Spargel, Erdbeeren, Kürbisse, Eier und Rindfleisch

Landwirt Stephan Funk aus Babenhausen über Direktvermarktung

Ein wichtiger Bestandteil der Direktvermarktung: Stephan Funk vor den Automaten.
+
Ein wichtiger Bestandteil der Direktvermarktung: Stephan Funk vor den Automaten.

Langstadt – Kürbis-Chutney, Erdbeermarmelade und -Erdbeersoße, Kürbis-Apfel-Furchtaufstrich, Pesto, Hühnersuppe mit Gemüs, frische Eier – was auch die Regale in einem Feinkostladen hergeben könnten, gibt es beim Bauernhof Funk in Langstadt im Automaten.

Dazu je nach Saison auch Spargel und Erdbeeren und zur Zeit viele Kürbisse. „Vom Hof auf den Tisch“ ist das Direktvermarktungs-Motto der Funks. Junglandwirt Stephan Funk, 28 Jahre alt, erzählt im Interview, wo er seine Zukunft und die des elterlichen Betriebs sieht.

Wie lange ist die Familie Funk bereits im größeren Stil in der regionalen Direktvermarktung tätig?

Beim Spargel ist das schon eine sehr lange Zeit. Da sind wir jetzt bereits in der vierten, fünften Generation. In den letzten Jahren hat sich der Spargelanbau stark vergrößert und hat sich zu unserem Hauptbetriebszweig entwickelt.

Ab wann kamen die anderen Erzeugnisse dazu?

Das war ab 2016. Aus meiner Idee heraus sind die Erdbeeren dazu gekommen und die Anbaufläche haben wir schon wieder erweitert. Im Zusammenhang mit dem Hühnermobil und damit den Eiern sind dann auch die Automaten dazu gekommen.

Gerade gab es aber keine eigenen Eier zu kaufen.

Ja, dass liegt daran, dass vor einem Monat unsere Hühner abgeholt und in einem Familienbetrieb in Mörlenbach geschlachtet wurden. Und jetzt sind wieder 360 neue Hühner gekommen, die sich erst einmal eingewöhnen und ihre Nester im Hühnermobil finde müssen, bevor sie anfangen Eier zu legen. Dann können sie auch ins Freigehege. Für diesen kurzen Zeitraum haben wir Eier zugekauft, haben das aber auch klar gekennzeichnet.

Was hat Sie dazu bewogen, die regionale Vermarktung voran zu treiben?

Das war ein Zusammenspiel aus mehreren Faktoren. Zum einen, weil die Nachfrage da ist und ganz klar auch die hier angebauten Produkte gewünscht sind. Wir haben vorher auch schon mal regionale Erdbeeren dazu gekauft, um sie hier zu verkaufen. Aber die Leute bevorzugen die Früchte, die hier in Langstadt gewachsen sind. Zum anderen sehe ich persönlich auch die Zukunft unseres Betriebs in der Direktvermarktung. Das ist eine gute Alternative zu anderen Betriebszweigen.

Was gibt es alles?

Spargel weiß und grün und im nächsten Jahr probieren wir mit violett eine neue Sorte aus. Die Erdbeeren und gerade hat die Saison für unsere Zier- Speisekürbisse begonnen. Von unseren Legehennen im Hühnermobil verkaufen wir das ganze Jahr die Eier. Und letztendlich lassen wir die Hennen schlachten und verarbeiten sie weiter zu Suppe. Das ist glaube ich in der Dimension, wie wir es machen, auch nicht gerade üblich. Im vergangenen Jahr haben wir mit der Vermarktung von unserem Weiderindfleisch angefangen. Da haben wir jetzt erstmals die Angus-Rinder schlachten lassen.

Das Fleisch scheint sehr beliebt zu sein. Kaum angekündigt, schon heißt es ausverkauft.

Ja, dass läuft wirklich sehr gut. Vor dem Winter wollen wir noch ein- oder zweimal schlachten lassen.

Wie viel Fleisch von einem Rind kann verkauft werden ?

Das ist ganz unterschiedlich. Was wir verkaufen können, dass sind so 100 Kilo Fleisch in ganz verschiedenen Varianten: Rumpsteak, Hüftsteak, Braten, Filet, Rindswürstchen, Suppenfleisch und Spareribs. Am besten gehen die Steaks.

