In Kathmandu

Bewegende Entwicklungshilfe von TVB-Trainerin

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TVB-Trainerin Jutta Koser inmitten ihrer Fangemeinde in Kathmandu: Die Diplom-Choreografin war zu Gast bei der „Nepal Gymnastic Association“ und half, Strukturen für Kinderturnen und Gesundheitssport im Land aufzubauen.

Babenhausen -  Entwicklungshilfe in Sachen Sport leistete die Diplom-Choreografin Jutta Koser bei einem zweiwöchigen Aufenthalt in Nepal. Von Petra Grimm

Durch neue Erfahrungen bereichert, aber auch erschüttert von Armut und Zerstörung kam die Gründerin und Trainerin der TVB-Tanzgruppe Akzeptanz aus dem vor drei Jahren von schweren Erdbeben erschütterten Land zurück. Auslöser für die ungewöhnliche Fernost-Reise, in deren Verlauf Jutta Koser mehrere Tanz- und Gymnastikworkshops nicht nur in der Hauptstadt Kathmandu gab, war der Besuch eine Abordnung der „Nepal Gymnastic Association“ beim Deutschen Turnfest in Berlin im vergangenen Jahr. „Sie haben Kontakt zum Deutschen Turnerbund (DTB) gesucht, weil sie allgemeines Turnen, beispielsweise Gesundheitssport und Kinderturnen, in ihrem Land aufbauen möchten und keine entsprechenden Strukturen, also Vereine oder ähnliches, vorhanden sind“, erklärt die in Babenhausen aufgewachsene Frau, die seit einigen Jahren in Rodgau zuhause ist. Sie habe sich zunächst gewundert, dass in einem so armen Land Interesse am Breitensport bestehe.

„Ich dachte, eigentlich haben sie dort doch ganz andere Probleme. Aber man möchte wohl trotz der Zerstörungen, kulturelles Leben aufrecht erhalten und die Menschen durch Sport gesund halten“, sagt Koser, die von Detlef Mann für die Mission gewonnen wurde. „Er ist beim DTB für internationale Belange zuständig und hat vier Experten gesucht, die mit ihm nach Nepal reisen“, informiert die Trainerin, die im DTB-Team Choreografie und Tanz abdeckt. Die anderen beiden Schwerpunkte waren Sport für Ältere und Akrobatik.

An den Workshops, die sie in der ersten Woche in der Hauptstadt Kathmandu und in der zweiten Woche in einem kleineren, touristischen Ort namens Pokhara auf die Beine stellte, nahmen die Lehrerinnen der örtlichen Schulen teil. „Denn eigentlich wird in Nepal nur in den Schulen Sport getrieben, überwiegend in Form von traditionellen Tänzen“, erläutert Koser, die sich an die fremde Kultur behutsam herantastete. Bekanntermaßen steht in asiatischen Gesellschaften – anders als in westlichen Ländern – das Individuum nicht an erster Stelle, sondern die Gemeinschaft. Das bedeutet auf Gymnastik und Tanz bezogen: „Alle Bewegungen werden dort üblicherweise von allen gleich ausgeführt“, erzählt Koser. Aus der Reihe tanzen ist im ganz wörtlichen Sinne nicht erwünscht. „Dass eigene Kreativität und Individualität von ihnen erwartet wird, war für die Frauen ganz neu. In diese Haltung musste ich mich erst reinfinden und ausprobieren, was ich mit den Leuten beim Workshop überhaupt machen kann, um sie nicht völlig aus dem Takt zu bringen. Also sind beispielsweise Bewegungen gemeinsam mit einem Partner und gegenseitige Berührung möglich und funktioniert die Musik, die ich mitgebracht habe“. Aber alle Teilnehmerinnen, Männer waren nur ganz vereinzelt dabei, seien offen auf das Neue eingegangen, berichtet Koser.

Hallenbau in Babenhausen

Kleinere Hürden waren die Sprache und das begrenzte Gepäck, das die Trainer aus Deutschland mitbringen konnten. „Wir konnten keinen Koffer voller Sportgeräte im Flugzeug mitnehmen und mussten deshalb improvisieren“, sagt die einfallsreiche Choreografin, die unter anderem Federn eingepackt hatte. Die pusteten die Workshop-Teilnehmerinnen dann an und ahmten die Bewegung der fliegenden Vogelpracht nach. Die beiden DTB-Trainer, die den Nepalesen Seniorengymnastik näher brachten, behalfen sich mit Plastiktüten als improvisierten Sportgeräten. „Auch Turnhallen wie bei uns gibt es dort nicht. Es sind einfach nur Steinböden mit einem Dach darüber.“ Kommuniziert wurde auf Englisch. Das sei ganz gut gelaufen. „Die unter 40-jährigen sprachen Englisch und haben dann für die anderen alles übersetzt, was ich gesagt habe“, erzählt Koser. Dass manches wahrscheinlich wie beim Spiel „Stille Post“ nicht ganz so ankam, habe der Gruppe nicht den Spaß an der Sache genommen. Im Gegenteil, es sei viel gelacht worden bei den Workshops, die mit öffentlichen Vorführungen endeten. „In Kathmandu gab es zum Abschluss sogar ein richtiges Gymnastik-Festival unter freiem Himmel mitten in der Stadt.“

An Herausforderungen und Überraschungen mangelte es bei dieser selbst finanzierten Reise nicht. Was Koser besonders in Erinnerung geblieben ist und sie auch jetzt noch zum Schmunzeln bringt: „Unter der ganzen Musik, die ich mitgebracht hatte, von klassischen, harmonischen Klängen bis zu Popmusik, war vor allem die traditionelle deutsche Blasmusik ein Renner. Darauf sind sie dort richtig abgefahren.“

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