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Kein Billard mehr im „Elephant“ in Babenhausen

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Der metallene „Elephant“ zierte viele Jahre den Außenbereich des Billard-Lokals an der Frankfurter Straße. Nun ist Gastronom Raghvir Sandhu in das Hotel „Deutscher Hof“ gezogen.
Der metallene „Elephant“ zierte viele Jahre den Außenbereich des Billard-Lokals an der Frankfurter Straße. Nun ist Gastronom Raghvir Sandhu in das Hotel „Deutscher Hof“ gezogen. © Körtge

Das Billard-Café „Elephant“ in Babenhausen hat für immer seine Pforten geschlossen. Zumindest die kulinarischen Genüssen können nun im Hotel „Deutscher Hof“ genossen werden. Nicht die einzige Veränderung in Babenhausens Gastronomie und Einzelhandel.

Babenhausen - Viel ist passiert in letzter Zeit in Babenhausen. Beliebte Location schlossen, Neues machte auf. An manchem hatte Corona Schuld, an anderem lang geplante Baumaßnahmen. Fakt ist: In der Bummelgasse und von da die Platanenallee runter zum Bahnhof herrscht nach wie vor ein breites Spektrum an Gastronomie und Einzelhandel.

Ein alter Hase im Gastro-Geschäft und in Babenhausen bekannt wie ein bunter Hund ist Raghvir Sandhu. Der aus Indien stammende Mann leitete fast 19 Jahre das Billard-Café „Der Elephant“ in der Frankfurter Straße 44, eine Kombination aus Billard, Sportsbar und deutscher, indischer, italienischer und amerikanischer Küche. Am 10. Oktober war dort allerdings Schluss. Wie schon seit Jahren im Gespräch, soll das Gebäude- und Hallenkonglomerat auf dem ehemaligen Iroplast-Gelände einer Reihenhaussiedlung weichen, und auch „Der Elephant“ muss weg.

Sandhu suchte eine Ersatz-Location – und fand sie in der im Oktober frei werdenden Gastronomie des Hotels „Deutscher Hof“. Zwei Räume, einen mit 54 und einen mit 35 Plätzen, stehen ihm hier zur Verfügung. Zu klein für den Zusatzbetrieb einer Sportsbar und erst recht zu klein für den eines Billardbetriebs. Nur seine vielfältige Küche und seinen Pizzaservice „Pizza Fly“ kann Sandhu somit beibehalten. „Ich habe lange gesucht. Das Billard lief sehr gut. Bis zum letzten Tag“, meint er, und man sieht ihm die Enttäuschung an. „Aber in Babenhausen gibt es nichts über 300 Quadratmeter.“ Seine alten Räumlichkeiten hatten gar 422. Da ließen sich alle drei Bereiche störungsfrei trennen. Trotz der heftigen Veränderung sieht er auch Positives: die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Hof. 63 Betten habe das Hotel und sei von Montag bis Donnerstag zu 99 und ansonsten zwischen 50 und 60 Prozent ausgebucht – und Hotelgäste müssen bekanntermaßen essen. „Ich bedanke mich für die jahrelange Unterstützung und freue mich, bekannte Gesichter wiederzusehen“, sagt er. Täglich von 17 bis 23 Uhr besteht die Chance dazu.

Neu in der Bummelgasse, Fahrstraße 24, ist das Modegeschäft „Getting Dressed“ von Simone Enders. Gerade erst musste dort die Vorgänger-Boutique „Sitas Moden“ aufgeben. Zu hart traf Inhaberin Sibel Adam der quasi direkt auf die Eröffnung folgende Lockdown. Im Oktober vor einem Jahr – mitten in der Pandemiezeit – hatte sie aufgemacht. Enders, die Nachfolgerin, wagt den Schritt ebenfalls während Corona. Enders ist nicht unerfahren, was den Verkauf von Kleidung während Corona angeht. In Dieburg führt sie seit Jahren den gleichnamigen Laden in der Altstadt, und seit 2017 gibt es in Ober-Roden am Marktplatz eine Filiale „Getting Dressed“. Die Geschäftsfrau und Expertin für Damenmode kennt also jede Einschränkung und Regelung in der Virus-Zeit. Und dass sie in Babenhausen mit ihrem neuen Ableger, in dem hauptsächlich Angestellte Sabine Schmidt die Kundinnen berät, Fuß fassen wird, da ist ihr nicht bang. Weil außerdem die Ober-Rodener Filiale schließt, hofft sie, viele ihre Stammkundinnen aus dem gut 15 Minuten mit dem Auto entfernten Nachbarort mitzunehmen.

Aber natürlich mag sie auch neue Kundschaft in Babenhausen gewinnen. „Die Räumlichkeiten passen gut, und nebenan das Dessous-Geschäft von Kati Mehler ist eine schöne Ergänzung“, meint sie. Der Auftakt sei schon mal vielversprechend gewesen.

