Lokalpolitik diskutiert

Was wird aus Stadtmühle und Stadthalle in Babenhausen?

Um die historische Stadtmühle zu erhalten, muss die Stadt viel Geld investieren – oder das Gebäudeensemble verkaufen. Die Remise (links) darf nicht mehr betreten werden. Sie ist einsturzgefährdet. Auch einer der Gründe, warum der direkt angrenzende Wohnmobil-Stellplatz gesperrt wurde. Ein weiterer: Für diesen gibt es nach Aussage von Bürgermeister Dominik Stadler gar keine Genehmigung.
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Um die historische Stadtmühle zu erhalten, muss die Stadt viel Geld investieren – oder das Gebäudeensemble verkaufen. Die Remise (links) darf nicht mehr betreten werden. Sie ist einsturzgefährdet. Auch einer der Gründe, warum der direkt angrenzende Wohnmobil-Stellplatz gesperrt wurde. Ein weiterer: Für diesen gibt es nach Aussage von Bürgermeister Dominik Stadler gar keine Genehmigung.

Dass der Magistrat Grundsatzbeschlüsse zur Zukunft der Stadthalle und der Stadtmühle fordert, ist seit Wochen bekannt. Im Bauausschuss hat darüber nun erstmals die Lokalpolitik diskutiert.

Babenhausen – „Sachlich ungeschönt“ hat Bürgermeister Dominik Stadler (unabhängig) am Dienstagabend im Bauausschuss die der Stadtverwaltung bekannten Fakten zur Stadthalle und zur Stadtmühle vorgestellt und damit die politische Grundsatzdiskussion zur Zukunft der beiden städtischen Immobilien eröffnet.

Die Ausgangslage zusammengefasst: Die in den 1950er Jahren errichtete Stadthalle, die 1980 umgebaut und erweitert wurde, braucht eine neue Heizungs- und eine neue Lüftungsanlage. Letztere ist im Keller verbaut, sollte aber nach Möglichkeit aufs Dach und es ist fraglich, ob es die Statik hergibt. Geschätzte Kosten für Heizung und Lüftung: Zirka eine Million Euro. Um die elektrischen Leitungen ist es auch nicht gut bestellt. Eines der Hauptprobleme der Stadthallentechnik: In den vergangenen Jahren gab es zwar Wartungen, aber keine Überprüfungen. Um dies zu veranschaulichen, nahm Stadler das Beispiel Auto: „Eine Wartung ist lediglich eine Inspektion in der Werkstatt, eine Überprüfung macht der TÜV.“ In der Stadthalle kommt noch der Zustand des Bodens hinzu, der erneuert werden müsse, und um Betriebskosten zu senken, sei eine energetische Sanierung notwendig. Die beiden aufgezeigte Optionen: Abriss und Neubau; Gesamtkosten: mindestens elf Millionen Euro. Oder: Modernisierung und Instandsetzung; Kosten: zirka zehn Millionen Euro.

Hauptproblem bei der Stadtmühle ist, dass bei der Mitte der 1990er Jahre stattgefundenen umfangreichen und mit seinerzeit 4,8 Millionen D-Mark Fördermitteln bezuschussten Sanierung offensichtlich die Baugenehmigung nicht eingehalten worden ist. Ob Haftungsansprüche geltend gemacht werden können, habe eine Anwaltskanzlei im Auftrag der Stadt bereits geprüft. Ergebnis: Nein, da verjährt. Nicht umgesetzt worden sind unter anderem Brandwände. Außerdem fehlen Rettungswege. Auch fehlt für das dort nachträglich eingerichtete Trauzimmer die Genehmigung. Ob die nur 120 Quadratmeter große, seit Langem leer stehende Gaststätte überhaupt wirtschaftlich betrieben werden könne, wird angezweifelt. Und generell: Das historische Gebäude am Wasser wird einen hohen Wartungsintervall haben und die Folgekosten sind unkalkulierbar. Eine vorgeschlagene Option: Verkauf der Stadtmühle für eine Million Euro. Oder: Neuer Bauantrag und Ertüchtigung für mindestens 400 000 Euro und eben die nicht absehbaren Folgekosten.

Zu den Wortführern zu beiden Themenkomplexen avancierte am Dienstagabend FWB-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Heil. Seine Hauptkritikpunkte an den bislang vorgelegten und in Drucksachen niedergeschriebenen Erkenntnissen: Diese Informationen reichen ihm für eine vollumfängliche Meinungsbildung nicht aus. Er möchte fundierte und belastbare Gutachten. „Ganz abgesehen davon, ob wir uns einen Neubau überhaupt leisten könnten“, so Heil. Die CDU-Fraktion, so Michael Wolz, sehe die beiden Magistratsanträge als einen „Startschuss für eine Diskussion“ um die Hallensituation in Babenhausen und den Stadtteilen generell in Augenschein zu nehmen und plädierte dafür, in einem Arbeitskreis das Thema tiefer zu erörtern und dann ein Hallenkonzept zu entwickeln. FDP-Fraktionsvorsitzender Manfred Willand empfand die Vorlagen als „diffus“ und „auf keinen Fall entscheidungsreif“. Allerdings gab er eine klare Stellungnahme zur Mühle ab: Auf keinem Fall werde er persönlich einem Verkauf zustimmen. Heil hinterfragte zudem, wie es sein könne, dass es trotz des skizzierten Folgekostenszenarios Kaufinteressenten geben könne.

CDU-Abgeordneter Stephan Sawallich forderte darüber hinaus für die Stadthalle, dass diese „aktiv bewirtschaftet“ und „professionell gemanagt“ werden müsste, um kulturelle Veranstaltungen nach Babenhausen zu holen.

Bürgermeister Stadler wies darauf hin, dass wenn Prüfsachverständige die Halle unter die Lupe nehmen, die festgestellten Mängel innerhalb bestimmter Fristen behoben werden müssen. Könnte die Stadt dem etwa aus Kostengründen nicht nachkommen, drohe eine eingeschränkte Nutzung oder gar eine Schließung. Bau-Fachbereichsleiter Christian Heinemann ergänzte, dass wahrscheinlich mehrere 10 000 Euro investiert werden müssten, um einen vollumfänglich Sachstand zur Stadthalle zu bekommen.

Abgestimmt wurde am Dienstagabend nicht. Stadlers Fazit: „Ich denke, alle haben erkannt, dass was getan werden muss und wir eine gemeinsame Richtung brauchen.“ Und er macht auch deutlich: „Wenn die Erwartung da ist, dass die Stadt Geld in die Hand nehmen soll, um Untersuchungen und Gutachten in Auftrag zu geben, dann machen wir das.“ (Norman Körtge)

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