1. Startseite
  2. Region
  3. Babenhausen

Exoten statt Fichten im Wald

Erstellt:

Kommentare

Zum Team, das die neuen Baumarten setzte, gehörte auch Tanja Scheinberger und ihre Nichte Sarah.
Zum Team, das die neuen Baumarten setzte, gehörte auch Tanja Scheinberger und ihre Nichte Sarah. © zeta

Den Chinesischen Blauglockenbaum kennt man hierzulande, wenn überhaupt, aus Parkanlagen oder botanischen Gärten. Nun soll er zwischen Schaafheim und Babenhausen wachsen.

Schaafheim/Babenhausen – Der recht schnell wachsende und hübsch blühende Exot könnte jedoch in einigen Jahrzehnten zum gewohnten Anblick auch in den hiesigen Wäldern werden. Einen ersten Versuch mit der Baumart aus China sowie weiteren Arten aus der Türkei und dem Gebiet zwischen Mexiko und dem Süden der USA starteten nun die Gemeinde Schaafheim und das Dieburger Forstamt. Die Anregung kam von der örtlichen Raiffeisenbank, die das Pilotprojekt auf einem 1,2 Hektar großen Waldstück im Schaafheimer Forst finanzierte.

850 Hektar Wald besitzt die Gemeinde Schaafheim und ist damit eine der besonders waldreichen Kommunen im Kreis Darmstadt-Dieburg. Und ebenso wie Babenhausen müssen die Bäume dort mit sehr sandigen und trockenen Böden zurechtkommen. Vielen heimischen Baumarten gelingt das nicht mehr. Auch auf der Waldfläche, die nun zu einer Art Freiluft-Labor wurde, wuchsen einmal Fichten, die die heißen, trocknen Sommer nicht überstanden. An ihre Stelle setzten die Mitglieder des Schaafheimer Kerbvereins mit der angehenden Forstoberinspektorin Anna Röper und Revierförster Bernd Werne nun Türkische Baumhasel, Chinesischen Blauglockenbaum, Arizona-Walnuss und einige Baumarten, die schon vor Jahrhunderten in unsere Gefilde kamen. Unter ihnen Eibe und Edelkastanie, die die Römer nach Mitteleuropa brachten, wie Anna Röper erzählt.

Die Bäume, die nun auf der Versuchsfläche gepflanzt worden sind, sind trockene, sandige Standorte gewohnt. Üblicherweise wachsen sie aber nicht in direkter Nachbarschaft zueinander, sondern Tausende Kilometer voneinander entfernt. Entsprechend gebe es in Deutschland noch keine Mischwälder aus Baumhasel, Blauglockenbaum und Arizona-Walnuss, sagt Röper. Wie werden die Bäume anwachsen? Harmonieren sie miteinander oder konkurrieren sie um Licht und Nährstoffe? Wie werden sie von den im Wald lebenden Tieren, die auch die Bäume bewohnen, angenommen?

Auf jene Fragen gilt es nun, Antworten zu finden. Dazu braucht es Zeit. Generell denken Förster in langen Zeiträumen. Auch bei der jüngsten Pflanzaktion, war allen Beteiligten klar: das Ergebnis ihres Handelns werden erst die folgenden Generationen sehen und auswerten können. Die kleine Sarah, die in den Kindergarten geht und mit ihrer Tante Tanja Scheinberger einige Bäumchen setzte, dürfte noch miterleben, wie die Bäumchen auf der Versuchsfläche zu einem dichten Wald heranwachsen.

Doch wie wird die Welt aussehen, wenn Sarah eine Seniorin ist und vielleicht mit ihren Enkeln durch den Wald geht? „Auf jeden Fall anders“, meint Anna Röper. Denn bis zum Ende dieses Jahrhunderts sagen neueste Prognosen einen Temperaturanstieg von 2,4 bis 2,7 Grad voraus. Mit diesen Werten, die bei der Weltklimakonferenz in Glasgow vorgestellt wurden, arbeiten auch die Forstämter und versuchen, die Wälder nun entsprechend anzupassen. Dazu braucht es viel Vorbereitung, denn einige Baumarten gibt es nur in speziellen Forstbaumschulen, die zudem Demeter-zertifiziert arbeiten.

Idealerweise wird die Bevölkerung in solche Projekte eingebunden. Beim Experiment in Schaafheim halfen die Mitglieder des Kerbvereins mit. Der Verein hatte für jedes 2021 neu gewonnene Mitglied einen Baum gestiftet und war damit dem Konzept der örtlichen Raiffeisenbank gefolgt, die das rund 4 000 Euro teure Projekt initiiert und finanziert hatte.

Für jedes Mitglied der Genossenschaftsbank, das 2021 hinzukam, finanzierte die Raiffeisenbank zehn Bäume. 1230 Setzlinge kamen so zusammen, die die Bank auf 1520 Bäumchen aufstockte. Die Idee dazu habe er bei einem Waldspaziergang gehabt, erzählt Heiko Petry vom Vorstand der Genossenschaftsbank. „Mir fiel auf, wie stark der Wald unter dem Klimawandel leidet und ich habe überlegt, wie wir als Unternehmen in Zusammenspiel mit unseren Mitgliedern zum Schutz des Waldes beitragen können.“ (zeta)

Auch interessant

Kommentare