Strom von der Wasseroberfläche

„Spannendes Projekt“: See bei Babenhausen soll riesige Solaranlage erhalten

Schwimmende Fotovoltaikanlage auf dem Dudenhöfer See
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Seeidylle: Die kleine, schwimmende Fotovoltaikanlage bei Sonnenaufgang fotografiert.

In großem Stil könnte auf dem „Dudenhöfer See“ bei Babenhausen demnächst Strom produziert werden. Andreas Bludau plant einen Solarsee.

  • Auf dem Dudenhöfer See bei Babenhausen soll demnächst Strom produziert werden.
  • Eine riesige Solaranlage soll entstehen.
  • Bürgermeister Joachim Knoke sieht weiteres Potenzial für die Gemeinde.

Babenhausen – Seit fast zehn Jahren wird auf dem „Dudenhöfer See“ – so genannt, weil er am Ortsausgang in Richtung des Rodgauer Stadtteils liegt – Strom produziert. In nicht gerade geringer Menge. 12.000 Kilowattstunden im Jahr liefert die von Andreas Bludau auf dem ehemaligen Baggersee installierte Anlage. Genug Strom, um bis zu drei Einfamilienhäuser zu versorge. Ein echtes Pionierprojekt sei dies seinerzeit gewesen, erinnert sich Bludau, vielen bekannt als Vorstandsvorsitzender der SG Rot-Weiss: „Strom produzieren auf Wasser – das war für viele nicht vereinbar“, erzählt er von den Anfängen.

Beirren lassen hat sich Bludau – er führt das von seinem Großvater gegründete Familienunternehmen KW Hardt KG fort und ist sowohl für den Dudenhöfer als auch den Sickenhöfer See verantwortlich – nicht. Mithilfe von Freunden und Bekannten entstand die Eigenkonstruktion. Auf mit einem speziellen Kunststoff ummantelten Styroporplatten wurden die Solarmodule montiert. Aneinandergereiht wie auf einer Wäscheleine – die Enden sind am Ufer verankert – wurden sie auf dem See eingeschwommen. Fertig war der Prototyp.

Seit fast zehn Jahren Stromerzeugung auf ehemaligem Baggersee bei Babenhausen

Wenn Bludau nun in einem Fachmagazin auf die Bilder vom Maiwaldsee bei Renchen (Baden-Württemberg) blickt, kann er sich mehr als bestätigt fühlen. Auf dem Kiessee ist 2019 die bis dato größte schwimmende Fotovoltaikanlage in Deutschland in Betrieb gegangen, um klimafreundlichen Strom für das dortige Kieswerk zu erzeugen. Während Bludau hierzulande seine Konstruktions- und Nutzungsidee nicht weiter entwickeln konnte, wurde etwa in Frankreich, auch mit staatlichen Forschungsgeldern, diese Art der Stromerzeugung zur Marktreife gebracht. Und soll nun nach den Plänen des Handballers endlich auch auf dem „Dudenhöfer See“ entstehen.

Auf dem „Dudenhöfer See“ könnte eine riesige Fotovoltaikanlage entstehen. Sie soll das am Ortseingang geplante neue Kieswerk „Akazienhof“ mit Strom versorgen. Die vor zehn Jahren eingeschwommene kleine Anlage ist in der rechten Seehälfte zu erkennen.

4,8 Megawatt Leistung und zirka 4,5 Millionen Kilowattstunden Strom soll die Anlage liefern, die etwa ein Drittel des Sees bedecken würde. Auch aus ökologischer Sicht durchaus sinnvoll, da das künstliche Gewässer zusätzlich verschattet und damit einer Überhitzung und Verdunstung entgegengewirkt wird und letztendlich ein „Umkippen“ des Sees verhindert.

Strom soll geplantes neues Kieswerk am Ortsausgang von Babenhausen versorgen

Hauptabnehmer des Stroms könnte das am Ortsausgang geplante neue Kieswerk werden. Entsprechenden Planungen laufen, auch wenn vertraglich noch nichts festgezurrt ist. Etwa 30 Prozent des produzierten Stroms würde an das Abbauunternehmen gehen, das damit über die Hälfte des Strombedarfs decken könnten, der Rest würde ins Stromnetz eingespeist.

Genau diese 30-Prozent-Marke ist für den wirtschaftlichen Betrieb der schlüsselfertig gelieferten Anlage – im Gespräch ist das Unternehmen „BayWa r.e.“, das nach eigenen Angaben führender Systemlieferant für Solarkomponenten und weltweit schon etliche Solarparks gebaut hat – von Bedeutung. Denn das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sieht für Anlagen in dieser Größenordnung vor, dass der Strom zum Marktpreis ins Netz eingespeist wird und es keine höhere Vergütung mehr gibt. „Die Anlage muss ohne Subventionen funktionieren“, bringt es Bludau auf den Punkt. Eine weitere Hürde: Betreiber und Abnehmer des Stroms müssen identisch sein. So sieht es das EEG vor. Kein einfaches Unterfangen, aber realisierbar, ist sich Bludau sicher, der aber auch auf die Politik setzt.

SPD-Bundestagsabgeordneter Jens Zimmermann hat sich kürzlich über das seiner Aussage nach „spannende Projekt“ informiert. Sicherlich müssten immer Kosten und Ertrag abgewogen werden, meint er zum wirtschaftlich nicht ganz einfachen Hintergrund. Für ihn sei es aber wichtig, die Auswirkungen von Gesetzen anhand von konkreten Beispielen zu diskutieren und dementsprechend auch handeln zu können. „Ich möchte wissen, wo der Schuh drückt“, so Zimmermann, um gegebenenfalls nachbessern zu können.

Das hofft auch Bürgermeister Joachim Knoke. Er sieht für schwimmende Fotovoltaikanlagen weiteres Potenzial in Babenhausen. In unmittelbarer Nähe des, auf dem ehemaligen Hauck&Nöth-Geländes, geplanten Rechenzentrums an der B26 gibt es ebenfalls einen Kiessee. „Strom dort zu erzeugen, wo viel davon benötigt wird, hat schon Charme“, meint er. (Von Norman Körtge)

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