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Doppelmordfall aus Babenhausen: Rückschlag für Andreas Darsow

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Von: Norman Körtge

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Kurz vor der Urteilsverkündung des Landgerichts Darmstadt: Kameras und Smartphones sind auf Anja Darsow gerichtet.
Kurz vor der Urteilsverkündung des Landgerichts Darmstadt: Kameras und Smartphones sind auf Ehefrau Anja Darsow gerichtet. © Andreas Arnold/dpa

Der verurteilte Doppelmörder Andreas Darsow aus Babenhausen strebt ein Wiederaufnahmeverfahren an. Vor dem Landgericht Darmstadt muss er eine Niederlage hinnehmen.

Darmstadt/Babenhausen – „Wütend“ – das ist das erste Wort, das Anja Darsow gestern am frühen Nachmittag über die Lippen kommt, wenn man sie nach ihrer Gemütsverfassung fragt. Aber die Ehefrau des verurteilten Doppelmörders Andreas Darsow klingt auch schon wieder gefasst. Gut zwei Stunden zuvor hat eine Zivilkammer des Landgerichts Darmstadt ihr und ihrem Mann die Hoffnung genommen, dass neue Gutachten das Indizienurteil aus dem Jahr 2011 in Zweifel ziehen könnten. „Ich hatte gehofft, dass das Gericht den Mut hat, alles noch einmal ganz genau anzuschauen“, sagt Anja Darsow. Stattdessen habe sie den Eindruck, dass einfach nur Formulierungen aus vorangegangen Urteilen kopiert worden sind.

In der Tat hätte die Ablehnung des von Darsows Anwalt Gerhard Strate geforderten neuen Beweiserhebungsverfahren klarer kaum sein können. Es bleibe für die Kammer kein Zweifel an der Schuld des Beklagten, sagte die Vorsitzende Richterin in ihrer Begründung. Die Kammer habe keine Zweifel an der Richtigkeit des Urteils und der Bewertung der Indizien in dem Strafverfahren vor mehr als zehn Jahren. „In der Gesamtwürdigung lassen sie nur einen Schluss zu“ – Andreas Darsow hat 2009 das Nachbarehepaar erschossen und versucht, deren Tochter zu töten. Sie überlebte die Mordnacht schwer verletzt.

Babenhausen: Landgericht Darmstadt hält Darsow weiterhin für schuldig

Um die Tochter des ermordeten Ehepaares war es letztendlich in dem Prozess gegangen. Das Land Hessen hatte gegenüber Andreas Darsow Versorgungsansprüche aus dem Opferentschädigungsgesetz in Höhe von fast 70 .000 Euro geltend gemacht. Dem gab die Zivilkammer mit ihrem Urteil nun statt.

Wie das Landgericht Darmstadt in einer Stellungnahme mitteilt, seien insbesonders „die Feststellungen der Privatsachverständigen zu dem bei der Tat verwendeten Schalldämpfer nicht geeignet, die Feststellungen des Schwurgerichts und der von diesem seinerzeit beauftragten Sachverständigen in Zweifel zu ziehen.“ Gerade auf den bei der Tat angeblich verwendeten, selbst gebauten Schalldämpfer – eine mit Bauschaum gefüllte Plastikflasche – hatte die Verteidigung mit Rechtsanwalt Strate gebaut. Für ihn, der auch das bayerische Justizopfer Gustl Mollath und die wegen Mordes ihrer beiden Töchter verurteilte Monika Böttcher vertrat, bot das Verfahren daher eine Chance auf einen neuen Strafprozess.

Doppelmordfall aus Babenhausen: Darsow will nach Darmstädter Urteil in Berufung gehen

„Ich habe schon beim Reingehen gedacht, das fühlt sich nicht gut an“, sagte Anja Darsow kurz nach dem Urteil: „Wir haben gesagt, wenn das heute nicht positiv ausgeht, ist da noch nicht das Ende.“ Ziel sei weiter, mit neuen Hinweisen oder auch Gutachten ein Wiederaufnahmeverfahren zu erreichen. Sie kündigte gestern bereits an, dass gegen das Urteil Berufung eingelegt werde.

Bislang sind alle Bemühungen Strates, mögliche neue Beweise in ein neues Verfahren einzubringen, gescheitert. Im August 2019 lehnte das Kasseler Landgericht eine Wiederaufnahme ab, im Mai 2020 auch das Oberlandesgericht Frankfurt. Im Oktober des gleichen Jahres nahm das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eine Verfassungsbeschwerde nicht zur Entscheidung an. (Norman Körtge, Oliver Pietschmann mit dpa)

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