Noch ist kein Eröffnungstermin bekannt

Warten auf Tag X: Bauarbeiten am Schloss gehen voran

+
Von außen nicht einsehbar, aber mit diesem Bild dokumentiert: Die Bauarbeiten am „Schloss-Hotel“ gehen voran. Beim jüngsten Stammtisch der Schlossfreunde informierten Klaus Mohrhardt und Kurt Schlösser über die aktuellen Entwicklungen.

Babenhausen - Das Babenhäuser Schloss gilt als Juwel, dessen Ursprünge auf die Stauferzeit im 12. Jahrhundert zurückgehen. Seitdem es zum Luxus-Hotel umgebaut wird, halten die Schlossfreunde Kontakt zu den neuen Besitzern und informieren über den Stand der Umbauarbeiten. Von Michael Just

„Die letzten Monate wurden die Bauarbeiten intensiviert. Im Moment wird das Empfangsgebäude vor der historischen Ostfassade errichtet, dazu wurde das Technikgebäude im Schwanengraben mit Biberschwanzziegel eingedeckt“, weiß der stellvertretende Vorsitzender Klaus Mohrhardt. Zweimal besuchte er in den letzten Wochen die Baustelle und konnte damit aus erster Hand berichten. Zur Empfangsseite Richtung Platanenallee gehört auch ein Turm mit Aufzug, der inklusive Erdgeschoss über drei Stockwerke reichen wird. Aus Glas und Stahl konstruiert, soll er sich ganz bewusst optisch von den historischen Gebäuden abheben. Die Verbindung vom Turm zum Hotel wird über Brücken verlaufen. Auch im Schloss selbst werden momentan zwei neue Aufzugsschächte eingebaut. Laut Mohrhardt sind diese Arbeiten diffizil. Zum einen werden historische Decken durchbrochen, was den Denkmalschutz zum genauen Beobachten veranlasst. Zum anderen verlange die Statik exakte Berechnungen samt Stützen, damit nichts zusammenbricht.

Nicht minder groß sind die Herausforderungen auf der Westseite des Schlosses in Richtung der Schrebergärten. Dort tut sich derzeit eine große Grube auf. Hier entstehen unterirdische Gebäude für die Hotelküche und die Lagerräume. Zudem werden alle Notwendigkeiten für den Lieferverkehr sowie Parkplätze geschaffen. Die Hotelküche wird das Restaurant im alten Gewölbekeller unter dem Säulensaal versorgen. Mit den unterirdischen Bauten ist der Babenhäuser Architekt Kurt Schlösser betraut.

Beim Stammtisch war auch er anwesend, was einen weiteren fachkundigen Referenten bedeutete. Wie Schlösser sagte, bestehe die Herausforderung vor allem im Be- und Entlüften. „Viele Kanäle und Maschinen sind dafür notwendig“, so der Fachmann. Dazu tue sich durch die nahe Gersprenz eine weitere Herausforderung auf: Die Lage im Hochwasserbereich verlange im Ernstfall eine Wasserabwehr und die Dichtigkeit der Gebäude.

Vor allem die Tiefbauarbeiten auf dem gesamten Gelände führen derzeit dazu, dass den Vertretern des Denkmalschutz die Beschäftigung nicht ausgeht. Regelmäßig stoßen die Arbeiter auf alte Fundamente, die neue Erkenntnisse über die zahlreichen Bautätigkeiten am Schloss quer durch die Jahrhunderte ergeben. Mit den spektakulärsten Blick in die Geschichte tut sich derzeit im Schlosshof auf, der 40 Zentimeter abgesenkt wurde. Beim Graben traten die alten Fundamente des Bergfrieds ans Tageslicht. Bergfried nennt man den für die letzte Verteidigung gedachten inneren Hauptturm einer mittelalterlichen Burg oder eines festungsartigen Schlosses. „Mit elf bis zwölf Metern war der Bergfried in Babenhausen weitaus größer als bisher angenommen“, berichtet Mohrhardt. Die Mächtigkeit des Mauerwerks betrug zwei Meter und mehr, was im Turm nur ein sehr beengtes Wohnen zuließ. Neue, ganz erstaunliche Erkenntnisse liegen auch über die Schutzmauern vor, die das Schloss umgaben. Ging man bisher von zwei Mauern aus, sind fortan drei belegt. Bei Aushubarbeiten, die für die Verlegung weiterer Technik notwendig sind, wurden Reste einer dritten Festungsmauer samt Eckturmfundament freigelegt. Dass die Mauer auf dem morastigen Boden nicht einsackt und verrutscht, wurde sie auf große Eichenbalken gesetzt. Die Eichenbalken, die vom Denkmalschutz geborgen wurden, sind sehr gut erhalten. Teilweise machen sie den Eindruck, als wären sie erst gestern in den Boden gekommen“, schwärmt Mohrhardt.

Führung durch Schloss in Babenhausen

Ein Lob hatte Mohrhardt für die neuen Schlossbesitzer parat, die sich sehr geduldig im Zusammenspiel mit den Historikern und deren oft langen Auswertungen zeigen. „Man ist sich bewusst, dass das Schloss ein Vorzeigeobjekt ist, weshalb man alles richtig machen will“, konstatiert er. Die Geduld lässt sich wohl auch damit erklären, dass die Umbauarbeiten selbst nur langsam vorangehen. Seit dem Beginn 2006 ist kein Ende absehbar. So konnte beim Stammtisch auch diesmal kein möglicher Eröffnungstermin des Luxus-Hotels genannt werden. Für die Schlossfreunde und die Babenhäuser Bevölkerung heißt das weiter warten auf Tag X. Derzeit wird der Schlosshof neu gepflastert, was bei Klaus Mohrhardt Hoffnung in eine andere Richtung auslöst. „Vielleicht können wir den Hof schon bald für ein Konzert des Babenhäuser Blasorchester nutzen“, sagt er mit Blick auf große vorangegangene Auftritte an diesem Ort und ergänzt: „Die Akustik ist hier einfach nur fantastisch.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare