Höhere Abrisskosten und Bombensuche

Gesamtbudget für evangelische Kita wird überschritten

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Die Regenfälle der vergangenen Wochen haben auf dem Abrissgelände an der Martin-Luther-Straße ein Wasserbecken entstehen lassen – dort wo einst die „Kinderkiste“ stand. Auf dem Areal soll der Neubau der evangelischen Kindertagesstätte realisiert werden.

Babenhausen - Der Neubau der evangelischen Kindertagesstätte wird teurer als geplant. Grund dafür sind aber nicht die erwarteten Bau-, sondern zusätzliche Abrisskosten und die Suche nach Kampfmitteln. Von Norman Körtge 

2,4 Millionen Euro – so viel darf der Neubau der evangelischen Kindertagesstätte an der Martin-Luther-Straße kosten. Eine politische Entscheidung, die im Jahr 2015 gefällt wurde. Diese Vorgabe wird die Stadt nicht erfüllen können. Bau-Fachbereichsleiter Christian Heinemann schätzt, dass auf die Kommune Kosten in Höhe von 2,758 Millionen Euro zukommen werden. An den von einem Planungsbüro errechneten Baukosten in Höhe von 1,91 Millionen Euro liege das nicht, wie Bürgermeister Joachim Knoke und Heinemann in der jüngsten Hauptausschusssitzung berichteten. Zumal die Stadt das Bauvorhaben an einen Totalunternehmer abgeben möchte, der dies genau zu diesem Preis auch bauen soll. „Es ist ein ganz schlichtes Gebäude. Da ist alles weggespart, was weg zu sparen ging“, sagt Heinemann beim Blick auf den Entwurf.

Was nun allerdings viel teurerer wird, sind die Abrisskosten. Denn ursprünglich waren Lokalpolitik und Stadtverwaltung davon ausgegangen, dass das Gebäude am bisherigen Standort – Martin-Luther-Straße 1 – errichtet wird. Das ehemalige Gebäude ist auch bereits abgerissen, Kinder und Erzieher sind seit Januar 2016 im Sophie-Kehl-Heim einquartiert. An dieser Stelle war aber eine vergrößerte Kindertagesstätte mit dann geplanten vier Gruppen räumlich nicht machbar. Besser: der Standort der „Kinderkiste“. Eine vom Bund Deutscher Pfadfinder angebotene Nachmittagsbetreuung in einem städtischen Gebäude, Martin-Luther-Straße 9. Hinzu kam ein Grundstückstausch. Die Stadt gab an den Landkreis die Martin-Luther-Straße 1 ab und erhielt dafür vom Kreis die Grünfläche vor der Schule im Kirchgarten. Nun war ausreichend Platz für den Neubau der evangelischen Kindertagesstätte geschaffen.

Die „Kinderkiste“ ist mittlerweile auch abgerissen. Die Kosten hierfür waren allerdings nicht in der Ursprungsidee, also auch nicht in den 2,4 Millionen Euro, enthalten. Nach Auskunft von Heinemann belaufen sich die Gesamtabrisskosten für die zwei Gebäude nun auf etwa 360.000 Euro. Genaueres kann er noch nicht sagen, da der Kreis die Abrissarbeiten im Auftrag der Stadt ausführte. Warum? Weil der Landkreis sowieso vor hatte, ein Schulgebäude abzureißen und nun alles in einem „Aufwasch“ erledigt werden konnte.

Neu an Kosten hinzugekommen ist eine Kampfmittelsondierung, die mit zirka 100.000 Euro zu Buche schlagen wird. Das Regierungspräsidium habe neu angeordnet, dass überall, wo noch nicht bis auf fünf Meter Tiefe nach Blindgängern und Munitionsresten gesucht worden sei, dies bei Neubauten geschehen müsse. Hinzu kommt, dass die Stadt die an dieser Stelle stark ramponierte Martin-Luther-Straße nach den Bauarbeiten gerne sanieren würde, was weitere 100.000 Euro Kosten würde. Nicht zu vergessen: Mit den gesetzten 2,4 Millionen Euro waren wohl nur die Baukosten abgedeckt, nicht aber die Ausstattung, für die nochmals 132.000 Euro kalkuliert werden müssten.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

In der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, 1. Februar, steht nun eine Magistratsvorlage zur Abstimmung. Der zufolge sollen die Lokalpolitiker beschließen, dass das reine Bauvorhaben für 1,91 Millionen Euro an einen Totalunternehmer ausgeschrieben wird. Da anhand der Zahlen davon auszugehen ist, dass die Kosten für Abriss, Wiederherstellung der Straßenfläche und weiterer Anpassung das Gesamtbudget von 2,4 Millionen Euro überschreiten wird, sollen „später notwendige überplanmäßige Mittelbereitstellungen in einer gesonderten Beschlussvorlage den Stadtverordneten zur Beschlussfassung vorgelegt werden“. In der Hauptausschuss-Sitzung war vonseiten der CDU und Freien Wähler moniert worden, dass zu wenig Zahlen in der Vorlage enthalten waren. Außerdem hinterfragte CDU-Politiker Günther Eckert, ob überhaupt vier Gruppen notwendig sind. Seit dem Umzug ins Übergangsdomizil hat die Kita drei Gruppen.

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