Wo werden die Tiere geschlachtet?

Hofschlachtungen wie früher sind ja nicht mehr möglich. Da gibt es heutzutage viel zu viele Vorschriften. Für den Eigenverbrauch wäre es vielleicht noch möglich, aber sobald es an Kunden geht, habe ich eine gewisse Gewährleistung und Hygienevorschriften, die eingehalten werden müssen. Die Tiere werde daher in Höchst im Odenwald geschlachtet. Bei Metzger Klaus Lautenschläger in Harpertshausen werden die Hälfte dann weiter grob zerlegt und wir portionieren und verpacken sie dann je nach Bestellung.

Wer macht die ganzen Spezialitäten, die es im Automaten gibt?

Die Erdbeermarmelade machen wir komplett bei uns selbst. Die Produktion liegt in der Hand meiner Mutter. Auch das Kürbis-Chutney. Für die Suppen müssten wir mehr Geräte haben. Die lassen wir von einem Betrieb bei Gießen machen. Die haben auch die notwendigen EU-Zulassungen.

Was läuft am Automaten am besten?

Hauptsächlich sind es die Eier. Aber auch die Erdbeermarmelade hat sich zum Renner entwickelt. Da wir auch Erdbeeren einfrieren, können wir bei Bedarf immer wieder neue kochen.

Wie habt Ihr euch den Betrieb aufgeteilt?

Als ich in den Betrieb mit eingestiegen bin, haben wir 2018 eine GbR gegründet. Mein Vater macht mehr den Milchviehbetrieb. Die 55 Milchkühe sind seine Leidenschaft. Meine Mutter ist größtenteils in der Direktvermarktung in der Spargel- und Erdbeerzeit zuständig, wozu auch der Verkaufsautomat gehört. Und nicht zu vergessen: Sie macht die Buchführung. Mein Betriebszweig ist die Außenwirtschaft, also auf den Feldern, aber auch die Hühner. Und ich koordiniere auch die Erntehelfer.

War es für Sie schon immer klar, dass Sie in den elterlichen Betrieb einsteigen?

Nein, überhaupt nicht. Meine Eltern haben mich auch nicht explizit darauf hinführen wollen. Bis zur zehnten Klasse auf der Joachim-Schumann-Schule war das für mich gar kein Thema. Erst, nachdem ich ein Fachabitur in Richtung Agrarwirtschaft absolviert und dann noch ein duales Studium mit Fachrichtung Agrarwirtschaft drangehängt habe, war ich mir sicher.

Die Eltern sind froh?

Da müsste man sie eigentlich selbst fragen (lacht). Ja, ich denke, sie sind froh darüber. Es ist auch ein Entwicklungsschritt für den Betrieb. Die Eltern wissen, es geht weiter und eine Perspektive ist da. Wir können gemeinsam den Betrieb weiter entwickeln.

Ist der Einstieg in den Betrieb ein Wagnis für Sie?

In gewisser Hinsicht ja. Man muss sich immer weiter entwickeln. Man kann jetzt nicht sagen, dass ist die letzten Jahren gut gelaufen und es wird auch die nächsten zehn Jahre gut laufen. Gerade bei der Direktvermarktung muss man immer am Ball bleiben und auf die Verbraucher hören.

Liefern Sie auch in Geschäfte?

Ja, den Spargel. Zum Beispiel zum Edeka Stolzenberger hier in Babenhausen, an den Ranishof oder in die Gastronomie. Die Eier gibt es nur am Automaten.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

Die Kosten müssen mit den Erlösen zusammen passen. Wir haben nichts gegen den Mindestlohn. Aber mit den Preisen, die für Erdbeeren aus Spanien gezahlt werden, können wir nicht konkurrieren. Allen muss klar sein, wenn wir Mindestlohn zahlen, müssen an der Supermarktkasse die Kunden das auch zahlen. Ich hoffe, dass wird auch akzeptziert. Deshalb ist uns die Transparenz so wichtig. Die Leute sehen, wie unsere Hühner und Rinder gehalten werden. Wir wollen auch keine Gewinnmaximierung und schlachten jetzt jede Woche ein Rind oder mehrere. Wir wollen nämlich auch wieder da hingekommen, dass Fleisch was Besonderes ist. (Norman Körtge)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare