Konzernumbau trifft auch Babenhausen

Massiver Jobabbau bei Continental: IG Metall kämpft gegen „Kahlschlag“

Massiver Stellenabbau bei Continental in Babenhausen.
+
Massiver Stellenabbau bei Continental in Babenhausen.

Dem massiven Jobabbau bei Continental in Babenhausen sagt die Gewerkschaft IG Metall nun den Kampf an: Sie will den „Kahlschlag“ nicht kampflos akzeptieren.

Update vo m Donnerstag, 26.09.2019, 16.09 Uhr: Gegen den Abbau von Stellen bei Continental in Babenhausen kündigt die Gewerkschaft IG Metall nun Widerstand an. „Wir werden einen Kahlschlag in Babenhausen nicht kampflos akzeptieren“, erklärte Jörg Köhlinger, Bezirksleiter Mitte der Gewerkschaft, am Donnerstag.

Die Beschäftigten arbeiteten dort wenn erforderlich über die Belastungsgrenze hinaus. „Und nun, da die Konjunktur nachlässt, erfahren sie vom geplanten Kahlschlag“. Die Gewerkschaft werde sich auf einen harten Konflikt einstellen. Ähnlich äußerte sich der Betriebsratsvorsitzende Roland Weihert. Man könne das Vorgehen des Vorstands nicht akzeptieren. Die Geschäftsführung opfere „aus reiner Profitgier“ Jobs. „Wir werden um jeden Arbeitsplatz in Babenhausen kämpfen.“

Massiver Jobabbau bei Continental: Weltweit 15.000 Stellen auf der Kippe

Erstmeldung vom Donnerstag, 26.09.2019, 13.51 Uhr: Babenhausen – Der Konzernumbau trifft Continental in Babenhausen heftig: Der Autozulieferer und Reifenhersteller will sich am Standort bis Ende 2025 schrittweise aus der Serienproduktion von Steuerungsinstrumenten im Fahrzeug zurückziehen und Forschungsarbeiten verlagern. Verknüpft ist das mit einem massiven Abbau von mehr als 2200 der 3600 Stellen.

Das teilte das Unternehmen gestern in Babenhausen mit. Für etwa 450 Mitarbeiter in der Entwicklung sollen „interne Lösungen und Transfermöglichkeiten“ gefunden werden. Der Abbau der dann noch etwa 1800 Arbeitsplätze in der Produktion sollen „so sozialverträglich wie möglich“ gestaltet werden. Zudem will die Geschäftsführung bis Ende 2021 bestimmte Forschungs- und Entwicklungsarbeiten von Babenhausen an andere Standorte verlagern.

Die Mitarbeiter sollen heute in einer Betriebsversammlung über die Pläne des Unternehmens informiert werden. Arbeitnehmervertreter kündigten Widerstand an. „Den vom Vorstand geplanten gravierenden Stellenabbau werden sie nicht akzeptieren“, sagte die stellvertretende Aufsichtsratschefin Christiane Benner von der IG Metall. „Wir erwarten von Continental zukunftweisende Konzepte.“

Jobabbau bei Continental: Transformation 2019–2029

Das Unternehmen selbst sieht in den geplanten Stellenstreichungen „Maßnahmen zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit und zum Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit des Geschäftsbereichs Anzeige- und Bedienelemente.“ Bedingt durch die rapide Digitalisierung, den investitionsintensiven Entwicklungstreibern und den Absatzrückgang in der Automobilindustrie sehe sich der Continental-Geschäftsbereich einem massiv gestiegenen Kostendruck und einem aggressiveren Wettbewerb gegenüber.

Die Maßnahmen am Standort sind den Angaben nach Teil des Strukturprogramms Transformation 2019–2029. „Das weltweite Programm zielt auf die Steigerung von Effizienz und Produktivität mittels Organisations- und Portfolioanpassungen sowie eine verstärkte Konzentration auf die entscheidenden Wachstumsfelder der Zukunft.“

Stellenabbau bei Continental: 5000 Arbeitsplätze in Deutschland betroffen

Unternehmensleitung und Vertreter der Arbeitnehmer hätten in der Aufsichtsratssitzung vereinbart, die Gespräche zu diesem Strukturprogramm in den nächsten Wochen „auf vertraulicher Basis weiterzuführen“, teilte das Unternehmen mit. Über die Ergebnisse werde gesondert und zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Jahr informiert.

Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental will sich mit einem weitreichenden Umbauprogramm gegen die aufziehende Branchenkrise stemmen. Mit tausenden Stellenstreichungen in weniger zukunftsträchtigen Bereichen, möglichen Verkäufen und dem Ausbau von Elektromobilität und Software will Konzernchef Elmar Degenhart gegensteuern und die Kosten senken.

Continental streicht Stellen: Rund 15.000 Jobs betroffen

Weltweit dürften bis 2023 rund 15.000 Jobs von Veränderungen betroffen sein, davon 5000 in Deutschland, teilte der Dax-Konzern nach einer Aufsichtsratssitzung in Hannover mit. Bis 2029 dürften sogar 20.000 Stellen betroffen sein, davon 7000 in Deutschland, wie es weiter hieß.

Continental ist nicht der einzige Autozulieferer und Reifenhersteller in der Krise. Goodyear Dunlop und Arbeitnehmervertreter haben sogenannte Transformationspläne für die Reifenwerke in Hanau und Fulda vereinbart, berichtet op-online.de*.

*op-online.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

VON MARC KUHN/dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare