Reparatur-Café in Babenhausen

Gegen die Wegwerf-Mentalität

Einen defekten Staubsauger nehmen die beiden ehrenamtlichen Helfer Gaston Rösler (links) und Peter Schegel unter die Lupe.
+
Einen defekten Staubsauger nehmen die beiden ehrenamtlichen Helfer Gaston Rösler (links) und Peter Schegel im Babenhäuser Reparatur-Caféunter die Lupe.

Gerade wiedereröffnet nach der Corona-Zwangspause, muss das Reparatur-Café in Babenhausen auch schon wieder schließen. Eine elektrische Schreibmaschine, eine Fernbedienung für einen klappbaren Fernsehsessel und ein Staubsauger waren am bislang einzigen Öffnungstag die Herausforderungen für die ehrenamtlichen Tüftler.

Hergershausen - Der moderne Handstaubsauger will nicht mehr. Die Bodenwalze streikt. „Jetzt muss ich das Motorteil, das die Bodenwalze steuert, freilegen und schauen, woran es liegt und ob man es reparieren kann. Ersatzteile habe ich allerdings keine“, sagt Gaston Rösler, während er am großen Tisch in der Alten Schule in Hergershausen an dem defekten Gerät herumwerkelt. Ein Schaltplan, Bedienungsanleitung oder andere technische Unterlagen sind in solchen Fällen hilfreichDer Dyson wurde ohne gebracht. Aber die drei ehrenamtlichen, technisch begabten Helfer im Reparatur-Café der Babenhäuser Ehrenamtsagentur (BEA) haben Freude am tüfteln und ausprobieren. Sonst wären sie nicht jeden letzten Mittwoch im Monat hier, um kostenlos die kaputten Elektrogeräte ihrer Mitbürger zu reparieren.

Neben Rösler, der extra aus seinem Wohnort Seligenstadt anreist, ist der Hergershäuser Peter Schlegel im Einsatz. Beide sind Elektrotechniker im Ruhestand und von Anfang an dabei. Der Babenhäuser Stephan Merklein ist zwar als Chemiker noch berufstätig, findet aber trotzdem die Zeit, sich im Reparatur-Café einzubringen.

Vor fünf Jahren gegründet

Gegründet wurde es am 5. Dezember 2015, dem Tag des Ehrenamts, im Januar 2016 hat es zum ersten Mal seine Pforten geöffnet. Seither ist der Treff gut frequentiert. Fünf bis zehn Leute kommen in der Regel vorbei und bringen, teilweise auch mehrere, defekte Geräte mit. Und es gibt wenig, was die Ehrenamtlichen noch nicht auf ihrem Tisch hatten. Neben klassischen Haushaltsgeräten, beispielsweise auch alte Röhrenradios und Kassettenrekorder. Sogar Gartengeräte. Lachend erinnert sich die Gruppe an einen Hoch-Entaster, der kaum auf den großen Tisch gepasst habe. Eine elektrische Schreibmaschine, eine Fernbedienung für einen klappbaren Fernsehsessel und eben der Dyson-Staubsauger sind die Herausforderungen beim jüngsten Termin. Eine Reparatur durch den Hersteller oder eine Fachfirma sei oft zu teuer. Vieles werde von den Firmen auch gar nicht mehr zur Reparatur angenommen, denn es soll ja ein neues Gerät gekauft werden, sagen die Männer. Auch gegen diese Wegwerf-Mentalität wollen sie hier aktiv sein.

„Ich kannte Reparatur-Cafés nur aus größeren Städten und fand es toll, dass es auch hier so was gibt. Auch die Gespräche mit unseren Besuchern machen Spaß. Man lernt interessante Leute kennen“, sagt Merklein, der sich eine, an diesem Abend von einer Bürgerin für das Reparatur-Café gespendete, Nähmaschine vornimmt. „Entfusseln, entstauben und ölen“, nennt er als erste Maßnahmen für die Maschine, deren Motor beim Funktionstest beinahe reibungslos läuft. Das freut auch Annemarie Gaßmann, die kommunale BEA-Ansprechpartnerin, die gemeinsam mit Brigitte Bassenauer zum Näh-Team gehört. „Das Stichwort für uns ist Upcycling“, sagt Gaßmann, also aus alten Stoffen und Kleidungsstücken Neues, Hochwertiges herstellen. So hat eine Frauengruppe im vergangenen Jahr aus gespendeten Bettbezügen und Inlays zehn wärmende „Kniedecken“ für die Bewohner der beiden Babenhäuser Seniorenheime angefertigt.

Beim jüngsten Termin fand sich mit Jessica Grabysa aus Babenhausen sogar eine neue Helferin mit technischem Hintergrundwissen ein, die in Zukunft mitmachen möchte. Die gelernte Fertigungsmechanikerin will sich beruflich neu orientieren und hofft beim Reparatur-Café auch auf Inspiration für einen Neuanfang. „Für Wissen bin ich immer zu haben“, sagt die junge Frau, die den ehrenamtlichen Tüftlern über die Schulter schauen möchte.

Wahrscheinlich erst wieder im Januar geöffnet

Bedauerlicherweise ist für das Reparatur-Café jetzt nach der langen Corona-Pause, die von März bis zum jüngsten Termin Ende Oktober ging, schon wieder Schluss. „Wir hoffen, dass wir im Januar wieder öffnen können“, sagt Gaßmann.

Für den Staubsauger gibt es übrigens vorerst kein Happy End. „Ich komme nicht weiter und werde das Gerät mit nach Hause nehmen“, sagt Rösler, der in solchen Fällen auch auf das Internet zurückgreift: „Vielleicht hilft ein Youtube-Video, in dem jemand ein ähnliches Problem löst“. (Von Petra Grimm)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare