Freibad überbucht: Frust am Kassenhaus

Softwarefehler führt in Babenhausen zu ungewolltem Ansturm und langen Gesichtern

Nach Beheben des Softwarefehlers kehrte wieder Ruhe im Freibad Babenhausen ein. Für je 200 Besucher pro Block ist es eine Wohltat.
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Nach Beheben des Softwarefehlers kehrte wieder Ruhe im Freibad Babenhausen ein. Für je 200 Besucher pro Block ist es eine Wohltat.

Gleich zweimal gab es am Wochenende einen unerwarteten Ansturm aufs Freibad. Und zweifach mussten Besucher, die sich eines Badespaßes ganz sicher wähnten, abgewiesen werden. Dies, nachdem sie in langer Schlange mit einem vorher gebuchten Einlasscode in der Badetasche bei weit über 30 Grad in sengender Hitze ausgeharrt hatten. Das gab Unmut bis hin zur Randale. Schuld war ein Programmierfehler im Corona-Einlass-Programm des Bades.

Babenhausen – Die Kassiererin erinnert sich mit Schrecken. Eigentlich funktioniert die Blockabfertigung im Bad problemlos. In drei bis vier Blöcken werden pro Badetag die sich vorher übers Internet angemeldeten Besucher zu den vorgegebenen Zeiten eingelassen. Jeweils wegen Abstand und Hygienevorschriften genau 200 an der Zahl. So viele Einlasszusagen werden virtuell ausgegeben, so viele Gäste stehen normalerweise auch zu den gebuchten Zeiten vorm Kassenhäuschen.

Nicht so am Samstag, als dem 14-Uhr-Block geöffnet werden sollte. „Es war schon vorher seltsam“, erinnert sich die Kassiererin, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Jeweils eine halbe Stunde vor Einlass eines Blocks muss der vorherige Besucherstrom wieder aus dem Bad abgeflossen sein, dann wird die Einrichtung 30 Minuten für jedweden Besuch geschlossen und klar Schiff um das Technik-Boot Jenny gemacht, bevor die neuen Besucher Einlass finden. Doch die Warteschlange war vor 14 Uhr so lang wie nie zuvor: „Die Einlasswilligen standen bis weit hinter der Kurve zum Parkplatz“, sagt die staunende Beobachterin.

Und das Staunen wurde noch weit größer: Jeder Besucher mit Einlasscode wird vom Personal nochmals gezählt, wenn er zum erfrischen Nass geht. Doch auch als 200 den Weg zu den Becken angetreten hatte, standen noch zahlreiche Besucher mit gültigen Tickets in der Schlange an.

Egal, die Badbediensteten hielten sich an die Corona-Regeln und schlossen den Einlass. Sehr zum Unmut der Ausgesperrten. „Einige murrten, die meisten schimpften. Das könne doch nicht sein, wo gebe es denn so etwas, bekamen wir zu hören“, sagt die Kassiererin, die schlimmsten Unmutsbekundungen nicht wiederholend. Und einige Frustrierte hätten sich nicht nur mit Schimpfen zufrieden gegeben, sondern den Durchgang durchs Ausgangs-Drehkreuz versucht. „Ein Glück, dass sich keiner verletzt hat beim Unterfangen, sich durch die schmale Lücke zu drängen.“ Andere suchten Zugang an anderer Stelle, erklommen den Zaun, wollten über Mauern zu den Pools. Es war teilweise chaotisch.

Sonntagnachmittag gab es ähnliches Bild am Freibadeingang nochmals zum letzten, dem 17-Uhr-Block: wieder überbucht bis zum Anschlag, nachdem die beiden vorherigen Blocks wie gewohnt abgelaufen waren.

Bürgermeister Joachim Knoke war am Samstag selbst Zeuge des badetechnischen Ausnahmezustands, denn er hielt am Rande des Bades seine sommerliche „Knoke-grillt“-Infoveranstaltung ab.

Gestern gab der Rathauschef eine Erklärung zu den Vorkommnissen. Es habe schon im Vorfeld einige Kritik an der im Landkreis abgesprochenen Praxis zum Schwimmbadbetrieb gegeben: „Mehr oder weniger sachlich wurden Beispiele vorgetragen, wo es anders angeblich besser geht“, so Knoke. Und weiter: „Nachdem nun an vielen genau dieser Stellen in den letzten Tagen Auswüchse stattgefunden haben, werden die Maßnahmen, mit denen wir von Anfang an unterwegs waren – bis hin zu von uns nicht gewollten Schließungen – umgesetzt.“

Babenhausens Block-Buchung habe bis Samstag hervorragend funktioniert. „Doch ein letztes Software-Update hat unserem IT-Dienstleister leider einen Programmierfehler beschert, der beträchtliche Auswirkungen hatte.“ Nachdem am Samstag klar war, dass mehr als 200 Tickets verkauft worden sind, habe man mit der Fehleranalyse begonnen. Viele hätten Verständnis gezeigt. Man werde allen, die trotz gültigem Ticket nicht ins Bad kamen, den Eintrittspreis zurückerstatten. „Nicht erstatten können wir Kilometergeld oder Aufwands-Anfahrtpauschalen, wie in einem Forderungsschreiben angefragt“, berichtet Knoke.

Seit Montag ist der Fehler behoben, sodass die Buchungsplattform wieder zur Verfügung stand. Der Bäderservice Kahl habe sich bei all dem als leistungsstarker Partner erwiesen. „Allerdings werden illegale Zutritte von hinten über den Zaun unter Ausübung des Hausrechts und mit Hilfe von Ordnungsamt und Polizei unterbunden. Es geht sehr stringent um die Sicherheit und gesundheitliche Unversehrtheit der Badegäste.“

Der Bürgermeister dankt allen Freibadfans, die diese Situation am Wochenende gemeinsam mit der Stadt so verständigt und gut gemeistert haben. (Von Thomas Meier)

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