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Närrische Machtübernahme in Babenhausen

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Die Kleine Garde des Carnevalvereins tanzte sich in die Herzen des Publikums und der Babenhäuser Prinzenpaare samt ihres Hofstaates.
Die Kleine Garde des Carnevalvereins tanzte sich in die Herzen des Publikums und der Babenhäuser Prinzenpaare samt ihres Hofstaates. © Grimm

Ein martialischer, wenn auch karnevalistischer Rathaussturm verbietet sich, wenn in Europa ein brutaler Krieg wütet. In Babenhausen haben Carnevalverein und Stadt Feingefühl bewiesen.

Babenhausen - Ein karnevalistischer Rathaussturm mit rasselnden Säbeln, Holzgewehren und böllernder Konfettikanone verbietet sich in Zeiten, in denen in Europa ein brutaler Krieg tobt. Mit dem nötigen Feingefühl, Empathie und einer guten Portion Kreativität und Humor lösten der Carnevalverein Babenhausen (CVB) und Bürgermeister Dominik Stadler dieses Dilemma und boten bei der ersten närrischen Machtübernahme seit zwei Jahren eine in weiten Teilen neue Choreografie mit einem überraschenden Höhepunkt. „Wir haben den Ablauf im Vorfeld mit dem Bürgermeister und seinen Mitarbeitern besprochen und es war klar, wegen der Ukraine kann es in diesem Jahr nicht wie sonst ablaufen“, sagte die CVB-Vorsitzende Laura Berg.

An Stelle des Aufmarschs närrischer Truppen und Tanzgarden und dem früher beliebten Öffnen der Rathaustür per Rammbock inszenierten die Fastnachter, angeführt vom neuen Prinzenpaar Alina I. (Klein) und Bastian I. (Thierolf), am Samstag auf dem Marktplatz eine etwas andere Revolution. Unblutig und feucht fröhlich wie immer. Aber Bürgermeister Dominik Stadler wurde nicht aus seiner Amtsstube „gezerrt“, sondern fuhr zur Überraschung der rund 150 schunkelnden Umstürzler mit einem städtischen Kehrfahrzeug und in orangener Arbeitskluft vor die besetzte Rathaustreppe.

Mit einem Kehrwagen fuhr Bürgermeister Dominik Stadler vors Rathaus – und ergab sich.
Mit einem Kehrwagen fuhr Bürgermeister Dominik Stadler vors Rathaus – und ergab sich. © Grimm

Da konnte ihn das Kinderprinzenpaar Alicia I. (Blümler) und Ben I. (Mayer) zuvor lange in seinem Amtszimmer suchen. Ohne Mühe waren die kleinen Regenten, beflügelt durch einen flotten Tanz der Kleinen Garde, durch die unverschlossene Rathaustür eingedrungen und hatten den Schlüssel und die Stadtkasse auch schnell erbeutet. Stolz präsentierten die Kinder die Insignien der Macht am Fenster des Bürgermeistervorzimmers im ersten Stock.

Allein das Stadtoberhaupt war nicht zu finden – bis Stadler schließlich kehrend um die Ecke rollte. Ein origineller Gag, der darauf fußte, dass die Stadt vor einigen Jahren wegen Sparmaßnahmen die Reinigung der Straßen nach dem Fastnachtsumzug nicht mehr übernahm. In diesem Jahr werden die städtischen Mitarbeiter aber wieder zur Unterstützung der Karnevalisten und des Vereinsgremiums im Einsatz sein, wie Bürgermeister Stadler auf Nachfrage sagte.

Nach einem humorigen Wortgefecht mit dem Bürgermeister, in das die Prinzenpaare und ihre beide Hofmarschalle Christoph Pöschl und Lukas Bernhardt vergnügt einstimmten, diversen Schunkelrunden und Liedern, war die Sache geritzt. Bis Aschermittwoch gehen die Uhren in der Stadt jetzt wieder anders und der Bürgermeister macht mal Pause. „Ich geb auf. Nehmt mich nicht so in die Mangel. Wenigstens hab ich jetzt Zeit und geh bisschen Angeln“, so der Rathauschef, der sich die Gunst der neuen Regenten mit Geschenken sicherte.

Feierndes Volk: Auf dem Marktplatz versammelt sich etwa 150 Narren.
Feierndes Volk: Auf dem Marktplatz versammelten sich etwa 150 Narren. © Grimm

Für die passenden Stimmungslieder auf dem Marktplatz hatte DJ Jochen Rheinheimer wie gewohnt gesorgt. Er war nicht aus der Übung gekommen und sein Equipment habe er auch nach zwei Jahren Zwangspause sofort wieder gefunden. „Aber meinen Musik-Laptop musste ich erst mal gründlich abstauben“, sagte er lachend. Neue Fastnachtshits können in den beiden zurückliegenden Jahren ja nicht entstanden sein. Gibt es da jetzt ein Loch auf der Playlist? „Nein, denn es gibt ja nach wie vor genug Ballermannhits und Apres-Ski-Geschichten. Und die Fastnachtsklassiker kommen nie aus der Mode“, so der DJ.

Und wie fühlen sich die Vollblutfastnachter beim Neustart nach der Zwangspause? Katja Hannemann, Tänzerin und gemeinsam mit Anna Elena Resch sowie Caroline Spatar Organisatorin der CVB-Kinderfastnacht, erinnert sich, dass sie im ersten Jahr ohne Fastnacht fassungslos war: „Ich dachte erst ‘oh Gott’. Aber da ja alles wegen Corona runtergefahren wurde, war es dann doch kein Problem“.

Die neuen Prinzenpaare hatten beim Rathaussturm – bei dem sogar der Regen pausierte – jedenfalls einen tollen Einstand und zeigen sich bereit für ihre Kampagne. (Petra Grimm)

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