Fürs Klima in die Pedale treten

Babenhausen nimmt erstmals am Stadtradeln teil

Diese Babenhäuser machen alle beim Stadtradeln auf jeden Fall mit: das Team BuergerMobil.
+
Diese Babenhäuser machen alle beim Stadtradeln auf jeden Fall mit: das Team BuergerMobil.

Wer strampelt am meisten? Seit 2008 gibt es unter Deutschlands Kommunen den inzwischen auch internationalen Wettbewerb „Stadtradeln“. Dieses Jahr ist Babenhausen das erste Mal dabei und sucht ab sofort Mitstreiter, die ab dem 6. September drei Wochen lang für ein gutes Abschneiden der Stadt in die Pedale treten wollen.

Babenhausen - Der Hintergrund für das fröhliche Kilometerzählen ist ein durchaus ernster: Es geht um Klimaschutz und eine verstärkte Radverkehrsförderung. Das umweltfreundliche Fortbewegungsmittel soll im Alltag populärer werden – mit dem Ergebnis: weniger Verkehrsbelastung, weniger Abgase und weniger Lärm, dafür mehr Fitness und Gesundheit.

„Wir wollen als Kommune ein Zeichen setzen und als Vorbild vorneweg gehen“, sagt Bürgermeister Dominik Stadler. Aktuell denkt er über ein Stadtradel-Team seiner Verwaltungsmannschaft nach. „Wir haben hier sehr motivierte Mitarbeiter, die morgens bei Wind und Wetter von Rodgau aus mit dem Rad kommen.“ Und für Rad-lose, die Termine außerhalb haben, wurden zwei Diensträder angeschafft – noch „ganz oldschool“ ohne E-Antrieb, wie er verschmitzt meint.

Achim Knick, der bereits seit Jahren im ADFC-Team beim Darmstadt-Stadtradeln fährt und nun mit Stellvertreter Manfred Nodes lokaler Koordinator für Babenhausen ist, würde es freuen. Er selbst radelt wahrscheinlich im Team seiner BuergerMobil-Kollegen mit – was ein großes Plus für die bepreiste ortseigene Einzelwertung der Truppe wäre: der Viel-Radfahrer kam bei den Darmstädtern stets unter die ersten Fünf.

Initiator des Ganzen ist der Verein Klima-Bündnis, das sich mit seinen Mitgliedskommunen seit mehr als 25 Jahren fürs Weltklima einsetzt. Jede Klima-Bündnis-Kommune hat sich verpflichtet, ihre Treibhausgasemissionen alle fünf Jahre um zehn Prozent zu reduzieren. Mit rund 1 700 Mitgliedern in über 25 Ländern ist das Bündnis weltweit das größte Städtenetzwerk mit derart konkreten Zielen. Babenhausen ist bislang kein Mitglied. „Noch haben wir kein hundertprozentiges Konzept, wie wir bei uns die Treibhausgasemissionen verringern sollen. Aber unser Ziel ist es“, versichert Rathauschef Stadler. Was das klimaschädliche Kohlendioxid angeht: etwa ein Viertel verursacht in Deutschland der Innerortsverkehr. Wenn rund 30 Prozent der Kurzstrecken bis sechs Kilometer in den Innenstädten mit dem Fahrrad statt mit dem Auto gefahren würden, ließen sich etwa 7,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid vermeiden, informiert das Klima-Bündnis.

Anmelden funktioniert unter stadtradeln.de/babenhausen entweder unter einem dort bereits registrierten Team, oder man gründet seine eigene Mannschaft. Zwei Leute genügen dafür Dem „Offenen Team“ darf jeder beitreten. Und so sammelt man seine Kilometer: Jeder zwischen dem 6. und dem 26. September zurückgelegte Kilometer kann online ins Kilometerbuch eingetragen oder direkt über die Stadtradel-App (stadtradeln.de/app) getrackt werden. Radelnde ohne Internetzugang melden den beiden Koordinatoren Achim Knick, Telefon 0151 54333380, oder Manfred Nodes, Telefon0178 8233771, wöchentlich ihre Radkilometer.
Der Gewinn: Im Oktober prämiert das Klimabündnis die fahrradaktivsten Kommunalparlamente sowie die Kommunen mit den meisten Radkilometern . Auch die Besten in Babenhausen erwartet Preise, zum Beispiel ein Gutschein vom Zweiradshop Niederhofer oder eine Menge Eis für Teams mit Kindern vom Eiscafé Galileo. Münster und Eppertshausen sind beim Stadtradeln auch mit dabei. (zkn)

Aber dafür müssen natürlich auch die Umstände stimmen: Radwege beispielsweise. „Ich würde mir einen zwischen Langstadt und Babenhausen wünschen“, sagt Stadler. Zurzeit ist es eher ein Trampelpfad entlang der L 3065, der die beiden Orte für Spaziergänger und Radler verbindet. Bei schlechtem Wetter Garant, sich die Kleidung schmutzig zu machen, kritisiert Knick, der als Mobilitätsbeauftragter der Stadt fungiert. Verantwortlich für den Ausbau des Radwegs an der Landstraße ist Hessen. Ein schon 2017 vom Landkreis erstelltes Radwegekonzept hebt sein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis hervor. Trotzdem ist noch immer nichts passiert. Warum? „Es gibt einen großen Bedarf an neuen Radwegen entlang von Bundes- und Landesstraßen. Hessen Mobil kann jedoch nicht überall gleichzeitig planen und bauen“, antwortet Jochen Vogel, Sachgebietsleiter bei Hessen Mobil. Derzeit treibt Hessen Mobil innerhalb der Sanierungsoffensive 2016 bis 2022 rund 60 neue Radwege voran. Der Weg an der L3064 ist nicht dabei. Vogel spricht jedoch davon, dass bis Ende des Jahres mit dem Verkehrsministerium über die Dringlichkeit neuer Projekte verhandelt werde.

Ein weiteres Anliegen, das dem Mobilitätsbeauftragten Knick vorschwebt, richtet sich an Naturschutz- und Denkmalbehörde: eine asphaltierte, auch bei Regen gut beradelbare Strecke durch die Harreshäuser Allee, für die es Fördermittel von Land und Bund gäbe. Das Problem: die eine Behörde will die wassergebundene Decke der Allee – gewalzter Splitt und Schotter – aus kulturellen Gründen erhalten und die andere aus naturschutzlichen. Immerhin, so Stadler, gibt es für die Harreshäuser ja als adäquate Alternative den asphaltierten Parallelweg durch die Felder, der die Babenhäuser Bürgermeister-Willand-Straße mit dem Harreshäuser Lacheweg verknüpft.  zkn

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare