Bytes statt Beton 

Rechenzentrum für Babenhausen: Unternehmen dahinter will geheim bleiben

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Auf dem ehemaligen Hauck&Nöth-Areal (im Vordergrund), zwischen der Bahnlinie nach Stockstadt und der Bundesstraße 26, könnte ein großes Rechenzentrum entstehen. Direkt gegenüber befindet sich der historische Teil des Kasernengeländes mit den denkmalgeschützten Gebäuden. Voraussichtlich Anfang Mai soll die Offenlage des Bebauungsplans für die sogenannten Kaisergärten beschlossen werden. 

Die erste Videokonferenz für die Babenhäuser Lokalpolitiker am Dienstagabend wartete mit einem Großprojekt auf. Im Vordergrund stand das Hauck&Nöth-Areal. Dort soll ein riesiges Rechenzentrum entstehen. Wer hinter dem Vorhaben steckt, ist geheim. 

  • In Babenhausen (Landkreis Darmstadt-Dieburg) soll ein Rechenzentrum entstehen
  • Planer: Positiver Effekt für Stadt Babenhausen
  • Grundvoraussetzungen für Betrieb von Rechenzentrum bereits geklärt

Babenhausen – Welches großes IT-Unternehmen hinter dem Vorhaben steckt, ist unklar. Es möchte noch inkognito bleiben. Fakt ist aber, dass das Frankfurter „Planungsbüro für Städtebau Göringer_Hoffmann_Bauer“ für den geheimnisvollen Auftraggeber bereits die Planung für ein großes Rechenzentrum an der Bundesstraße 26 soweit vorangetrieben hat, dass die Stadtverordneten in ihrer voraussichtlich am 7. Mai stattfindenden Versammlung einen Aufstellungsbeschluss für einen entsprechenden Bebauungsplan beschließen könnten. Über das Großprojekt konnten sich die Lokalpolitiker am Dienstagabend in einer erstmals stattgefundenen internen Videokonferenz informieren – und anschließend auch diskutieren.

Babenhausen bei Darmstadt: Rechenzentrum soll entstehen

Zum Plan: Auf dem ehemaligen Hauck&Nöth-Betonwerk-Gelände, das 5,5 Hektar groß ist, sich im Besitz der Babenhäuser Firma Aumann befindet und zu großen Teilen brach liegt – einige Gewerbebetriebe haben sich dort niedergelassen – soll in einem großen Gebäude ein Hightech-Rechenzentrum entstehen. Gebaut werden soll das zirka 22 Meter hohe – mit auf- und zurückgesetzter Lärmschutzwand etwa 27 Meter hoch – Rechenzentrum entlang der Bahnlinie. Der Lärmschutz ist für die auf dem Dach installierten Rückkühlgeräte notwendig. Zur Aschaffenburger Straße (B26) hin soll ein kleineres, dreistöckiges Bürogebäude entstehen. Das Gelände soll generell so gestaltet sein, dass es zum gegenüberliegenden Kasernenkonversionsgelände im Einklang steht.

Planer entschärfen Befürchtungen zu Rechenzentrum in Babenhausen bei Darmstadt

Eine Grundvoraussetzung für den Betrieb des Rechenzentrums in Babenhausen ist bereits geklärt – genügend Elektrizität, denn bekanntlich frisst solch eine Anlage viel davon. Von Norden her, über die Bahngleise, soll der Strom durch eine Hochspannungsleitung fließen.

Die Befürchtung, dass das bislang unansehnliche Gelände durch einen riesigen Baukörper nicht unbedingt aufgewertet wird, traten die Planer entgegen: „Wir sind Architekten. Wir wollen nicht das hässlichste Rechenzentrum bauen.“ Vielmehr solle die Fassadenoptik einem Hightech-Campus würdig sein. Dieser werde zudem mit Sicherheitsschleusen auf dem Gelände versehen, damit niemand unberechtigt das Gelände betreten kann.

Arbeitsplätze durch Rechenzentrum in Babenhausen bei Darmstadt

Bis zu 120 Arbeitsplätze sollen auf diese Art und Weise in Babenhausen entstehen, wobei wahrscheinlich nie mehr als 70 Menschen zeitgleich auf dem Gelände tätig sein werden. Die für das große Gelände relativ kleine Personenzahl ist von entscheidender Bedeutung für die spätere verkehrsbehördliche Genehmigung. Denn die sowieso schon überlastete B26 darf nicht weiter strapaziert werden. Wie berichtet, hat die Kasernenkonversionsgesellschaft in der Vergangenheit in Sachen Verkehrserschließung für die Kaisergärten mehrmals nachbessern müssen, um letztendlich einen genehmigungsfähigen Bebauungsplan vorlegen zu können.

So könnte es einmal – frühestens in zweieinhalb Jahren – auf dem Hauck&Nöth-Areal aussehen. Ein großes Gebäude für das Rechenzentrum und ein kleineres Bürogebäude davor. Am unteren Bildrand verläuft die Bundesstraße 26.

Babenhausen bei Darmstadt: Rechenzentrum geplant

Für Grundstücksmitinhaber Markus Aumann könnte mit dem Ansiedeln des Rechenzentrums auch endlich das Gelände entwickelt werden. „In der Vergangenheit hieß es immer, dass man den Bereich nördlich der B26 erst dann erschließen kann, wenn es die Südumgehung und damit eine Verkehrsentlastung gibt“, sagte Aumann. Nach Jahren des Stillstandes sei nun eine Lösung greifbar, die dem Entree Babenhausens guttue und zugleich Zukunftstechnologie in die Stadt bringe. „Wenn wir da nicht zugreifen, dann ist uns auch nicht mehr zu helfen“, meinte er.

Profitiert Babenhausen bei Darmstadt vom Rechenzentrum?

Die Nachfrage von CDU-Politiker Ingo Rohrwasser, inwieweit durch das Rechenzentrum auch Gewerbesteuereinnahmen in den Stadtsäckel fließen, vermochte am Dienstagabend niemand seriös zu beurteilen. Verwiesen wurde auf ein ähnliches Projekt in Hattersheim. Die Vordertaunusgemeinde soll davon profitiert haben.

Sowohl Grünen-Abgeordneter Manfred Nodes als auch CDU-Fraktionsvorsitzender Stephan Sawallich interessierten sich dafür, inwieweit die produzierte Abwärme denn sinnvoll genutzt werden könnte. Bürgermeister Joachim Knoke sagte dazu, dass geprüft werde, ob damit nicht zum Beispiel das Wasser im Freibad aufgeheizt werden könne. Als klassische Nahwärmeversorgung, etwa für das Kasernengelände, sei die Temperatur zu niedrig. Sawallich wünschte sich allerdings, dass etwa die Entega mit ins Boot geholt werden könnte, um doch eine zukunftsweisende und energieschonende Wärmeversorgung zu realisieren.

Rechenzentrum für Babenhausen im Landkreis Darmstadt-Dieburg

Ebenso angesprochen wurde die Zukunft der auf dem Gelände beheimateten Betriebe. Wie Markus Aumann erklärte, sei seit 2016 mit offenen Karten gespielt worden, dass die Mietzeit dort endlich ist. Seiner Kenntnis nach sei niemand in seiner Existenz bedroht. Unterstützung bei einer Umsiedlung könnte allerdings eine Reifenfirma benötigen.

Von Norman Körtge

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