Jahren Dienst im Babenhäuser Wald jetzt in Ruhestand gegangen ist.

Bei ihm kommen Eigenschaften dazu, die vielleicht nicht zwingend zur Berufsbeschreibung gehören, aber auf jeden Fall hilfreich sind. Er kann gut mit Menschen umgehen und strahlt eine entspannte Bodenständigkeit aus. Davon profitieren auch die Teilnehmer der Waldrundgänge, zu denen die Stadt und das Hessische Forstamt Dieburg seit vielen Jahren einladen. Als Waldpädagogen haben sich Seipp und seine Kollegen vor der Pandemie auch bei den städtischen Ferienspielen bewährt.

Seine Berufswahl habe er nie bereut, sagt der 66-Jährige. Zumal er nach seiner Zeit bei der Bundeswehr erst eine Lehre zum Industriekaufmann begonnen hatte und schnell gemerkt hat: „Das ist nichts für mich.“ Nach drei Wochen habe er damit aufgehört.

„Ich komme aus der Landwirtschaft und war als Kind schon viel im Wald unterwegs“, erzählt der 66-jährige Vater von drei Söhnen und Großvater von drei Enkelkindern, der in einem kleinen Ort bei Gießen geboren und aufgewachsen ist. Seinen Beruf hat er von der Pike auf gelernt, denn vor seiner Ausbildung zum Revierförster an der Hessischen Landesforstschule in Schotten (Vogelsberg) machte er in der Privatforstverwaltung des Fürsten zu Solms-Lich eine Ausbildung zum Forstwirt. „Früher hieß das Waldarbeiter“, erklärt Seipp, der wegen seines Abiturs gedrängt wurde doch „weiterzumachen“. An der Landesforstschule gehörte er dann zu den letzten Jahrgängen, die zum Förster ausgebildet wurden. „Anfang der 80er Jahre wurde sie geschlossen“, sagt Seipp. Inzwischen absolvieren Förster ein Studium.

Im November 1982 trat er seine Stelle am inzwischen nicht mehr existierenden Forstamt Babenhausen an. Kurz darauf bezog er mit seiner Familie das Forsthaus in Langstadt, das sie jetzt wieder verlassen, um Platz für Seipps Nachfolger zu machen. Aber der Förster im Ruhestand und seine Frau Christel bleiben in Langstadt. Der Ort ist ihnen Heimat geworden.

Das Gesicht der Wälder hat sich durch Stürme, Schädlingsbefall und die drei heißen und trockenen Sommer verändert. Wie man diesen Schäden und Herausforderungen begegnet war regelmäßig Thema bei den Waldrundgängen.

Welche Veränderungen im Großen und im Kleinen hat es für Seipp in den vergangenen 40 Jahren bei der Ausübung seines Berufes gegeben? „Das Arbeitsfeld ist gleich geblieben“, sagt Seipp und nennt den Schutz und die Pflege des Waldes, den Waldbau und die Holzernte. Nachhaltige Bewirtschaftung unter ökologischen Gesichtspunkten hat an Bedeutung gewonnen. Planung, Verwaltung und Beratung gehörten von Anfang an zu seinen Aufgaben.

Geändert habe sich eher das Umfeld und die Technik. Reviere wurden über die Jahre vergrößert und Forstämter zusammengelegt. Seit 2005 gehört beispielsweise auch der Eppersthäuser Gemeindewald zu seinem Revier. Der Computer hat Einzug in sein Arbeitszimmer im Forsthaus genommen und ein Tablet ersetzt im Wald den Notizblock. Seipp erinnert sich noch gut, wie er früher beispielsweise Arbeitsstunden von Forstwirten auf großen Zetteln eingetragen hat, natürlich mit Durchschlag. Diese Zettelwirtschaft ist passé. Ebenso die „Funkwelle Forst“, die den Förstern ab 1983/84 über ein Funkgerät im Auto Kommunikation ermöglichte. Wir erinnern uns: Es gab eine Zeit vor Handy und Co. Inzwischen kann das Smartphone auch die Karten zur Orientierung im Wald ersetzen. Seipp sind seine Karten trotzdem lieber.

Die Maschinen für die Waldarbeit haben sich verändert, wodurch Produktivität und vor allem auch Arbeitssicherheit gewachsen sind. Als größten Umbruch bei der Holzernte nennt Seipp den Einsatz des Harvesters nach den Orkantiefs Vivian und Wiebke im Jahr 1990. Dieser moderne Kranvollernter kam nach den verheerenden Sturmschäden nicht nur im Babenhäuser Wald, sondern in ganz Deutschland in großem Umfang erstmals zum Einsatz. „Nur durch den Windwurf sind die Harvester damals aus den nordischen Ländern so schnell zu uns gekommen. Die Technik der Aufarbeitung hat sich dadurch komplett verändert“, erzählt Seipp. Der Harvester übernimmt mehrere Arbeitsschritte, wie fällen, entasten, ablängen und am Gassenrand ablegen. Der Vollernter kann mit seiner Zange Bäume sichern, die unter Spannung über Kreuz liegen und gefährlich für die Waldarbeiter wären.

Pläne für seine Zeit im Ruhestand habe er eigentlich nicht, sagt Seipp. Jetzt stünden erst mal das Renovieren und der Umzug in sein neues Zuhause an. (Petra Grimm)

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