Hergershäuser zeigen Party-Kondition

Globale Kerb im „geilen Nest“

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Eine Gruppe ehemaliger Kerbmädchen hatte sich zum Thema „Kerb around the world“ tolle Kostüme erschaffen und marschierte als Weltkugeln beim Umzug mit. Auf dem Globus markiert war ganz klar das „geile Nest“ Hergershausen.

Hergershausen - „Kerb around the world“ feierten die Hergershäuser vier Tage lang mit vielen traditionellen Elementen. Das selbst ernannte „geile Nest“ zeigte dabei jede Menge Kondition, Organisationstalent und vor allem Spaß am Party machen. Von Petra Grimm 

Zu den Höhepunkten der Hergershäuser Kirchweih’ gehörte am Wochenende ein bunter und lauter Umzug, der sich am Sonntag durch die Straßen bis zum Bürgerhaus bewegte, wo die Kerbrede kleine und große Missgeschicke, aber auch lokalpolitische Themen beleuchtete. Rund 20 Zugnummern, einige aus Wagen und Fußgruppe bestehend, rollten bei herrlichem Spätsommerwetter durch die Straßen des größten Stadtteils. Vereine, Freizeitcliquen und mehrere Gruppen ehemaliger Kerbburschen und – mädchen beteiligten sich. Wobei die eine Hälfte der Hergershäuser mitzulaufen schien und die andere begeistert das Publikum am Straßenrand gab.

Jung ist das Dorf, das über ein großes Neubaugebiet verfügt. Das wurde beim Anblick der zahllosen Turner- und Fußballerkinder im Umzug wieder deutlich. Außerdem zeigten sich die Hergershäuser stolz auf ihren Ort, der seit der letztjährigen Kerb den inoffiziellen Titel „Hergershausen – du geiles Nest“ trägt. Wer erinnert sich nicht schmunzelnd an die Hartnäckigkeit, mit der dieses alternative Ortsschild immer wieder am offiziellen Ortsschild angebracht wurde, nachdem das städtische Ordnungsamt es entfernt hatte.

Kerbvadder Kai Belzner feierte seine Premiere im so wichtigen Kirchweih-Amt.

Das aktuelle Motto „Kerb around the world“, das die meisten Fußgruppen und Wagen aufgriffen, geht auf eine Fotoaktion zurück, bei der die Hergershäuser aufgerufen waren, sich „weltweit, aber auch in Deutschland bei Urlauben oder anderen Aktivitäten mit dem Hergershäuser Kerbschild in der Hand fotografieren zu lassen“, erklärte eine Gruppe ehemaliger Kerbmädchen, die sich als Weltkugeln „verkleidet“ am Umzug beteiligten. International kostümiert waren so die meisten Akteure, von den Kickersfrauen bis zu den Turnerkindern, unterwegs. An den Wagen und Bollerwägelchen waren Slogans wie „Kerb rund um die Welt – Hejeshause alles in de Schatte stellt“ oder auch „Unser Kerb geht um die Welt, jeder fährt hin, wo’s ihm gefällt. Awwer was juckt uns de Welt ihr’n Rest. Am schönste is es doch im geile Nest“ zu lesen. Die Gruppe ANKKB (Als noch kaa Kerbborsche) war nicht „around“, sondern gruselig kostümiert bei der „Kerb beyond the world“, also jenseits im Schatten- und Totenreich, unterwegs. Die „Steaker“ aus dem Neubaugebiet hatten auf ihrem Wagen ein Tanzcafé aufgebaut, in dem jede Menge „Cordula Grüns“ feierten. Der Chor „Junge Töne“ machte Wahlwerbung der besonderen Art und rief bei seiner Demo in Hippie-Kostümen dazu auf, das „Parteibuch gegen ein Songbook“ auszutauschen. Die Gewässerverschmutzung thematisierten die Angler, die an ihren Angeln Packungen mit Fischstäbchen baumeln ließen und auf Plakaten verkündeten „Abfall hat keine Kiemen“.

Stimmungsvoll rollte die Parade bis zum Bürgerhaus, wo Kai Belzner, der seine Premiere als Kerbvadder feierte, die von Sabine Reitz, Evelyn Pfeiffer und Kerstin Kolb verfasste Rede hielt. Dabei warf der 24-Jährige, der seit vielen Jahren bei der Kerbdisco am Freitag DJ Loca Sato (Sascha Kunz) mit seiner Veranstaltungstechnik unterstützt, einen Blick auf Pleiten, Pech und Pannen der Dorfbewohner, aber auch skurrile Ereignisse, wie die Tatsache, dass die Stadt Nürnberg ernsthaft und unter Strafandrohung gegen das letztjährige Hergershäuser Kerbtanzmotto „Blaue Nacht“ protestiert hatte, weil sie den Begriff hätten schützen lassen. Der Konter des Kerbvadders: „Vom Anwalt kam e böses Schreiwe. Mir solle lasse des Motto bleiwe. Ansonste müsste mir en Haufe Zaster berabbe. Da is uns erstemol e‘runnergefalle die Klabbe. Drum sache ich Euch hier un heut: Auch mir lasse uns schütze das ,Du Geiles Nest’, ihr liewe Leut.“

Kerb 2018 in Hergershausen: Bilder

Die ausbleibende Besiedlung des Storchennests auf der Alten Schule, an dem vom Verein Herigar eine Kamera angebracht wurde, wurde kommentiert: „Die Stärsch ham gedacht, da ziehe mer aus. Des is ja wie im Big Brother Haus“. Und natürlich war die erfolgreiche Demo vor der Volksbank wegen des nicht behindertengerechten Zugangs ein Thema der gelungenen Rede.

Organisiert war die Kerb in diesem Jahr vom Turnverein, der das Management der Großveranstaltung immer im Wechsel mit dem Sportverein Kickers übernimmt. Unterstützung erhalten die ausrichtenden Vereine seit einigen Jahren von einem engagierten Kerbgremium, in dem sich rund 20 Hergershäuser über alle Vereinsgrenzen hinaus zusammengefunden haben. Gestern wurde dann traditionell bei Live-Musik, Vorführungen und deftigem Essen der Frühschoppen zum Spätschoppen gemacht, ehe das „geile Nest“ dann auch wieder zur Ruhe kam.

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