Georg Wittenberger erinnert an jüdisches Leben in Babenhausen

Führung über den jüdischen Friedhof Sickenhofen

Details zu den Grabsteinen erklärte Stadtarchivar Georg Wittenberger (mit schwarzem Hut) den zahlreichen Besuchern auf dem jüdischen Friedhof in Sickenhofen
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Details zu den Grabsteinen erklärte Babenhausens Stadtarchivar Georg Wittenberger (mit schwarzem Hut) den zahlreichen Besuchern auf dem jüdischen Friedhof in Sickenhofen

700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland hat tiefe Spuren in der Gesellschaft hinterlassen. Nicht nur die unsäglichen Jahre während der Nazi-Herrschaft, sondern gerade auch viele Zeiten des verständnisvollen Miteinanders der Menschen gehören zur Geschichte.

Sickenhofen - Nun konnten über zwei Dutzend Interessierte bei einem Rundgang über den jüdischen Friedhof von Sickenhofen eben diese gemeinsamen Erinnerungen spüren und erleben. Auf dem etwa 2 000 Quadratemeter großen Gelände, das am östlichen Ortsrand von Sickenhofen vor rund 300 Jahren auf einer Sanddüne angelegt wurde, befinden sich heute noch 139 Grabsteine, die an zwischen 1720 und 1935 beerdigte Menschen erinnern. In drei Teile kann diese Stätte unterteilt werden, erklärte Georg Wittenberger. Als Stadtarchivar und Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins ist er bestens mit der Geschichte vertraut. Bei dem Rundgang über das Gräberfeld erklärte er den Besuchern, dass es auf dem Friedhof Gräber aus drei Zeitepochen stammen. Gleich am Eingang befinden sich die Grabstätten aus der wilhelminischen Zeit. Manche der Steine sind beidseitig beschriftet und nennen auf Hebräisch und Deutsch die Daten der Beerdigten. Viele der aus weißem Sandstein hergestellten Grabmale sind bereits verwittert. Auch einige Gedenksteine sind zu finden, auf denen nach Amerika ausgewanderte Angehörige den Hinterbliebenen gedenken. In Mitte des Friedhofs, unter uralten Eichen, findet man die ältesten Grabstätten und einer der Monolithen weist das Datum 1747 auf. In allen Gräber ruhen überwiegend Menschen aus Sickenhofen und Hergershausen, denn in diesen Dörfern waren um 1830 rund ein Viertel der Einwohner jüdischen Glaubens. In der hinteren Ecke des Friedhofs befinden dich die jüngsten Gräber. Die Steine hier sind überwiegend aus dem granitähnlichen Syenit hergestellt und deshalb auch weitgehend gut erhalten. (zwk)

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