Bis zu zwölf Gruppen

Ehemaliges Kasernengelände: Mega-Kita entsteht 

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Blick in die von den Amerikanern erbaute Grundschule auf dem Kasernengelände. Aus ihr soll nun eine Kindertagesstätte werden. Die Konversionsgesellschaft renoviert, baut um und bietet die Immobilie der Stadt zur Miete an. 

Babenhausen – Etwa 2 000 Menschen sollen in naher Zukunft auf dem ehemaligen Kasernengelände eine neue Heimat finden. Darunter werden überdurchschnittlich viele Familien sein. Von Norman Körtge

Deshalb waren in den Planungen von Anfang an eine Kindertagesstätte und eine Grundschule in dem neuen Stadtteil mit dem Namen Kaisergärten vorgesehen.

Während die Schule Sache des Landkreises Darmstadt-Dieburg ist – es soll ein Neubau entstehen –, ist die Stadt für die Kindertagesstätte verantwortlich. Und wird dabei auf eine Bestandsimmobilie zurückgreifen müssen: die von den Amerikanern gebaute Grundschule. Es wird in zweifacher Hinsicht ein besonderes Projekt.

Zum einen wird die Kindertagesstätte eine so in Babenhausen und der Umgebung noch nicht dagewesene Größe einnehmen. Wie Regina Lange, Fachbereichsleiterin Soziales und Familie, berechnet hat, muss Platz für mindestens drei Krippengruppen (30 Ein- bis Zweijährige) und sechs Kindergartengruppen (150 Drei- bis Sechsjährige) geschaffen werden. Dort sollen dann sowohl die Kinder aus dem Kaisergärten-Quartier als auch die südlich der B26 wohnenden Mädchen und Jungen betreut werden.

Zum anderen wird die Stadt – wie derzeit bereits in viel kleinerem Maße in Harpertshausen – das Gebäude anmieten. Der Plan: Die Kasernenkonversionsgesellschaft baut die Schulbestandsgebäude in eine Kindertagesstätte um, die sogar zwölf Gruppen Platz bieten könnte. Für zehn Euro pro Quadratmeter könnte die Stadt dann die Immobilie für erst einmal zehn Jahre, Verlängerung möglich, mieten. Je nach Bedarf – zehn oder zwölf Gruppen – würde das dann jährlich 231 .000 beziehungsweise 277 .000 Euro Kaltmiete kosten.

Bilder: Tag der offenen Kaserne in Babenhausen

Daniel Beitlich, einer der Geschäftsführer der Gesellschaft, hat bereits Erfahrung damit. In Butzbach hat er auf dem dortigen ehemaligen Kasernengelände die Grundschule in eine Kita gleicher Größenordnung wie in Babenhausen vorgesehen umgebaut. Es sei eine Erfolgsgeschichte für die Stadt, berichtet er. Fachbereichsleiterin Lange hat sich mit einer Delegation die Einrichtung und die Organisation einer solchen Mega-Kita vor Ort angeschaut und anschließend für gut befunden.

Als eine „vernünftige und solide Lösung“, die den Bedarf sichert, bezeichnete Lange dann auch das Vorhaben für Babenhausen, zumal sich die Stadt einen eigenen Kita-Neubau in dieser Größenordnung schlicht nicht leisten könnte. Zum Vergleich: Die reinen Kosten für den Neubau der vier-gruppigen evangelischen Kita belaufen sich auf knapp zwei Millionen Euro. Weitere Vorteile aus Sicht des Fachbereichs: keine Verantwortung für das Gebäude, aber eine Kaufoption.

„Es ist nicht eine Frage des Ob, sondern der Größe“, eröffnete Kasernenkonversions-Ausschussvorsitzender Günther Eckert (CDU) am Donnerstagabend die politische Debatte dazu. Denn es ist letztendlich eine Kostenfrage. Wobei weniger der Mietpreis eine Rolle spielt, sondern die Betriebskosten wie das Personal. Auf die Stadt käme eine jährliche Mehrbelastung von etwa 1,4 Millionen Euro zu, taxierte Eckert die Größenordnung.

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Er wie auch CDU-Fraktionsvorsitzender Stephan Sawallich hinterfragten die vorgesehene Gruppenanzahl und kritisierten, dass es aus ihrer Sicht keinen Bedarfs- und Finanzplanung gebe. FWB-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Heil monierte, dass sich keine Gedanken gemacht würden, wie diese finanzielle Mehrbelastung ausgeglichen werden könnte. Erster Stadtrat Reinhard Rupprecht (CDU) konnte die Argumente sehr gut nachvollziehen und man müsse sich auch Gedanken darüber machen, aber: Die Stadt sei gesetzlich verpflichtet, die Kita-Plätze zur Verfügung zu stellen.

Und die Zeit drängt. Geht es nach den Plänen der Kasernenkonversionsgesellschaft, sind 2020 die Wohnblöcke bezugsfertig und die Wohnungen können vermietet oder verkauft werden. Heißt: In die oftmals großzügig geschnittenen Wohnungen ziehen schon im kommenden Jahr Familien mit Kindern ein, die Kita-Plätze benötigen. Für 2021 rechnet Beitlich mit einer Einzugswelle in die dann neu gebauten Häuser (Einzel- und Mehrfamilienhäuser).

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