Der metallene „Elephant“ (oben) zierte viele Jahre den Außenbereich des Billard-Lokals an der Frankfurter Straße. Nun ist Gastronom Raghvir Sandhu in das Hotel „Deutscher Hof“ gezogen. Neu an der Platanenallee ist das Café Didi (Mitte) und in der Fahrstraße „Getting Dressed“ (unten links). Ins „Garfield“ zieht ein Friseur.
In der Fahrstraße gibt es mit „Getting Dressed“ ein neues Modegeschäft © zkn

Einen Auftakt der gemischten Gefühle hat dagegen Galip Aslantas hinter sich. Der Babenhäuser ist seit April stolzer Besitzer des Café Didi in der Platanenallee 13. Eigentlich sollte es bereits vor einem Jahr eröffnet werden. Corona bremste, man wartete ab – und zahlte umsonst Miete, grummelt Aslantas Tante Arzu Saglamer. Von April bis Juli buk und verkaufte das Café Didi dann erst einmal Waffeln to go mit allerlei Toppings. Ursprünglich war es ja als reiner Frühstücksladen gedacht, für türkisches Frühstück, verrät die Tante. Im Sommer, als die Corona-Regelungen für den Gastronomiebesuch im Inneren allmählich lockerer wurden, stellte man also um und strich die Waffeln. Was einem kulinarischen Aufschrei gleichkam. Seit Oktober gibt es deswegen beides: die „Wahnsinnswaffeln“, wie es in einer Google-Kritik heißt, und das Frühstück. Seitdem die kostenlosen Tests weggefallen sind und das 2G-Optionsmodell in aller Munde ist, laufe das Geschäft etwas schleppend, bedauertSaglamer.. Jetzt scheine es so, als ob die Leute nicht wüssten, dass sie weiterhin auch per negativem Test Einlass bei ihnen erhielten. Sie bietet an: „Wer mag, kann einen Schnelltest mitbringen und hier machen.“ Ihr Neffe Galip Aslantas, der Besitzer, ist übrigens noch keine 19, und steht kurz vorm Abi. Sein Grund, sich während Büffelei und Corona-Wirrungen in die Geschäftswelt zu begeben, war die vergebliche Suche nach einem Aushilfsjob.

Ins „Garfield“ zieht ein Friseur.
Ins „Garfield“ zieht ein Friseur. © zkn

„Es hat Tradition bei uns, dass die Kinder ihren Eltern nicht auf der Tasche liegen, sondern früh lernen, auf eigenen Füßen zu stehen“, erklärt Tante Arzu. Und so kam der junge Mann zu seinem ersten Gewerbe, wo man ihn ab 16 Uhr – außer montags versteht sich – auch meistens antrifft. „Es klappt ganz gut beides“, findet er. Zu den Zeiten, in denen er die Schulbank drückt, springt seine Verwandtschaft für ihn ein. Nach einem Familienmitglied, das noch nicht mithilft, seinem kleinen Lieblingsneffen nämlich, ist sogar das Café benannt, und das Logo zeigt sein Gesicht.

Das „Café SebaR“ am Bahnhof wird es dagegen im neuen Jahr nicht mehr geben. Inhaber Sebastiano Frascona schließt am 31. Dezember für immer. „Zu lang war die Durststrecke durch Corona“, begründet er traurig. „Ich lebe von meiner Laufkaufkundschaft, den Pendlern. Als der größte Teil von ihnen plötzlich wegen Homeoffice wegfiel, wurde es schwer.“ Bevor es irgendwann ans Eingemachte gehe, höre er auf und konzentriere sich lieber auf sein „Catering like a Picknick“. Denn dieses Geschäft mit Wraps, Focaccia und belegten Brötchen auf Bestellung sei auch während Corona ordentlich gelaufen. Der Mann mit den italienischen Wurzeln will es ab Januar um warme Speisen vergrößern. Seine alten Stammkunden mag er dann weiter beliefern. Für den Bahnhof hofft er auf einen Nachfolger. Ein paar Interessenten gebe es, meint er. So wie es aussehe, werde aber in Zukunft der Schwerpunkt wohl eher auf dem Kiosk- als auf dem Café-Charakter – wie in den vergangenen dreieinhalb Jahren – liegen.

Ein Nachfolger der völlig unkulinarischen Art hat sich indes fürs Bistro Garfield in der Bummelgasse, Fahrstraße 44, gefunden, das nach etlichen Jahren ebenfalls dichtgemacht hat. Hier wird der Friseur „Hair by Cilenti“ aus der Nachbarschaft (Fahrstraße 38) einen Salon nur für Herren einrichten. Im November soll es bereits losgehen. (zkn)

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