Herigar wünscht sie entsiegelte Vorgärten

Vorgartenwettbewerb in Babenhausen

Im Hergershäuser Sinnengarten: Maren Gatzemeier, stellvertretende Vorsitzende von Herigar. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Mathias Brendle pflegt sie den Garten. Im Hintergrund der Summstein und eine alte Eichenwurzel.
+
Im Hergershäuser Sinnengarten: Maren Gatzemeier, stellvertretende Vorsitzende von Herigar. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Mathias Brendle pflegt sie den Garten. Im Hintergrund der Summstein und eine alte Eichenwurzel.

Hergershausen – Eine nahrhafte „Weide“ für Wildbienen, Schmetterlinge und Co. kann ein bunt blühender Vorgarten sein. Dass der Bereich zwischen Straße und Wohnhaus inzwischen oft mit Schotter und Kies gefüllt oder versiegelt wird, ist nicht nur eine Geschmacksfrage. „Wir alle beobachten ja seit Jahren ein massives Insektensterben vor unserer Tür. Wir können dabei zuschauen oder den Unterschied machen“, sagt Maren Gatzemeier, die stellvertretende Vorsitzende des 2009 gegründeten Vereins Herigar.

Er betreibt in Hergershausen die Alte Schule als Veranstaltungsort und Begegnungsstätte. Außerdem hat der Verein neben dem historischen Gebäude vor zehn Jahren auf einer Fläche von rund 1500 Quadratmetern einen frei zugänglichen Sinnengarten angelegt. Er lädt dazu ein, Natur zu sehen, zu riechen, zu hören, zu ertasten und zu schmecken. Die Anpflanzung von heimischen Gehölzen und Wildblumen schafft zudem einen wichtigen Lebensraum für Vögel und Insekten und ist damit ein kleiner Baustein, die biologische Vielfalt zu erhalten.

Die ersten Anzeichen für den Frühling: Schneeglöckchen blühen im Sinnengarten.

„Das zehnjährige Bestehen des Sinnengartens möchten wir nutzen, um im Ort die Schaffung weiterer Grüninseln für Insekten und Vögel anzuregen“, so Gatzemeier. Und zwar mit einem Vorgartenwettbewerb, an dem sich alle Hergershäuser beteiligen können (siehe Infokasten). Die Idee dazu hatte Sabine Walz, Beisitzerin im Vorstand. Jetzt gilt es, die Vorgartenbesitzer im Ort dafür zu begeistern. Schließlich kann ein solcher Wettbewerb auch für eine willkommene Abwechslung in der Corona-Zeit sorgen. Einige Flugzettel mit Infos wurden schon verteilt.

Bis Ende April – der Abgabetermin wurde verlängert – können sich Besitzer eines Vorgartens in Hergershausen für den von Herigar ausgelobten Wettbewerb, der in drei Kategorien aufgeteilt ist, anmelden. Das Anmeldeformular und weitere Informationen sind auf der Vereinshomepage zu finden. Die Gestaltung beziehungsweise Umgestaltung wird Ende Juni von einer kleinen Fachjury bewertet, die auf Artenreichtum und Vielseitigkeit der Pflanzen schaut, die Insekten- und Vogelfreundlichkeit, wie auch gestalterische Aspekte. Die Gewinner in der jeweiligen Kategorie erwartet ein Preis in Form einer Patenschaft für einen Hochstamm-Obstbaum, der am Ortsrand von Hergershausen gepflanzt werden kann. Das ausgefüllte Anmeldeformular kann in den Briefkasten an der Alten Schule, Rodgaustraße 16, oder bei Sabine Walz, Berliner Straße 21, eingeworfen werden. (pg)

Pflegeleichte Vorgärten seien auch ohne Schotter möglich, so das Credo der Gartenfreunde von Herigar, die auf ihrer Vereinshomepage Tipps und Links zu Infobroschüren über die naturnahe Gestaltung von Gärten bieten. „Wir wollen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger unterwegs sein, sondern die Bürger informieren und dazu anregen, es anders zu machen. “, sagt Gatzemeier, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Mathias Brendle den Sinnengarten, den sie auch initiiert hat, pflegt. Hier erfreuen schon die ersten Blumen, darunter Schneeglöckchen, Krokusse, Veilchen und Narzissen die frühlingshungrigen Seelen der Besucher und natürlich die Insekten. Deren bekanntermaßen dramatischer Rückgang sowohl bei der Anzahl der Individuen als auch bei der Anzahl der Arten hat enorme Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktion von Obst und Gemüse und auf die insektenfressenden Vogelarten. „In Europa sind 150 verschiedene Nutzpflanzen und etwa 80 Prozent der Wildpflanzen abhängig von der Bestäubung durch Insekten“, so Gatzemeier. Wobei die fleißige Wildbiene Hauptakteur bei der Bestäubung sei. „Sie ist effizienter als ihre Honig produzierenden Artgenossen“.

Aber für das Entsiegeln und Umgestalten von Schottergärten spreche nicht nur die Förderung der Biodiversität, sondern auch die Verbesserung des Kleinklimas in unseren Straßen in heißen Sommern: „Schotter wärmt sich anders auf.“ (Petra Grimm)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare