Stadtverordnete beschließen Moratorium

Ein Stopp-Signal für Sand- und Kiesabbau in Babenhausen

Am Sickenhöfer See baut das Unternehmen „Heidelberger Sand und Kies“ den wichtigen Rohstoff ab.
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Am Sickenhöfer See baut das Unternehmen „Heidelberger Sand und Kies“ den wichtigen Rohstoff ab.

Babenhausen – Der Sand- und Kiesabbau prägt seit Jahrzehnten Babenhausen. Nun hat die Stadtverordnetenversammlung ein Zeichen gesetzt und Expansionsplänen erst einmal eine Absage erteilt.

Babenhausen - Vor allem entlang der B26, wo mit „Heidelberger Sand und Kies“ (Sickenhöfer See), „Schumann & Hardt“ (Haselsee), „Vepro“ und „Kaspar Weiss“ tätig sind. Das Landschaftsbild nachhaltig verändern wird das neue Abbaugebiet „Akazienhof“ („Schumann & Hardt“) an der L3116 in Richtung Rodgau, wo bereits riesige Sandberge aufgetürmt sind und sich ein Baggersee füllen wird. Dort entstehe eine „Deichstraße“, meinte Grünen-Politiker Manfred Nodes jüngst in der Stadtverordnetenversammlung, da auf der gegenüberliegenden Seite der Landesstraße ein ehemaliger, bereits renaturierter Baggersee vorhanden ist. „Das gefällt vielen Babenhäusern nicht“, ist Nodes überzeugt. Auch die versammelte Kommunalpolitik im Stadtparlament sieht den zunehmenden „Flächenfraß“ kritisch. Mit großer Mehrheit und angetrieben durch Anträge der CDU und der Grünen schoben sie weiteren Expansionsplänen der Sand- und Kiesabbauer einen Riegel vor: Die Stadt wird ab sofort keine städtischen Flächen in ihrem Besitz für den Sand- und Kiesabbau verpachten oder verkaufen. Lediglich FDP-Fraktionsvorsitzende Manfred Willand stimmte gegen dieses zentrale Anliegen im Grünen-Antrag. Der fraktionslose Adolf Breer enthielt sich. Ebenso deutlich die Mehrheit bei der Forderung, dass die Stadtverordnetenversammlung zukünftig jedem Erweiterungs- und Abbauantrag außerhalb bereits genehmigter Rahmenbetriebspläne die Zustimmung versagen wird. Der Magistrat wird darüber hinaus damit beauftragt, dass diese städtische Haltung im Landesentwicklungs- und Flächennutzungsplan eingearbeitet wird.

„Wir brauchen ein klares Stopp-Signal“, forderte Nodes und machte klar: „Ein Moratorium reicht nicht.“ Damit bezog er sich auf den Kern des CDU-Antrages, der eben auf solch einen erst einmal zeitlich befristeten Stopp setzt. Dies sei ein „Hintertürchen“ monierte Nodes. Dennoch wurde das Moratorium, gegen die Stimmen von SPD und Grünen, beschlossen. Zudem wird der Magistrat beauftragt, alle bestehenden Beschlüsse und Erweiterungspläne zur nächsten Bauausschusssitzung vorzulegen.

Die Freien Wähler Babenhausen indes fühlen sich in ihren Bestrebungen bestärkt. In einer Stellungnahme verweisen sie darauf, dass die Fraktion bereits Monate zuvor ein fünfjähriges Moratorium gefordert habe, was seinerzeit noch von der CDU abgelehnt worden sei. Die FWB freue sich nun über die gefundene „gemeinsame Schnittmenge“.

Auf eine deutliche Ablehnung hingegen war die Grünen-Forderung gestoßen, dass die bereits im vergangenen März getroffene Grundsatzentscheidung, dem Abbauunternehmen Kaspar Weiss weitere Flächen unweit der B26 Richtung Stockstadt zur Verfügung zu stellen, um unter anderem Produktions- und Lageranlagen dorthin zu verlagern, aufgehoben wird. Die Ablehnung der SPD begründete Simone Kirchschlager damit, dass ihre Fraktion zu einmal gemachten Zusagen auch stehe. Diese Meinung vertrate offenbar auch alle anderen Fraktionen. Mit 30 Nein-Stimmen – eine Enthaltung von Breer –, wurde dieser Passus abgelehnt.

In der Antragsbegründung verwies CDU-Fraktionsvorsitzender Stephan Sawallich auch darauf, dass offensichtlich in Babenhausen tätige Kiesabbauunternehmen derzeit Ackerland – etwa bei Langstadt – aufkaufen, um Abbauflächen zu erweitern.

Mit großer Mehrheit zugestimmt wurde, dass der Hauptbetriebsplan der Firma „Vepro“, die am Aschaffenburger Weg im Trockenabbau tätig ist, bis zum 31. Oktober 2022 verlängert wird. (Von Norman Körtge)

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