Darmstadt-Dieburg

„Es braucht mehr umsteigefreie RE-Verbindungen nach Frankfurt“

Ein Vias-Zug verlässt den Bahnhof Babenhausen in Richtung Hanau.
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Ein Vias-Zug verlässt den Bahnhof Babenhausen in Richtung Hanau.

In der sogenannten Erbacher Erklärung haben diese Woche der RMV und Landkreise die Zukunft der Odenwaldbahn skizziert. Der „Hanauer Ast“ spielt darin allerdings keine allzu große Rolle. 

Darmstadt-Dieburg – „Erfolgsmodell“, „Rückgrat des hiesigen öffentlichen Nahverkehrs“ und „ein wichtiger Baustein für einen umweltfreundlichen und sauberen Stadtverkehr“ – Vertreter des RMV und der Landkreise Darmstadt-Dieburg, Odenwald, Offenbach und der Stadt Darmstadt haben den Stellenwert der Odenwaldbahn, deren erster Abschnitt zwischen Babenhausen und Groß-Umstadt am kommenden Montag 150 Jahre alt wird, in dieser Woche hervorgehoben. Grund dafür ist allerdings nicht das Jubiläum, sondern die sogenannte Erbacher Erklärung, in der die Verantwortlichen Vorhaben zumindest schriftlich fixiert haben, die „den Erfolg der Odenwaldbahn kurz-, mittel- und langfristig fortsetzen sollen“. Nun müssen den Bekenntnissen auch Taten folgen.

Demnach gehört zu den kurzfristig machbaren Dingen, die Kapazitäten an den Wochenenden zu erhöhen, sodass die meisten Züge an Samstagen und Sonntagen in Doppeltraktion fahren. Ebenso prüft der RMV zum kommenden Fahrplanwechsel, wo auf der Odenwaldbahn noch mit einzelnen zusätzlichen Fahrten Taktlücken geschlossen werden können. Darüber hinaus wird der Verbund die Betreiberin Vias beauftragen, fünf weitere Fahrzeuge vom Typ Lint54 zu beschaffen. Ziel ist, dass diese bereits 2022 ausgeliefert werden und somit die Grundlage für weitere Fahrplanausweitungen schaffen können. Bei langfristigen Infrastrukturthemen wird als vordringlichste Maßnahme das Verlängern sämtlicher Bahnsteige auf 170 Meter angedacht, damit auch längere Züge mit 50 Prozent höherer Kapazität halten können.

Gerade letztgenanntes Vorhaben lässt bei Babenhausens Bürgermeister Joachim Knoke die Stirn runzeln. Denn in der Gersprenzstadt sind bei der noch nicht lange zurückliegenden Modernisierung des Bahnhofs die Bahnsteige auf zirka 130 Meter verkürzt worden. „Ich begrüße alles, was den ÖPNV attraktiver macht“, sagt Knoke. Ganz oben auf seiner Prioritätenliste stehe dabei aber die Zugverbindung nach Aschaffenburg: Die von der Hessischen Landesbahn betriebene Linie RB 75. Dabei setzt er auf durch ihn forcierte Gespräche zwischen den Verkehrsverbünden, damit auch über den RMV durchgängig Tickets gebucht werden können.

Der „Hanauer Ast“ der Odenwaldbahn: Der Abschnitt zwischen Babenhausen über Langstadt nach Groß-Umstadt ist am 29. Juni 1870, also vor 150 Jahren, eröffnet worden.

Deutlich Kritik äußert Uwe Schuchmann, Sprecher der Odenwaldbahn-Initiative. Zum einen, weil die „Erbacher Erklärung“ nichts über gesicherte Infrastrukturmaßnahmen sagt. „Die Politik will sich nur dafür einsetzen. Es gibt also keinen Finanzierungs- und Bauplan“, sagt Schuchmann auf Anfrage. Zum anderen komme der „Hanauer Ast“ in der Erklärung kaum vor. Und dass, obwohl etwa Claudia Jäger, Erste Kreisbeigeordnete des Kreises Offenbach betont, dass „die Odenwaldbahn die zentrale Schienenanbindung für den Ostteil des Kreises Offenbach an die Oberzentren im Rhein-Main-Gebiet ist“ – und damit eben auch für den östlichen Teil des Landkreises Darmstadt-Dieburg.

„Es braucht mehr umsteigefreie RE-Verbindungen nach Frankfurt“, lautete eine zentrale Forderung Schuchmanns. Der „Hanauer Ast“ habe das Pech, knapp außerhalb des von Verkehrsminister Tarek Al-Wazir proklamierten „Großen Frankfurter Bogens“ zu liegen (30 Minuten Bahn-Reisezeit nach Frankfurt). Für den „Hanauer Ast“ wären wichtige Infrastrukturarbeiten ein zweigleisiger Ausbau zwischen Hainstadt und Seligenstadt sowie zwischen Langstadt und Klein-Umstadt, damit die Regionalexpresse stündlich fahren können.

VON NORMAN KÖRTGE

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