Baugebiet "Boßwenhain"

Streit um Supermärkte in Babenhausen  

+
Auf dieser Ackerfläche gegenüber des Netto-Marktes (im Hintergrund rechts) und der Continental (links) plant Tegut an der Frankfurter Straße einen Markt.

Babenhausen – Schadet ein Vollversorger im Baugebiet „Boßwenhain“ der Entwicklung in der Kaserne? Die Meinungen der jeweiligen Investoren gehen naturgemäß auseinander. Letztendlich muss die Lokalpolitik entscheiden. Von Norman Körtge 

Das geplante Baugebiet „Boßwenhain“ im Norden entzweit die Lokalpolitik. Vor zwei Wochen ist im Bauausschuss  mit den Stimmen von FDP und Grünen eine knappe Vorentscheidung zugunsten eines CDU-Änderungsantrages gefallen, der vorerst einen Verzicht auf die Wohnbebauung der Ackerfläche im Eck Taunus- und Waldstraße vorsieht. Nun müssen die Stadtverordneten in ihrer Sitzung am Donnerstagabend auch eine Grundsatzentscheidung in Sachen Einzelhandelsflächen treffen. Im Fokus dabei: Was soll auf dem Acker nördlich des Iroplastgeländes an der Frankfurter Straße entstehen, für das der CDU-Antrag einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan vorsieht? Einzelhandel wie ursprünglich geplant?

Wenn es nach dem Willen der Kasernenkonversionsgesellschaft geht, dann ist die Antwort klar: „Nein.“ In der jüngsten Kasernen-Ausschussitzung hatten die Geschäftsführer Daniel Beitlich sowie Markus und Kevin Aumann noch einmal deutlich gemacht, dass sie auf die Einhaltung des mit der Stadt geschlossenen Kooperationsvertrages pochen. In diesem heißt es sinngemäß, dass solange die Entwicklung der Kaisergärten im Süden der Kernstadt nicht abgeschlossen ist, keine weiteren Einzelhandelsflächen ausgewiesen werden sollen. Dabei verweist Markus Aumann auch auf den Zertifizierungsprozess der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), der unter anderem eine fußläufige Nahversorgung vorsehe, um den Autoverkehr im Quartier zu minimieren.

Für den neu entstehenden Stadtteil ist die Konversionsgesellschaft in Verhandlungen mit Rewe. Und der Konzern habe klar zu verstehen gegeben, dass die Ansiedlung eines Tegut-Marktes im „Boßwenhain“ als Konkurrenz ansehen werden würde, berichtete Beitlich.

Zum gleichen Ergebnis komme auch der für die Stadt arbeitende Rechtsanwalt, wie Bürgermeister Joachim Knoke (SPD) auf Anfrage mitteilt. Auch deshalb kann Markus Aumann nach wie vor nicht verstehen, warum der Verwaltungschef die Einzelhandelsansiedlung im Norden zunächst forciert hatte, nun allerdings erst einmal zurückstellen möchte. Hingegen betonte Knoke, dass er dem Investor CMB aus Aschaffenburg, der für Tegut den Markt errichten würde, von Anfang an mitgeteilt habe, dass die Kasernenentwicklung Vorrang habe. „Entweder es gibt eine Einigung, oder Boßwenhain muss warten“, berichtet Knoke.

Eine Einigung gibt es auch nach geführten Gesprächen zwischen den Investoren und der Stadt nicht. Einzige Ausnahmen: Wenn jemand komme, der beide Standorte mit der geplanten Größe entwickle, würde die Kasernenkonversionsgesellschaft mit sich reden lassen, hieß es von deren Seite im Ausschuss.

Christof Mahnel vom Projektentwickler CMB hingegen sieht die rechtliche Komponente völlig anders. Wie er auf Anfrage mitteilt, habe er von einer Rechtsanwaltskanzlei ein Gutachten zum Kooperationsvertrag und die Auslegung zum Baugebiet „Boßwenhain“ erstellen lassen. Und dieses stelle den Kooperationsvertrag im Ganzen in Frage, wie Mahnel mitteilt. Unter anderem heiße es im Gutachten, dass der Vertrag eine „unwirksame Selbstbindung“ beinhalte, da er die „Planungshoheit der Stadt Babenhausen außerhalb der Konversionsfläche faktisch“ ausschließe. Zur Meinungsfindung habe er das mehrseitige Gutachten gestern auch dem Magistrat und den politischen Fraktionen zukommen lassen.

Bilder: Babenhausen und Stadtteile

Das Schreiben der Rechtsanwaltskanzlei ist aber nicht der einzige Argumentationsstrang Mahnels. Er verweist zudem auf eine von ihm bei der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) in Auftrag gegebene Auswirkungsanalyse, die dem Norden von Babenhausen eine Unterversorgung attestiert. „Die Babenhhäuser wollen doch nicht alle durch die Bahnunterführung zur Kaserne fahren. Die fahren dann lieber gleich nach Dudenhofen. Das bedeutet Kaufkraftabfluss“, meint Mahnel. Der Projektentwickler verweist zudem auf eine Stellungnahme des Regierungspräsidiums Darmstadt, die aus regionalplanerischer Sicht keinerlei Bedenken gegen den Supermarkt im „Boßwenhain“ habe.

Und Mahnel zieht ein aus seiner Sicht weiteres Argumentations-Ass: Er kann sich vorstellen, die Einzelhandelsflächen in den „Kaisergärten“ zu entwickeln. Interessenten gebe es. Wie Markus Aumann dazu auf Nachfrage mitteilt, passe der von Mahnel vorgesehne Einzelhandel aber nicht in das Kasernenkonzept und gefährde obendrein die DGNB-Zertifizierung.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare