Neues Rechenzentrum

Babenhausen: Internetgigant Google will nächste Hürde nehmen

Kein Vorkaufsrecht für die Grundstücksfläche an der B26: In der juristischen Prüfung ist die Stadt unterlegen und muss im Käuferwettstreit jetzt klein beigeben.
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Kein Vorkaufsrecht für die Grundstücksfläche an der B26: In der juristischen Prüfung ist die Stadt unterlegen und muss im Käuferwettstreit jetzt klein beigeben.

In Babenhausen will Google ein neues Rechenzentrum bauen. Noch vor der Sommerpause könnte das Stadtparlament das Vorhaben einen großen Schritt voranbringen.

Babenhausen - Internetgigant Google nimmt die nächste Etappe ins Visier: Der IT-Dienstleister will an der B26 in dreistelliger Millionenhöhe investieren. Der Bau des Rechenzentrums geht planerisch zügig voran, wie die Verwaltung im Bauausschuss berichtete. Für Donnerstag, 15. Juli, wenn das Stadtparlament letztmals vor der Sommerpause zusammenkommt, könnte mit dem Satzungsbeschluss bereits Baurecht geschaffen werden.

Betroffene Behörden und Bürger hatten bis Ende Mai im Verfahren die Möglichkeit, Anregungen und Bedenken für das Vorhaben an der Aschaffenburger Straße 50-58 einzureichen. „Aus den eingegangenen Stellungnahmen ergeben sich keine Änderungen“, so Bürgermeister Dominik Stadler (unabhängig), zwei Einsender fürchteten Mehrverkehr auf der B26, ein weiterer die Abwärme, die durch den Betrieb des Rechenzentrums entstehen wird.

Google will in Babenhausen 300 Millionen in Rechenzentrum investieren

Rund 300 Millionen Euro wird Google, das durch sein Tochterunternehmen, die Redtec Computing GmbH vertreten wird, allein in Bau des Google-Rechenzentrums in Babenhausen investieren, hinzu kommt nochmals „deutlich mehr“ für die IT-Ausstattung, so Alexander Hauser, Geschäftsführer der beauftragten TTSP HWP Planungsgesellschaft aus Frankfurt.

Den Strom zum Betrieb der Serverfarm wird von der Westnetz GmbH geliefert. Hauser stand im Ausschuss nochmals für Fragen zur Verfügung. „Google wird in Babenhausen als Dienstleister mit modernster Rechenzentrumstechnologie auftreten“, so der Planer, „die Zukunft ist, dass Unternehmen keine eigenen Server mehr betreiben, sondern Cloud-Lösungen nutzen.“

Derzeit werden in einem städtebaulichen Vertrag zwischen Stadt und Investor die Eckpfeiler des Bauvorhabens festgezurrt. Das betrifft etwa die Verkehrsführung – es wird eine Linksabbiegerspur auf der B26 geben –, aber auch die naturschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen, zu denen sich das Unternehmen verpflichtet.

Google in Babenhausen: Kritik an Bauvorhaben

Bis zur kommenden Parlamentssitzung soll der städtebauliche Vertrag unterzeichnet sein und einem Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan nichts mehr im Weg stehen. Innerhalb von acht Jahren nach Rechtskraft des B-Plans verpflichtet sich der Investor, zu bauen. Die Freien Wähler, dies kündigte Wolfgang Heil an, werden dem Projekt die Zustimmung verweigern: „Uns fehlt die Summe der positiven Dinge für Babenhausen“ – so etwa Gewerbesteuereinnahmen.

Nur wenige hundert Meter in der Nachbarschaft des kommenden Rechenzentrums, hat die Stadt ihre Bestrebungen um vier Grundstücke verloren. Hier wollte man sein „Vorkaufsrecht“ als Joker ziehen, doch nach diversen juristischen Prüfungen muss die Stadt ihr Vorkaufsrecht widerrufen. Formale und materielle Mängel hatte Bürgermeister Stadler als Gründe angeführt und sich dabei unter anderem auf die Bewertung des Hessischen Städtetags berufen. Das Vorkaufsrecht sei rechtswidrig und in einem Klageverfahren habe die Stadt kaum Aussichten auf Erfolg.

Babenhausen: Bau von Google-Rechenzentrum umstritten

Zur Vorgeschichte: Sowohl Kaufinteressenten als auch Verkäufer hatten Widerspruch gegen das Vorkaufsrecht eingelegt und sich mit juristischem Beistand nun durchgesetzt. Moniert wurde unter anderem, dass die Stadt keine Begründung mitgeliefert habe, warum sie hier vor anderen Investoren zum Zuge kommen soll.

Die Grundstücke, zu denen auch ein Gastronomiebetrieb gehört, sollen perspektivisch als „Gewerbegebiet nördlich der Aschaffenburger Straße“ ausgewiesen werden. Der Bereich war in der Vergangenheit auch deshalb interessant, weil er für den Bau einer Osttangente zur Harreshäuser Allee/Bouxwiller Straße nötig wäre. Seit dem Jahr 2011 wurde diese Ostumfahrung allerdings nicht weiter verfolgt. Dass die Stadt mit dem Verlust ihres Vorkaufsrechts ein Stück Planungsautonomie einbüße, kritisierte Heil. „Ärgerlich, aber nicht mehr zu ändern“, lautete das Resümee von Stephan Sawallich (CDU). Der Ausschuss beschloss einstimmig, die Bescheide zur Ausübung des Vorkaufsrechts zu widerrufen. (zah)

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