Beschluss zum Sand- und Kiesabbau in Babenhausen

Krichbaum bangt um seine Existenz

Am südöstlichen Ende des Sees möchte das Unternehmen Krichbaum die Abbaufläche erweitern.
+
Am südöstlichen Ende des Sees in Babenhausen möchte das Unternehmen Krichbaum die Abbaufläche erweitern.

Der Schwalbensee südöstlich von Hergershausen jenseits der B26 trägt seinen Namen nicht ohne Grund. An einem Hang am See haben die Uferschwalben ihre Nistplätze. „Die Schwalbenkolonie erfreut auch die Naturschützer“, erzählt Harald Krichbaum.

Babenhausen - Zusammen mit seinem Söhnen Erik und Marvin, unterstützt von Ehefrau Marina, führen die Krichbaums dort das Lebenswerk von Opa Heinz weiter. Der hatte 1971 dort begonnen, Sand und Kies abzubauen. Als er 2017 verstarb, stiegen die Enkel mit in den Betrieb ein. „Eigentlich haben wir gedacht, dass wir bis zur Rente hier arbeiten“, meint der 28-jährige Erik Krichbaum.

Doch seit Kurzem steht hinter dieser Perspektive ein großes Fragezeichen. Eine Entscheidung darüber fällt heute Abend in der Stadtverordnetenversammlung. Wie berichtet, hat das Unternehmen Krichbaum um eine Ausnahme von dem Ende 2020 getroffenen Stadtverordnetenbeschluss gebeten, dass keine städtischen Grundstücke oder Wege mehr zwecks Sand- und Kiesabbau verkauft oder verpachtet werden sollen. In den Ausschüssen hatte sich eine deutliche Mehrheit gegen eine Ausnahme ausgesprochen. Für Krichbaums würde das ein zeitnahes Ende des Sandabbaus am Schwalbensee bedeuteten.

Denn das Abbauunternehmen, das relativ langsam abbaut, hatte die geplante Erweiterung gen Langstadt bereits 2018 eingeleitet. Aus dem Rathaus habe es seinerzeit noch geheißen, dass nichts dagegen spreche. Wie auch die Jahrzehnte zuvor. Dementsprechend wurden Planungen und die notwendigen Gutachten in Auftrag gegeben. Die für die Erweiterung notwendigen landwirtschaftlichen Flächen sind schon lange im Besitz. Lediglich ein Grundstück wurde von einem Nicht-Landwirt erworben und zwei Grundstücke wurden mit einem Langstädter Landwirt getauscht. Was nun noch fehlt sind städtische Wege.

Und daran hängt nun alles. „Ich glaube, wir sind ein sehr gutes Beispiel dafür, wie sich Naturschutz und Sandabbau vereinbaren lässt“, meint Seniorchef Harald Krichbaum. Denn die Renaturierung des Bereichs, in dem nicht mehr abgebaut werde, kann sich sehen lassen. Ein zertifizierter Biobauer übernimmt die Mahd der mit etlichen Blühpflanzen versehnen Flächen. Zudem beweidet ein Sickenhöfer Landwirt die unzugänglichen Flächen mit seinen Ziegen und Schafen. Kein Wunder, dass sich dort Insekten wohlfühlen und daher auch selten Vogelarten wie den Bienenfresser anlockt. Eigens aufgeschichten Steinmauern dienen Zauneidechsen als Lebensraum.

Zu den Hauptabnehmern gehören das Gruppenwasserwerk Hergershausen, einige Kommunen und das Da-Di-Werk Messel. Begehrt sei der Sand, weil er mit 20 000 Jahren relativ jung sei und nicht rundgewaschen, erklärt Erik Krichbaum: „Unser Sand ist ideal, wenn Wasserleitungen verlegt werden“. Zirka 90 Prozent des Sandes werde im Umkreis von 25 Kilometern verbaut. All das hätten Krichbaums auch gerne den Lokalpolitikern erzählt, um auf ihre Abbauweise und die Bedeutung hinzuweisen. Der Einladung ist aber aus den Reihen der Stadtverordneten vor der entscheidenden Abstimmung niemand nachgekommen. (Norman Körtge)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare