SV Germania

Pachtvertrag gekündigt: Fußballverein ohne eigenen Platz

In den Containern auf dem Sportplatz „Im Riemen“ lagert Equipment des SV Germania. Fußball gespielt hat der Verein dort aber schon lange nicht mehr.
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In den Containern auf dem Sportplatz „Im Riemen“ lagert Equipment des SV Germania. Fußball gespielt hat der Verein dort aber schon lange nicht mehr.

Die Stadt Babenhausen hat dem SV Germania den Pachtvertrag für den Sportplatz „Im Riemen“ gekündigt. Der Fußballverein ist überrascht.

Babenhausen – Der SV Germania Babenhausen, von dem derzeit im Wesentlichen zwei Männerteams in einer Spielgemeinschaft mit dem TSV Langstadt übrig sind, ist wurde negativ überrascht und ist entsprechend sauer. Denn der traditionsreiche Fußballverein von 1912 steht plötzlich ohne Platz da. Die Stadt Babenhausen hat der Germania den Pachtvertrag für den Sportplatz „Im Riemen“ gekündigt. Vor allem sieht sich der Verein in seinem Bestreben ausgebremst, den Junioren-Fußball in der Kernstadt wiederzubeleben.

„Das hat uns die Beine weggerissen“, drückt Antonio Coppolecchia, Zweiter Vorsitzender des SV Germania und als Spielausschuss-Chef auch in die sportlichen Belange der SG Langstadt/Babenhausen involviert, die Enttäuschung des Vereins aus. Der hatte 2018 bereits die städtische Kündigung für das benachbarte Stadion „Am Ostheimer Hang“ schlucken müssen. Vorausgegangen waren verschiedene Ansichten von Stadt und Verein, wie zuverlässig die Germania den (von der Stadt vergüteten) Pflegevertrag für die Sportstätte erfüllte.

Fusion mit SV Sickenhofen ist 2016 wegen Widerstand aus Germania-Lager gescheitert

Das Aus am Ostheimer Hang, wo die Stadt Ende 2019 sogar die lange an die Germania verpachtete (und vom Verein an Gastronomen weitervermietete) Gaststätte abriss und wo neben dem Hauptfeld nur noch zwei Container als Umkleiden dienen, gab der damals schon arg dezimierten Jugendabteilung des Vereins den Rest. Freilich trug die Germania am Aderlass, der schon in den Jahren zuvor eingesetzt hatte, auch eine Eigenverantwortung. Manche Familie hatte sich längst dazu entschlossen, ihr Kind zum Kicken in einen der Stadtteil-Vereine statt in dem Kernstadt-Klub zu schicken.

Immer mal wieder drängt sich zudem die Frage auf, ob die 2016 wegen Widerstand aus dem Germania-Lager gescheiterte Fusion mit dem SV Sickenhofen nicht doch die beste Lösung für beide Vereine gewesen wäre. SV Germania und SV Sickenhofen stehen im Gegensatz zu den anderen Babenhäuser Vereinen mit Fußball im Angebot (SV Kickers Hergershausen, TSV Harreshausen, TSV Langstadt) ohne Jugendteams da.

Germania will Jugendarbeit aufbauen: Hoffnung auf neuem Stadtteil Kaisergärten

Das ist letztlich Schnee von gestern. Im Heute darf der SV Germania nur noch den Sportplatz „Im Riemen“ nutzen, wo in Containern auch sein Equipment lagert. Weil die Männerteams ausschließlich in Langstadt spielen und trainieren, nutzt die Germania den Rasenplatz seit längerer Zeit nicht. Was sich laut Coppolecchia in näherer Zukunft aber ändern soll(te): „Wir wollten jetzt langsam einen Neuanfang starten“, sagt das Vorstandsmitglied. Konkret: Die Germania will ihre Jugendabteilung neu aufbauen und es damit ermöglichen, dass in der Kernstadt wieder Vereins-Fußball gespielt werden kann. Dort leben rund 10.000 der insgesamt 17.000 Babenhäuser, und dort entsteht wenige hundert Meter vom Gebiet „Im Riemen“ entfernt der neue Stadtteil „Kaisergärten“, wo in einigen Jahren weitere 2.000 Menschen wohnen sollen. „Deshalb wollten wir jetzt wieder mit Teams von den G- bis D-Junioren anfangen“, sagt Coppolecchia. „Also erst mal mit den Kleinen, weil die keine Duschen brauchen.“ Derlei Infrastruktur gibt es am Sportplatz „Im Riemen“ nicht.

Warum aber torpediert die Stadt diese Pläne, indem sie der Vorsitzenden Tihana Posavec-Hennigs via persönlichem Besuch zweier Rathaus-Mitarbeiter nun die Kündigung des 11 000 Quadratmeter großen Flurstücks zum 31. Juli 2021 nach Hause gebracht hat? Die Antwort von Bürgermeister Dominik Stadler (parteilos): Weil man von den Revitalisierungsplänen des SV Germania nichts gewusst habe. „Für mich ist das ein seit Jahren ungenutzter, leer stehender Sportplatz“, sagt der neue Babenhäuser Rathaus-Chef: „Der Stadt war bislang nicht bewusst, dass die Germania mit ihrer Jugend einen Neuanfang wagen will. Die Wege sind bei uns kurz, zudem gibt es einen Runden Tisch der Sportvereine. Doch die Germania hat uns darüber bisher nicht informiert.“ Vor diesem Hintergrund habe die Stadt beim Sportplatz, der mitten im Gewerbegebiet „Im Riemen II“ liegt, mit der Kündigung einen Schritt in Richtung potenzieller Umwidmung von Sport- zu Gewerbefläche machen wollen. „Die Liste der Interessenten für Gewerbeflächen in Babenhausen ist lang“, sagt Stadler. „Ich könnte hier Unternehmen ohne Ende ansiedeln.“

Bürgermeister Dominik Stadler hat Tür für klärendes Gespräch offen

Prinzipiell hält auch der Bürgermeister Vereins-Fußball in der Kernstadt für unterstützenswert. Zugleich betont er, dass es für Kinder und Jugendliche „die Perspektive mit den Vereinen in den Ortsteilen gibt, was ja auch die gelebte Praxis ist“. So sei etwa das nahe Harreshausen auch für Kinder gut erreichbar.

Die Tür für ein klärendes Gespräch mit dem SV Germania sei jedenfalls offen. „Mein langfristiges Ziel ist es zudem, dass wir in Babenhausen ein Vereinssport-Gelände kriegen“, fügt Stadler hinzu. Die Tage des Platzes „Im Riemen“ scheinen gezählt, und das Stadion „Am Ostheimer Hang“ (derzeit noch von den Babenhäuser Schulen genutzt) dürfte nur noch so lange erhalten bleiben, bis in einigen Jahren nahe der Joachim-Schumann-Schule das neue Schulsport-Gelände entsteht. (Von Jens Dörr)

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